Siegessaeule BlogSchwul-lesbischer Blog für Berlin und Deutschland

Archiv des Monats Januar, 2009

movie madness

Veröffentlich von Egbert am 29. Januar, 2009

Keine Kommentare

hello possums, trainiert euer sitzfleisch, denn in wenigen tagen sitzt ihr wieder im dunkeln, mit der hoffnung auf cineastische erleuchtung, und: sie wird euch gewährt werden. dieses jahr wieder in der sektion panorama (verdienstvoll mit einem -unter anderem – traditionell queeren fokus), die -wunder über wunder! – den 30. geburtstag feiert! also, beweist euren dank unter anderem auch an der kinokasse! ich selbst möchte einen film besonders empfehlen, und lasst euch nicht von der länge (191 minuten) abschrecken, der film hängt keine minute durch! RABIOSO SOL, RABIOSO CIELO, ein werk aus mexiko, das sich fassbinder, genet, mishima und pasolini morgens um 3 im banne des mescal ausgedacht haben könnten. eine mythisch-mystische, labyrinthische geschichte von der geburt und vom triumph der liebe. mit viel sex als bonus, also…

und ich freue mich auf sean penn als harvey milk im biopic MILK. gibt es in hollywood einen mutigeren schauspieler derzeit als penn? er übernimmt rollen, die so schwierig sind, dass sie quasi unspielbar sind. ein autistischer mann, ein rächender vater (jenseits von grossartig: MYSTIC RIVER!) , ein sterbender professor, ein überdrehter loser. schön, dass er  jetzt mal in MILK einen glücklichen menschen spielt. und noch einer meiner favoriten: ANDER, das ist BROKEBACK MOUNTAIN mit  happy-end – it´s kleenex-time again!

ein genre, das ich sehr schätze, sind  die nuttenfilme. aber eigentlich sind ja die meisten filme irgendwie nuttenfilme, wenn sie von der komplex-komplizierten verbindung zwischen geld und macht und sex und liebe handeln. fassbinder hatte kein anderes thema. hallo! gibt es größere nutten als jane fonda in KLUTE, anna karina in VIVRE SA VIE und elizabeth taylor  in BUTTERFIELD 8 zum beispiel? und da ist noch giulietta massina in LE NOTTI DI CABIRIA, ein film, der mein teenagerleben völlig veränderte.

und das ging so:

das licht verglimmt, ich befinde mich in der turbulenten dunkelheit der resi-lichtspiele in radolfzell am bodensee. mit einem kerl geht cabiria ein verkommenes römisches flussufer hinunter. ich bewundere sie sofort masslos. die sitzt nicht verklemmt in einem kino herum wie ich, die nimmt sich ihre liebhaber. und dann ist sie da mit einem anderen mann. sie trinken roten wein auf einer terrasse am meer. voller liebe zieht sie eine fette rolle lirescheine hervor. für dich, amore, für uns, für ein neues leben. der mann sieht sich verstohlen um. pack es weg, das geld, flüstert er. dieses etwas schäbige an der ganzen gestalt, die ascheschwere zigarette im mundwinkel, der bartschatten, das war damals immer ein böses zeichen. und jetzt hat er eine dieser verdächtigen sonnenbrille aufgesetzt! plötzlich weiss ich, was da kommen wird. aber ich sträube mich dagegen, bis zum ende. so weit bin ich also mit ihr gegangen. der kerl schlägt einen spaziergang vor. ein komplizierter sonnenuntergang steht bevor. cabiria rennt, trunken vor glück, zum rand der klippe und badet im flimmernden licht. was für ein seltsames licht, flüstert sie. und ich schwöre, wenn dieses schwein sie von der klippe wirft, gehe ich nie wieder ins kino! aber fellini hat ein erbarmen mit mir. nach dem handgemenge liegt cabiria im laub des wäldchens. es ist ganz still. sie rafft sich auf und taumelt, ihrer selbst entledigt, auf die strasse zu. eine gruppe von jungen und mädchen kommt ihr singend entgegen. ein mädchen grüsst cabiria mit einem fröhlichen buona sera. ich sehe cabiria, die durch tränen hindurch mich anblickt und zurücklächelt. sie hat ihr erspartes verloren und ihre liebe, aber sie hat immer noch sich selbst. das würde man nicht vergesen, das schien wichtig, schon damals …

warnung vor einer strasse!

