Endlich Eltern: die Adoption unseres Sohnes
Veröffentlich von Katharina Runge am 19. Januar, 2012
Ich habe es ganz vergessen, zu erzählen, hier im Blog. Dabei war es so ein schönes Erlebnis – wie konnte ich es nur vergessen? Und zwar: Jordans Stiefkindadoption durch meine Frau. Ich war überrascht, dass es ein schönes Ereignis war. Denn zuerst empfand ich es als einen lästigen, bürokratischen Akt mit durchaus diskriminierenden Zügen. Natürlich ist er das auch. Ich bin der Meinung, dass zwei Menschen, die gemeinsam beschließen, ein Kind zu bekommen, automatisch auch als Eltern verstanden werden sollten. Aber dazu später.
Bei uns ging es reibungslos und schnell. Schon vor der Geburt hatten wir uns einige Male beim Notar beraten lassen. Acht Wochen nach der Geburt konnte dann der Antrag auf Stiefkindadoption gestellt werden. Zunächst brauchten wir jede Menge Dokumente, die insgesamt nicht gerade wenig Geld kosteten. Meine Frau brauchte ein polizeiliches Führungszeugnis und ein ärztliches „Adoptionseignungsattest“ und eine Gerburtsurkunde. Ich musste eidesstattlich versichern, dass die Vaterschaft weder anerkannt noch gerichtlich festgestellt wurde und dass mir der Vater unbekannt sei. (Letzteres konnte ich nicht machen, weil er mir bekannt ist, wir aber vereinbart hatten, dass er in dem Verfahren nicht genannt wird.) Dazu kam noch ein aktueller Auszug aus dem Geburtsregister für Jordan und eine beglaubigte Kopie unserer Partnerschafturkunde. Ich glaube insgesamt haben wir mehr als 200 Euro ausgegeben.
Als das alles beisammen und eingereicht war, bekamen wir Besuch vom Jugendamt. Wir plauderten sehr nett mit der Dame, die dann sagte: „Also, ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass Sie sich das nicht gut überlegt hätten.“ Dann war sie wieder weg. Einige Zeit später wurden wir zum Gerichtstermin geladen mit der Begründung, das Gericht wolle sich ein Bild von unserer Lebenssituation machen. Wir waren schon ein bisschen aufgeregt. Ich telefonierte noch einmal mit unserem Notar und ließ mich beraten, was ich tun solle, wenn der Richter – weiterhin – nach dem Namen des Vaters fragen sollte. Er beruhigte mich, dass das alles halb so wild sein würde, niemand mich zwingen kann, den Namen zu sagen.
Dennoch war ich unsicher. Auf dem Weg zum Gericht schärfte ich meiner Frau ein, freundlich zu bleiben und nicht mit dem Richter über das Verfahrens zu diskutieren. Sie hielt sich auch daran und der Termin verlief ziemlich entspannt. Unseren Fall hatte, nachdem er zunächst von einer recht streng erscheinenden Richterin bearbeitet worden war, ein junger freundlicher Richter übernommen. Auch er erklärte mir, dass er dazu angehalten ist, nach dem Vater zu fragen, dass er mich aber nicht zu einer Antwort zwingen könne. Er war so freundlich, dass ich dann doch über die Unsinnigkeit des Verfahrens einige Worte verlor, aber nach wenigen Minuten erhoben wir alle uns feierlich und der Richter verkündete „im Namen des Volkes …“. Steffi war jetzt ganz offiziell Jordans Mutter. Wir hatten gar nicht damit gerechnet. Wir hatten die Vorstellung, dass wir da hingehen würden, und wir nach dem Gespräch irgendwann ein Dokument zugestellt bekämen, das unsere Elternschaft beurkundet. Stattdessen urteilte der Richter sofort, alles war rechtskräftig und ich war so gerührt, dass ich weinen musste. Das Gefühl, dass wir nun wirklich offiziell Eltern sind, war überraschend erhebend.
Vielleicht hatten wir einfach Glück, dass dieser Richter unseren Fall übernommen hat. Von den meisten befreundeten Paaren höre ich, dass alles wesentlich länger dauert. Entweder brauchen die Richter oder Richterinnen ewig für die Bearbeitung oder das Jugendamt schickt über Monate seinen Bericht nicht oder beides. Ich bin dafür, dass all das abgeschafft wird. In einer Ehe ist automatisch immer der Ehemann Vater, auch dann wenn das Kind durch künstliche Befruchtung und durch Samenspende entstand. Ich finde, das sollte in einer eingetragenen Partnerschaft genauso sein.






