Weihnachtsgeschenk – Teil 1
Veröffentlicht von Céline Robinet am 22. Dezember, 2008
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Chère Beatriz,
neulich sah ich zwei freundliche Lesben vor einem Stand mit Dildos und Harnessen, wie sie mit grossen Augen staunten: dass es sowas gibt. Wofür denn eigentlich? Nee, wollten sie nicht ausprobieren. Das sei doch bloss das blanke Nachmachen des heterosexuellen Geschlechtsverkehrs.
Also ich verstehe es nicht. Dass es noch Lesben gibt, die nicht wissen, dass es der Möse – und auch dem Arsch – eine grosse Freude bereitet, penetriert zu werden. Nur, weil sie Penetration mit Penis gleichsetzen. Wenn das nicht heisst, die weibliche bzw. lesbische Sexualität vom heteronormativen Muster bestimmen zu lassen! Meine theorie ist, dass wir uns erst dann vom Penis als einzigen Eindringer lösen können, wenn wir die unterschiedlichen Objekte, die zu Penetrationszwecken verwendet werden können: Finger, Dildo, Penis, Faust, Gurke, Stift… auf eine paradigmatische Achse festlegen. D.h. im Grunde ist der Penis wie eine Gurke; die Gurke wie ein Stift, usw; die Paradigmen sind frei nach Laune austauschbar und für sich gleichwertig. Das ist eigentlich so. Obgleich wir im Alltag keine Penisse essen und nicht mit Penissen schreiben. Minuspunkte für Schwänze. Mit Gurken und Stiften werden obendrein weniger Menschen vergewaltigt. Übrigens ist Penetration als fast unumgängliche Praktik des Fickens eine westliche Sichtweise: Im asiatischen Raum, z.b. in Japan, ist das Umhüllen wichtiger – daher hat Bondage dort einen besonderen Stellenwert. Aber wir leben ja im Westen. Daher die Dildos. Die ersten, die in der Lesbenszene kursierten, waren auch oft in Form von Delphinen anzutreffen, um nicht zu erschrecken. Oder als Heilige Maria mit einer Blume, die sich von ihren Füssen herhebt und die Klitoris kitzelt. Es gab auch Würmer. So hot! und heutzutage: Dildos mit blinkendem Ende, damit frau ihre Sexpartnerin im Darkroom lokalisieren kann. Welche in Form von Gurken, die bei der Anwendung ihre grüne Farbe verlieren und gelb werden. Die aber dann nicht zu verwechseln sind mit den Maiskolben-dildos. Da frage ich mich, ob durch die Hitze da drin diese plötzlich zu Popcorn werden. Anyway. Ein dildo ist ein schönes Geschenk. Und nicht nur zu Weihnachten. Auch wenn er genau in eine Socke passt. Da freuen sich doch die Fussfetischisten.
(Beatriz Preciado: Philosophin und Autorin)
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