Veröffentlich von sis am 22. Januar, 2009

1 Kommentar

„we kehr 4 you“, dichtet die berliner stadtreinigung in einem affigen versuch, hip zu sein, aber jungs, wann denn nun?! noch sehen die straßen irgendwie aus wie unser inneres: unaufgeräumt, lädiert, gerupft. die guten vorsätze, beschwingt an silvester gemacht, sind bereits gebrochen worden, und uns dämmert, dass das neue jahr wohl so ähnlich verlaufen wird wie das alte. und der himmel über berlin sieht in diesen trüben januartagen meistens aus wie nasser zucker oder so, als hätte jemand alte zeitungen über die sonne geklebt.

nun freuen wir uns zwar auf die berlinale, insbesondere auf die lichtgestalt von tilda swinton, aber bis dahin? bestimmte dinge müssen in diesem fragilen psychischen und emotionalen zustand unbedingt gemieden werden, so zum beispiel ein gang über die wilmersdorferstraße vom kurfürstendamm bis hin zum richard-wagner-platz. ich tat´s vor kurzem trotzdem unüberlegt und …

meine lieben, der lärm, die leute! hier sehen selbst babies bedrohlich aus. delirierende endspielsäufer stolpern, ihre requiems lallend, wie in einem unmöglichen tagtraum an mir vorbei, nicht ohne ausgesuchte passanten mit der präzision eines schweizer uhrwerks mal um etwas kleingeld anzuhauen. die beleidigungen der straße erleidet jeder großstädter, unanhängig von klassen- und kastenzugehörigkeit. niemand findet im strömenden regen ein taxi, alle erleiden die existenzielle prüfung eines stadtbahnstaus. der selbstmörder wirft sich, um alle zu nerven, natürlich während des berufsverkehrs vor die u-bahn. und dann platzt dir eine einkaufstüte mitten in der fußgängerzone, und sofort wünscht man nichts sehnlicher, als einen gaffer zu ohrfeigen. fragen werden mir gestellt: was macht dein theaterstück? ist da drüben vor woolworth nicht dein ex-lover? suchst du immer noch eine billige wohnung in beverly hills? wo ist hier die nächste dunkle kaschemme mit einer anständigen jukebox? raus aus dem tageslicht! der resttag muss in goldene splitter zerschlagen werden!  

aber da sind noch andere! die frau an der bushaltestelle, die uns die ungerechtigkeit zuschreit, die sie erlitten hat: der mann hat das sorgerecht über die kinder und den hund, das sozialamt will nicht zahlen, auch sie war einmal jung! ihr gesicht sieht dabei aus wie eine leere suppendose. und vor allem die subtileren versionen dieser spezies, deren lieblingstreff die wilmersdorfer ist. gemeinsam einsam! die flackernden augen, der inhalt des einkaufswagens im discounter-supermarkt (pensionisten und alleinstehende/gebliebene erkennt man sofort: eine packung schnittbrot, ein joghurt, ravioli für 76 cent, pinkfarbene day-glo-wurst), die “flotte” kleidung, die nutzlosen eitelkeiten der sozial gescheiterten. diese menschen taumeln an der grenze zum ganz persönlichen wahnsinn und halten sich durch einen schieren akt der verzweiflung noch 10 oder 15 jahre im sozialen netz, dann gleiten sie ohne klage und umstände in einen zustand jenseits der reparatur. 

dennoch: stay tuned! pray like aretha franklin! jetzt kaufen: “what´s going on” von marvin gaye!  als nächstes: alles zum valentinstag und zum filmfestival! dann ein selbstinterview zum thema geld, provokantes zur männlichen prostitution, gedanken zur obama-manie und zum rassismus (jetzt bitte keinen gospel-kurs belegen!)

Ach, Du süßes Süddeutschland

Veröffentlich von Céline Robinet am 20. Januar, 2009

1 Kommentar

Chères Kerstin et Susanne,

darf ich Ihren großartigen Artikel zitieren?
Aber erstmal der Hintergrund: Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 2, 2009.
Titel: Wenn Frauen sich mehr trauen.
Schon im Vorspann, ein volles Programm:
“Die neuen Lesben sind völlig frei vom politischen Männerhass vergangener Tage, denn sie wissen: sich für immer auf eine sexuelle Richtung festzulegen ist so altbacken, wie sein Leben lang die gleiche Partei zu wählen.”
Weiter im Text:
“Dass sich zwei junge Frauen ineinander verlieben, ohne dass sie sich deswegen für lesbisch oder bisexuell hielten, gehört heute fast schon zum guten Ton.”
Recht haben Sie! Was für ein Fauxpas das wäre, sich für lesbisch oder bisexuell zu halten. Lesbischsein ist ja nur eine Phase. Das haben Sie so treffend formuliert: Es ist “eine Auszeit von den Männern”, “ein Kurzurlaub mit Wellnessprogramm”. “Wenn dieser Urlaub zu Ende ist, denken sie gern an ihn zurück, buchen ihn häufig aber kein zweites Mal.” Ach, Sie Dichterinnen.
Weiter! “Lesbischsein ist im gesellschaftlichen Mainstream angekommen”, denn “so viele haben sich öffentlich zu lesbischer Liebe bekannt.” Ach so, Anne Will wird genannt. Die selbe, die bei ihrem Coming-Out nicht von L-Mag interviewt werden wollte – wäre es ihr doch zu lesbisch gewesen, im bundesweiten Magazin für Lesben zu stehen?
Weiter, weiter!
“Richtig lesbisch sind in den Augen der Männer nur die hässlichen Frauen, die schönen sind allenfalls bi.” “Was vielen Männern zudem Angst macht– und manchen Frauen auch: Lesbische Frauen sind nicht mehr als solche zu erkennen.”
“Heute gilt als selbstverständlich, was lang verpönt war: schön sein, unpolitisch sein, switchen oder lesbisch sein und trotzdem Kinder haben.”
Prächtig, chères Kerstin et Susanne.

