Cher Jürgen,
erstens möchte ich Dir sagen, dass mir Euer Pornfilmfestival sehr gefallen hat. Sogar einige schöne Lesben-Pornos gab es da! Sonst werden lesbische Szenen oft nur von Männern für Männer gedreht, man braucht sich nur die riesigen langen roten scharfen Fingernägel der Schauspielerinnen ansehen. Glauben die Regisseure wirklich, dass Frauen sich gern die Klitoris mit scharfen Klingen betatschen lassen?
Und zweitens wollte ich dir auch sagen, dass Du, Jürgen, super süß bist.
Als Du bei der Fragerunde nach dem lesbischen Kurzfilm „Uniform“ mit wohlwollendem Blick und deiner unbefleckten Mütze auf dem Kopf die Regisseurin gefragt hast, ob sie der Meinung sei, dass die Sex-Szene authentisch wirke, weil Du als Schwuler keine Ahnung vom weiblichen Orgasmus hast, warst Du echt sexy.
Denn zu Deiner Überraschung endete der wilde Geschlechtsverkehr zwischen einer weisen Schwarzfahrerin und der schwarzen Kontrolleurin damit, dass die Durchgefickte in Tränen ausbrach.
Du hast recht, Jürgen, Frauen spritzen meistens nicht ab – ihr Ejakulat bleibt ein Sonderfall. Klar macht es das schwieriger, festzustellen, wann und ob sie kommt. C’est la vie. Also hier einige Tipps, falls Du künftig einen weiblichen Höhepunkt auf „Echtheit“ prüfen willst:
Für jeden echten weiblichen Orgasmus gibt es bestimmte Signale. Vor dem Höhepunkt beginnt ihre Nase zu laufen. Leicht. Ganz leicht. Die Haut zwischen den Brüsten wird zart Rot. Allmählich verhärten sich ihre Brustwarzen. Ihre Pupillen weiten sich. Ihr Atem wird schneller. Der Hals wird trocken. Sie schluckt. Und zuckt. Der große Zeh richtet sich auf! Erlöst bricht der Körper manchmal vor Freude in Tränen aus. Oui. Das kann kein Mensch vortäuschen. Bei mir fühlt sich das so stark an, dass ich glaube, ich könnte alles machen. Als wäre ich sogar im Stande Wasser zuzunähen. Natürlich kann ich das – ich brauche einfach nur die richtige Nadel.
Du siehst, cher Jürgen, das ist sehr einfach.
(Jürgen Brüning: Erfinder des Berliner Pornfilmfestivals)








