Siegessaeule BlogSchwul-lesbischer Blog für Berlin und Deutschland

Archiv des Monats Dezember, 2008

Love is a four letter word

Veröffentlich von Egbert am 25. Dezember, 2008

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worte des trostes:” gott schuf den menschen nach seinem bilde, aber der mensch hat es ihm gründlich heimgezahlt”

“liebe ist niemals ein ehrbares gefühl” (colette)

“… uns beide verzehrten die gleichen leidenschaften. wir blickten auf die welt wie auf eine wiese im mai, eine wiese voller frauen und pferde.” (ljutow)

liebe strömt durch die städte wie blut. unerwiderte liebe, liebe in überfülle. liebe auf der flucht, liebe im geheimen. liebe zwischen alter und jugend, arzt und patient, hure und zuhälter. liebe zwischen gleichen, liebe zwischen ungleichen. liebe der jungfrau, die vom gewicht ihres hymens befreit wurde. liebe des witwers, der mit dem fleisch wiedervereint wird. liebe der ehefrau, die beim anblick einer fremden die eheliche treue zum fenster hinaus wirft. liebe zwischen den rassenschranken. liebe für einen selbst, in einem anderen herzschlag verwirklicht. liebe, die selbst in der sünde treu ist. liebe bis zum tod und darüber hinaus. liebe im übergang. liebe in der unterstadt, in den alten herrenhäusern, in den neuen wohnsilos, in den wellblechschuppen. besessene liebe. liebe jenseits des schicksals, der anständigkeit, der zeit, der menschen und gottes. ideale liebe, fleischliche liebe. triumphierende liebe.

Weihnachtsgeschenk – Teil 2

Veröffentlich von Céline Robinet am 22. Dezember, 2008

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Chère Stefanie,

mit der Heiligen Maria zu ficken, ist echt ein Ding. Ich meine den Dildo in Form von Maria mit der Blume, die sich von ihren Füssen herhebt und die Klit stimuliert. Ach so, stimmt, du nennst sie die “Madonna”. Also mit Madonna zu ficken, ist echt ein Ding. Ok, den Toy habe ich gedreht und mir die knospende Rose lieber von hinten gesteckt. So, ein oder zwei Zentimeter rein, hat erstmal gereicht. Nur die vibrationsfunktion habe ich ausser Acht gelassen – Vibratoren an sich finde ich geil, aber das macht viel zu viel Krach. Krass, wieso hat sich bis jetzt kein-e Erfinder-in genügend mit dem Thema weiblicher Sexualität auseinandergesetzt, um stumme Vibratoren zu erschaffen? Muss doch wohl möglich sein. Apropos, lange habe ich geglaubt, dass diese Teile zum Eindringen vorgesehen sind – eine Art etwas ruhigeres Presslufthammers. Aber non: Am besten sind Vibratoren für die Stimulation der Klitoris geeignet!

Wer hätte das gedacht.

Sowie: Lange, noch bevor ich mit einer bio-Frau Sex hatte, habe ich mich auf einen Doppeldildo gefreut. So einen toy, den wir beide in uns haben, und mit dem wir uns gegenseitig Stösse geben und auch gleichzeitig den Venus-Hügel und die Klit aneinander reiben können, so ein Ding, das nicht rausrutscht und mit dem wir aber auch richtig Liebe machen können. Bisher sind meine Erwartungen nicht ganz in Erfüllung gegangen. Von daher finde ich es super, chère Stefanie, dass du dich damit beschäftigst und bei deinen Kundinnen nachfragst und darauf neue Modelle entwirfst, die dann immer besser werden. Merci.

Ach so, und in gewisser Hinsicht sind wir Lesben dank deinen Spielzeugen ja alle wie Pamela Anderson. Nur, dass wir das Silikon nicht in der Brust sondern umgeschnallt als Schwanz tragen. Ausserdem spritzen wir es uns irgendwie auch selber ein, oder gegenseitig, oder so. Ach, arme Pam, die vorm Schlafengehen ihren Busen nicht abnehmen und ihn auch nicht mit lauwarmem Wasser und Seife oder Spülmittel reinigen kann.