Fazit:

1. Lesbischsein ist eine Phase
2. Politisch sein als Lesbe ist out
3. Hässliche Lesben gehören sich nicht
4. Schöne Lesben machen Angst
5. Lesbischsein ist im Mainstream angekommen – aber nur, wenn man Madonna oder Britney Spears heisst. Erst dann kann man vor der Kamera knutschen. Und auch nur, weil das eine Phase ist.

Cooler Artikel.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/27715

(Kerstin Greiner und Susanne Schneider: Journalistinnen)

wege zum erfolg

Veröffentlich von Egbert am 9. Januar, 2009

Keine Kommentare

dear possums, zunächst ein wort in eigener sache und zu eurem wohle.
schüchternheit ist eine tugend, die nie belohnt wird, und der weg zum gesellschaftlichen erfolg (ob im auswärtigen amt oder in der letzten blowjob-kaschemme) ist charmante unverschämtheit. mir ist das zwar nie so richtig gelungen… und nun gehe ich auf die 50 aus der falschen richtung zu… aber glaubt es mir trotzdem. deshalb jetzt etwas eigenwerbung:  im aktuellen l-mag meine gedanken zum verhältnis schwule und lesben nachlesen!

ansonsten zum thema erfolg: “wer grosses wagt, setzt unvermeidlich seinen ruf aufs spiel.” (vauvenargues)

oder auch: 

“ein junger mann, der heiraten wollte, fragte seinen onkel um rat, einen alten höfling aus dem gefolge des prince of wales. “niemand will dich heiraten, so wie du bist”, sagte sein onkel. “du brauchst schliff, ein persönliches aroma. besorge dir ein haus, lerne etwas über einrichtung und malerei, kauf die neuesten bücher, höre musik; du musst die richtigen gäste einladen und wissen, wie man einen trockenen martini mixt. dann hast du etwas zu bieten, und die richtigen mütter werden sich um dich reissen.” der junge mann tat, wie ihm geheissen, und etwa fünfzehn jahre später meldete er sich erneut bei dem greisen wochenendler in fort belvedere, dessen alte augen nun meist feucht von tränen oder vom alkohol waren.

“mein haus ist fertig”, krähte der junge mann aufgeregt. “die bilder sind die reine seligkeit, die einbände aus grünem maroquin fangen das licht der abendsonne ein; meine louis-seize-kommoden wölben sich in den nischen, malvern water und bisquits stehen neben jedem bett, und in jeder toilette wird das toilettenpapier, lose arrangiert aus parfümierten blättern, mit einem bunten stein beschwert. ladys weinen sich in mein leben hinein und husten sich wieder hinaus; niemand, der zum luncheon kommt, weiss hinterher noch, was er dort gesagt hat. endlich bin ich eine perfekte partie. was soll ich tun?”

der alte beau lachte und zündete sich seine dritte zigarre an. “nur weiter so”, sagte er schmunzelnd. “ich glaube, dich haben wir aus dem gröbsten raus.”
 

