Siegessaeule BlogSchwul-lesbischer Blog für Berlin und Deutschland

Archiv des Monats November, 2008

Der Blog zum Thema Homophobie

Veröffentlich von sis am 27. November, 2008

12 Kommentare

Das Thema der Szene im Monat November: Homophobie und gewalttätige Übergriffe gegen Schwule und Lesben.

Die Siegessäule hat ein Dossier Homophobie (siehe Startseite) zusammengestellt. Diskutiert mit und postet hier eure Kommentare!

Motoradstiefel aus. Stöckel an.

Veröffentlich von Céline Robinet am 21. November, 2008

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Chère Laura,

dass eine Frau auf die Idee kommt, sich eine Hure zu holen! Finde ich toll. Wenn bio-Frauen über Sexarbeit nachdenken, ist das sonst oft fast nur ein “für oder dagegen sein” (sprich: ist Prostitution moralisch vertretbar, d.h. sollen Männer weiterhin Zugang zum weiblichen Körper gegen geld haben?). Oder sie überlegen, ob sie in der Branche auch mal arbeiten könnten. Selten sehen sie sich als potentielle Kundinnen. Anyway, sie haben das Geld nicht. Und wenn schon, wo wäre das passende Angebot für sie? Lesben werden in viele Bordelle erst gar nicht reingelassen, und bio-Männer, die für hetero-Frauen am Geschäftsverkehr teilnehmen, sind dünngesät. Marktlücke. Als lesbenbeauftragte: gut, dass du da bist, Laura.
(Laura Méritt: u.a. Inhaberin vom lesbischen Sexshop Sexclusivitaeten www.sexclusivitaeten.de)

an die innerlich bleichen

Veröffentlich von Egbert am 21. November, 2008

2 Kommentare

Possums, das ist ja wie ein schlecht gestimmtes, allzu schnell improvisiertes tröten-orchester überall in der stadt! der sagenhafte, nebelhafte november-blues! glaubt mir, ich habe ihn schon länger als ihr (und irgendwie ja auch das ganze jahr…), aber es ist doch sehr fad, wenn man von relativ intelligenten menschen spätestens am totendenktagsonntag oder an diesem noch wirreren buss- und betttag sich dieses rituelle, weinerliche zeug anhören muss. nun ja, ich bin auf die welt gekommen, um euch zu desillusionieren, deshalb: wir gehören (nun leider) nicht zu den leuten, die von sich sagen können, dass ihnen im november wie den fitzgeralds und den rouarts „die bahamas am besten zusagen“. wenn man es mit mir verderben kann, dann mittels ausgedehnter wettergespräche. was soll´s?! dein arschloch ist dein arschloch (da denkst du doch auch nicht – hoffe ich – an drastische kosmetische eingriffe), das wetter ist das wetter, wir haben die natur radikal ruiniert, sie rächt sich naturgemäss, der papst ist halt diese verquaste, erzreaktionäre tuntentucke (die socken, die schühchen! mon dieu!), und die niagarafälle sind die niagarafälle. paris hilton wird sich auch nicht mehr verändern. wenn ich derzeit auf einen wettergesprächler treffe, entfernt sich mein gehirn blitzschnell aus meinem lady-madonna-schädel. wer sich beklagt, kriegt von mir einen fünfwöchigen urlaub im tschad (one-way-ticket) spendiert. warm ist es da ja.

HERBSTGLÜCK! schon mal darüber nachgedacht, warum der herbst die lieblingsjahreszeit vieler dichter ist? der herbst zum beispiel ist puschkin-zeit! nicht die des billigfusels, sondern des grössten russischen schriftstellers. es ist eben alles eine frage der beleuchtung, der perspektive … JETZT ist jedenfalls der zeitpunkt gekommen, um sich (ohne hemmungen) diesen 7 meter langen schal von missoni und (für die damen unter uns) diese scharfen, bis über das knie reichenden stiefel zu kaufen! (stiefelfetischisten wie ich freuen sich doch sehr auf die gerade hoch angesagte stiefelschwemme – und es stimmt schon, jedes (fast) jedes weibliche wesen sieht in stiefeln einfach e … nun ja, doch einen zacken schärfer, verwegener aus, selbst wenn man denkt, die gute kommt direkt aus der kolchose.

es gibt, das ist das gesetz der natur, den winterschlaf. es gibt alkohol, poppers, schokolade, … wird´s denn allzu grau, verschreibt der dr. feelgood deines vertrauens dir gern tavor oder ritalin … und schon gibt es nichts schöneres, als herbstreife nüsse zu knacken und entrückt auf die herbstlichen platanen zu blicken mit ihren gelben und grünen fleckengirlanden.

die ideale lektüre für die november-gestressten ist “LEICHTES LICHT” von meinem über alles geliebten hans pleschenski. der winter wird danach anders! es ist die saukomische, gnadenlose geschichte einer mittelalterlichen sozialarbeiterin aus hamburg, völlig weichgespült, die billigausgabe einer russischen gottesnärrin, die zu eben dieser jahreszeit zur dringend benötigten reparatur eine woche auf die kanaren fliegt … KAUFEN!!!