Wie auch immer. Stefanie, “Wellen”, deinen Bestseller mit wellenförmiger Oberfläche, finde ich toll. Aber am meisten freue ich mich über deinen “Klassiker”. Den habe ich mir in Schwarz mit 44 mm Durchmesser und 190 mm Länge gekauft. grins.
(Stefanie Dörr: Gründerin von PlayStixx BERLIN, art-erotic-toys manufacture www.playstixx.de)

Weihnachtsgeschenk – Teil 1

Veröffentlich von Céline Robinet am 22. Dezember, 2008

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Chère Beatriz,

neulich sah ich zwei freundliche Lesben vor einem Stand mit Dildos und Harnessen, wie sie mit grossen Augen staunten: dass es sowas gibt. Wofür denn eigentlich? Nee, wollten sie nicht ausprobieren. Das sei doch bloss das blanke Nachmachen des heterosexuellen Geschlechtsverkehrs.

Also ich verstehe es nicht. Dass es noch Lesben gibt, die nicht wissen, dass es der Möse – und auch dem Arsch – eine grosse Freude bereitet, penetriert zu werden. Nur, weil sie Penetration mit Penis gleichsetzen. Wenn das nicht heisst, die weibliche bzw. lesbische Sexualität vom heteronormativen Muster bestimmen zu lassen! Meine theorie ist, dass wir uns erst dann vom Penis als einzigen Eindringer lösen können, wenn wir die unterschiedlichen Objekte, die zu Penetrationszwecken verwendet werden können: Finger, Dildo, Penis, Faust, Gurke, Stift… auf eine paradigmatische Achse festlegen. D.h. im Grunde ist der Penis wie eine Gurke; die Gurke wie ein Stift, usw; die Paradigmen sind frei nach Laune austauschbar und für sich gleichwertig. Das ist eigentlich so. Obgleich wir im Alltag keine Penisse essen und nicht mit Penissen schreiben. Minuspunkte für Schwänze. Mit Gurken und Stiften werden obendrein weniger Menschen vergewaltigt. Übrigens ist Penetration als fast unumgängliche Praktik des Fickens eine westliche Sichtweise: Im asiatischen Raum, z.b. in Japan, ist das Umhüllen wichtiger – daher hat Bondage dort einen besonderen Stellenwert. Aber wir leben ja im Westen. Daher die Dildos. Die ersten, die in der Lesbenszene kursierten, waren auch oft in Form von Delphinen anzutreffen, um nicht zu erschrecken. Oder als Heilige Maria mit einer Blume, die sich von ihren Füssen herhebt und die Klitoris kitzelt. Es gab auch Würmer. So hot! und heutzutage: Dildos mit blinkendem Ende, damit frau ihre Sexpartnerin im Darkroom lokalisieren kann. Welche in Form von Gurken, die bei der Anwendung ihre grüne Farbe verlieren und gelb werden. Die aber dann nicht zu verwechseln sind mit den Maiskolben-dildos. Da frage ich mich, ob durch die Hitze da drin diese plötzlich zu Popcorn werden. Anyway. Ein dildo ist ein schönes Geschenk. Und nicht nur zu Weihnachten. Auch wenn er genau in eine Socke passt. Da freuen sich doch die Fussfetischisten.

(Beatriz Preciado: Philosophin und Autorin)

Heilige Tannen, Teil zwei

Veröffentlich von Serpil Pak am 17. Dezember, 2008

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eine Frage drängt sich im letzten Blogeintrag auf: Wie ist der Hammel ins Wohnzimmer gekommen??

Also:
Die haben den Hammel über drei Stockwerke bis ins Wohnzimmer getrieben. Als Lockmittel haben die den heimischen Farn aus dem Badezimmer benutzt. Ist doch gar nicht so schwierig. Aber falls ihr jetzt Lämmer als Haustiere halten wollt dann warne ich euch: Hammel können zwar die Treppe rauf aber nicht runter laufen. Nur so als Tip.

  • Hier übrigens mein Weihnachts-Nicoletta-Gedicht:

Drüben aus Neukölln komm ich her
Und muss euch sagen es weihnachtet sehr
All überall auf den Balkon- und Terrassenspitzen
Sah ich üppige Weinachtsbeleuchtung blinken
Und droben vor dem Karstadttor
Schaut mit hungrigen Blicken die Finanzkrise hervor

Ich bin die türkische Weihnachtsnikoletta, ein schlimmer Lümmel
Ich mag Lebkuchen und Criststollen mit einem Hauch von Kümmel
Auch Türken feiern das grosse Fest, gehen gerne geschenke bummeln
Im Weihnachtsstress mal hier hin mal dorthin wie die wilden Hummeln