Sexy Fleck – Teil 1

Veröffentlich von Céline Robinet am 6. Januar, 2009

Keine Kommentare

Chère Manuela,

Ich weiss, wer sie sind. Ich meine, die beiden auf dem Foto, das deinen (übrigens sehr guten) Artikel über Fisting in der Januar-Februar Ausgabe von L-Mag, dem bundesweiten Magazin für Lesben, illustriert. Ich werde es dir verraten, weil diese zwei schönen, aber ja schwarzen Flecke nicht zu erkennen sind. D’accord, das Foto dürfe nicht zu explizit sein, hast du mir erklärt. Verstehe. Mir geht es auch nicht darum, daran zu appellieren, in der L-Mag eine explizite Fisting-Szene zu zeigen. Falsches Medium. Aber ein bisschen menschliche Haut – auch im Schatten? (*kopfkratz*). Krass, wenn man an die schwulen Anzeigen in der Sieggesäule denkt, wie explizit diese sind. Ok, L-Mag lebt nicht einzig und allein von Werbung sondern muss sich als Kaufmagazin auf die LeserInnen einstellen – und diese könnten eine zu deutliche Abbildung von weiblicher Sexualität vielleicht ungern sehen. Vor allem verstehe ich, dass laut Gesetz auch Erwachsene nicht gegen ihren Willen von pornografischen Darstellungen Kenntnis nehmen müssen sollen (*kopfkratz**komische Grammatik hier*). Aber meiner Ansicht nach gibt es zahlreiche Abstufungen, Erotik zu zeigen, lange bevor wir bei Pornografie landen. Non? Ich weiss auch, dass HändlerInnen, wäre L-Mag generell zu sexy, das Heft leider falsch einschätzen und es in die Porno-Ecke stellen könnten. Wie es dem schwulen Kaufmagazin “Du & Ich” dummerweise oft passiert. Interessant hier, dass sich “Du & Ich” anscheinend damit abfindet. Genauso wie die französische schwullesbische Zeitschrift “Têtu”, die ausschliesslich muskulöse, oben ohne Gayboys als Cover zeigt und in rund 140 Ausgaben nur zweimal einer (bekleideten) Frau das Titelblatt zugestand – zuletzt im September 2008 war es Mylène Farmer, die sich mit weissem Schaum das Gesicht rasierte.

(Manuela Kay: Chefredakteurin von L-Mag)

Sexy Fleck – Teil 2

Veröffentlich von Céline Robinet am 6. Januar, 2009

Keine Kommentare

Chère Manuela,

in meinem letzten Eintrag habe ich vergessen, dir zu sagen, wer die zwei auf dem Foto sind, das deinen Artikel über Fisting in der Januar-Februar Ausgabe von L-Mag illustriert! Was ich diesbezüglich vorher aber auch noch sagen wollte: Dein Anliegen, nicht gegen die gesetzlichen Bestimmungen über Pornografie zu verstossen, sowie die Leserschaft nicht vor den Kopf zu stossen und die ZeitungshändlerInnen nicht für aufgeklärter zu halten als sie sind, kann ich gut verstehen. Darüber hinaus ist mir auch klar, dass der weibliche Körper in unserer patriarchalischen und heteronormativen Gesellschaft sei es in der Kunst, in der Werbung und überhaupt oft als rein (sexuelles) Objekt dargestellt, und obendrein häufiger benutzt, missbraucht, geschändet oder vergewaltigt wird. Und es stimmt, dass in der selbigen Gesellschaft die Sinnlichkeit des männlichen Körpers öfters geleugnet, ignoriert oder bestritten wird. Von daher ist die LGBTQI Community als gesellschaftlicher Gegenpol verständlicherweise dazu geneigt und auch dafür da, diese beiden Tendenzen umzukehren. Weiter so!
Aber mir scheint, dass wir uns leider nicht von den zu Unrecht herrschenden Mustern und Einstellungen befreien, indem wir als Gegen-Reaktion und aus Angst davor, von ihnen vereinnahmt zu werden, nur der Gegensatz derer sind. Dass wir uns dabei sogar von ihnen in gewisser Hinsicht ja bestimmen lassen. Stattdessen sollten wir alle Möglichkeiten, die wir haben (gesetzlich und vom Markt her), ausnutzen, um neue, klischeefreiere, genderübergreifende Bilder von Sexualität zu produzieren. Aber ich bin ziemlich zuversichtlich: alle gemeinsam schaffen wir das. Allein dein Artikel über Fisting beweist das. Gut. Jetzt verrate ich es dir: eine von den beiden Flecken auf dem Fisting-Foto bin ich.

(Manuela Kay: Chefredakteurin von L-Mag)

WAS, DU FROSCH, SCHON 2009!?

Veröffentlich von Egbert am 5. Januar, 2009

Keine Kommentare

no reason to get excited, the thief he kindly spoke/
there are many here among us, who feel that life is but a joke/
but you and i, we´ve been through that/
and this is not our fate/
so let us not talk falsely now,
the hour is getting late.
(dylan/hendrix “all along the watchtower”)

song of the day: “warwick avenue” (duffy) – es gibt nicht süsseres zum einstieg in den tag! teenage wasteland, die billigsten, die tiefsten gefühle … und die frau weiss, was sie will. zum knuddeln!

worte des trostes:
wenn man die gedanken der leute lesen könnte, die sich lieben, würde man erschrecken.

goethe: “jeder mensch, der beste wie der elendeste, trägt ein geheimnis mit sich herum, das ihn allen anderen verhasst machen würde, sollte es bekannt werden.”

da lacht das community-labor! wiener witz! egon friedell: “ich verstehe nicht, wie jemand homosexuell sein kann. das normale ist doch schon unangenehm genug.”