poem of the week

Veröffentlich von Egbert am 17. November, 2008

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lenore kandel: monsterschau und finale
zeig dich!
zeig mir dein tätowiertes rückgrat und deine sternüberkrustete zunge!
gib dein wildes knurren zu, deinen blutigen rachen!
deck deine natur auf und verrate deine träume!
LASS DAS TIER FREI!!!
erlaube dem hund zu fliegen, gestatte der spinne liebe!
bist du das regenbogenköpfige kind, das traumorakel, die schmerzhexe, der tränenpriester, die liebestür?
ZEIG DICH!!!
bist du der heilige der lust, bist du das tier, das weint?
ZEIG DICH!!!
bist du LEHRLING HEIRATET ACHTUNDSIEBZIGJÄHRIGE
von lust geschüttelt
bist du VATER VON 3 KINDERN ERSCHIESST SICH UND JÜNGSTEN SOHN
bist du WAHNSINNIGER VERBRENNT LIEBESPAAR
bist du UNBEKANNTE SPRINGT VON BRÜCKE
bist du SIEBZEHNJÄHRIGE MIT KETTEN GEFESSELT
bist du halb mann, halb frau, wiegst du sechshundert pfund, kannst du auf händen gehen, mit deinen zehen schreiben, auf einem gespannten seil tanzen?
ZEIGE DICH!
NIMM DIE KREATUR AN
UND BEGINN DEN TANZ

by the way, vielleicht hilft´s ja auf dem lebensabschnittsweg? ein aristokratischer philosoph des 18. jahrhunderts sagte es doch schon definitiv: “man muß jeden morgen eine kröte schlucken, wenn man sicher sein will, daß einem an diesem tag nichts noch widerwärtigeres begegnet.” also, ihr lieben da draußen, laßt uns kröten züchten!

Die Sexkoryphäe

Veröffentlich von Serpil Pak am 14. November, 2008

2 Kommentare

Sehr geehrter Mr. X, danke für deinen Kommentar, gerne kläre ich Dich auf. Als Sexkoryphäe von Kreuzberg ist das meine Aufgabe. Wie ich allerdings zur Sexkoryphäe geworden bin entzieht sich auch meiner Kenntnis. Meine Vermutung: mein sexponierter Tanzstil verleitete zu dieser Wortneuschöpfung. Ich habe diesen Ruf von der Berliner Szene verliehen bekommen. In einer sexlosen Phase meines Lebens hat mir eine Lesbe diesen Satz entgegengerufen, als ich sie anflirten wollte: „Geh weg, ich habe Angst vor dir, du bist als die Sexkoryphäe aus Kreuzberg verschrien!“ ??? Zunächst war ich geschmeichelt, dann bald überfordert. Ich meine, was ist eine Sexkoryphäe, was muss sie alles wissen, was eventuell alles können?
Vor allem: warum hatte mir das bis jetzt niemand gesagt? Dann hätte ich wenigstens ein paar Rechte eingefordert. Wie kann einen der eigene Ruf so dermassen links überholen? Jedoch: Alles was ich mache, mache ich 175 %. Also habe ich versucht erstmal Begrifflichkeiten festzulegen. Ich meine, was gibt es überhaupt für Arten von Sex: horizontal, vertikal, subkutan, sm und latexsex, bio und floralsex, latex und verbalsex, Schwule kürzen gerne alles ab: mm, ns, av, ov, tt … Zuerst habe ich auch in deren Szene recherchiert, aber dann wollte ich nicht weiter im Kakasutra wühlen.
Aber Kreuzberg braucht dringend eine Sexkoryphäe, wer soll sich denn in diesem verbalen Sexchaos noch zurechtfinden. Neueste Entwicklungen sprachlicher Finessen: Ich habe ein befreundetes schwules Paar. Der Schwiegervater nennt den einen seine Schwiegerschwuchtel. Oder eine befreundete Transe, deren Nichte gibt mit ihm immer in der Schule an: du hast eine Tante, du hast einen Onkel, pah …, ich habe einen Tantonkel!!
Also Mr. X, bevor du dich zu einem meiner Seminare anmelden willst, sollte ich dir sagen, eine Sexkoryphäe hat keinen Sex, die beschäftigt sich auf rein theoretischer Ebene damit, heisst ja nicht Sexbombe. Nuttiges Schicksal sagen die Orientalen.

ein minenfeld

Veröffentlich von Egbert am 13. November, 2008

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“it´s immoral that i missed him. I should have done target practice.” (Valerie Solanas)

vielleicht ist die welt schon untergegangen und wir wissen es nur noch nicht. jedes bett ein minenfeld, jeder alkoven ein vipernverseuchtes grundstück, jeder mitternächtliche autorücksitz ein imaginärer rosengarten mit richtigen ratten darin, jeder flirt irgendwie eine büchse würmer. “sex ist das asyl der bewusstlosen”, wie unsere volkheldin einmal bemerkte, als sie einem miesen freier, dem sie sich für 40 dollar als sex-sklavin angeboten hatte, um zeit fürs schreiben zu finden, die stilettospitze eines fick-dich-lacklederstiefels ins verdutzte gesicht bohrte. “klar bin ich von der sitte”, beantwortete sie die letzte frage der sich langsam zu murmeln verwandelnden augen ihres gönners und riss ihren reissverschluss auf, um ihre vulva vorzuzeigen. “das ist meine kripomarke”
who´s that girl? vor 30 jahren schoss valerie solanas auf pop-zombie andy warhol, vor 20 jahren starb sie elendiglich auf den strassen von san francisco. sie ist die autorin eines der grössten feministischen manifeste “SCUM (society for cutting up men)”. ein vorbild, nicht nur für unsere weibliche jugend! mehr über solanas im aktuellen L-MAG. wir gedenken!