Habe gehört viele Deutsche feiern das Fest eher alternativer
Nix mehr mit Geschenken, machen lieber Urlaub in Teneriffa
Die Türken kaufen sich Weinachtsbäume mit viel Schmuck nicht fiktiv
Befestigen obendrauf Muttis goldbesticktes Kopftuch sehr effektiv

Wie komme ich aus der Nummer jetzt bloß raus
Ich bin nur die Weihnachtsnikoletta und ich braus
Auf meinem Rentierschlitten durch die ganze Welt
Und ich sage euch es regiert doch nur das Geld

Ein schwarzer Präsident Obama zieht ins weisse Haus
Bush mit atomarer Rute gibt den Ruprecht als böser Nikolaus
Trotz der Finanzkrise leben wir gerne weiterhin in saus und braus
Die letzten Ölreserven sind dabei der reinste Leichenschmaus

Das Glück, Teil zwei

Veröffentlich von Egbert am 15. Dezember, 2008

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geld und ergo auch liebe sind vorhanden, voila:

als nächstes will man ruhm, oder wenn man nicht allzuviel zu bieten hat (also kein berühmter physiker oder herzspezialist etc etc ist), will man zumindest eine celebrity sein (berühmt dafür, dass man berühmt ist so wie paris hilton oder madonna). so etwas ist relativ einfach – du kaufst mit deinem ganzen geld eine zeitung oder einen tv-sender und plazierst dich dort von morgens bis abends; du kannst auch filme finanzieren und dich zum star deiner eigenen filme machen.

okay, jetzt hat du geld, liebe und berühmtheit. aber nun mal ehrlich, hinter deinem rücken machen sich die leute über dich lustig. also was nun? die antwort heisst: macht.

und nun kommt´s – du hast alles: geld, liebe, berühmtheit und macht. aber wärst du dann glücklich? ich sage dir: nein. du würdest wahrscheinlich extrem neurotisch oder irgendwie wahnsinnig und auf jeden fall vollkommen unerträglich werden, auch für dich selbst.

es gibt in der geschichte jede menge beispiele von leuten, die alle vier dinge hatten und wahnsinnig wurden. 

es ist einfach so: in unserer gesellschaft ist einfach nie jemand mit irgendetwas zufrieden.

 gut, bettelmönche und yogis mögen zufrieden sein, aber eigentlich glaube ich nicht daran. sie wollen unendliche weisheit oder sie wollen wundertäter sein oder sie wollen aus wasser wein machen. aber sie sind – wie wir alle – unvollkommen, und es gibt eben immer etwas, was man noch dazu haben will. 

mensch zu sein mit all diesen nicht zu befriedigenden emotionen, finanziellen, physischen und sexuellen wünschen ist wirklich nicht einfach.

wenn das ultimative ziel im leben das glück ist, dann musst zu zugeben, dass einzellige lebewesen besser dran sind als wir. eintagsfliegen, ameisen, kakerlaken und bazillen sind wahrscheinlich immer glücklich. sie sind uns überlegene schöpfungen, sie singen nicht den Blues.

Heilige Tannen

Veröffentlich von Serpil Pak am 12. Dezember, 2008

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Es weihnachtet sehr … Dieses Jahr bin ich auch richtig weihnachtlich drauf. Ich bin zwar eine atheistische Zwangsmuslima aber will ich mir wirklich, im Angesicht der Finanzkrise, meine Gemütlichkeit kaputt machen lassen? Nein! Mir fällt außerdem auf, bei immer mehr türkischen Familien bricht das Weihnachtsbaumfieber aus. Bei all meinen türkischen Freunden gab es riesige Tannenbäume, behängt am liebsten mit Gold. Das Geschenk für Mutti gut getarnt im Baum. Auf der Tanne, unter, und neben der Tanne Unmengen von Geschenken. Eine Familie hat direkt neben der Tanne einen Hammel geschlachtet, um die Tanne heilig zu sprechen.
Letztes Jahr war ich zu Heiligabend auf einem türkischen Beschneidungsfest. Kulturschock. Habe ich doch den Weihnachtsbaum vermisst … Ansonsten gebe ich bei meinen Ausflügen in transkulturelle Parallelwelten Neuköllns gerne die Weihnachtsnikoletta. Wie mein Weihnachtsgedicht lautet, erfahrt ihr das nächste mal …

eure Nikoletta