hello possums, trainiert euer sitzfleisch, denn in wenigen tagen sitzt ihr wieder im dunkeln, mit der hoffnung auf cineastische erleuchtung, und: sie wird euch gewährt werden. dieses jahr wieder in der sektion panorama (verdienstvoll mit einem -unter anderem – traditionell queeren fokus), die -wunder über wunder! – den 30. geburtstag feiert! also, beweist euren dank unter anderem auch an der kinokasse! ich selbst möchte einen film besonders empfehlen, und lasst euch nicht von der länge (191 minuten) abschrecken, der film hängt keine minute durch! RABIOSO SOL, RABIOSO CIELO, ein werk aus mexiko, das sich fassbinder, genet, mishima und pasolini morgens um 3 im banne des mescal ausgedacht haben könnten. eine mythisch-mystische, labyrinthische geschichte von der geburt und vom triumph der liebe. mit viel sex als bonus, also…
und ich freue mich auf sean penn als harvey milk im biopic MILK. gibt es in hollywood einen mutigeren schauspieler derzeit als penn? er übernimmt rollen, die so schwierig sind, dass sie quasi unspielbar sind. ein autistischer mann, ein rächender vater (jenseits von grossartig: MYSTIC RIVER!) , ein sterbender professor, ein überdrehter loser. schön, dass er jetzt mal in MILK einen glücklichen menschen spielt. und noch einer meiner favoriten: ANDER, das ist BROKEBACK MOUNTAIN mit happy-end – it´s kleenex-time again!
ein genre, das ich sehr schätze, sind die nuttenfilme. aber eigentlich sind ja die meisten filme irgendwie nuttenfilme, wenn sie von der komplex-komplizierten verbindung zwischen geld und macht und sex und liebe handeln. fassbinder hatte kein anderes thema. hallo! gibt es größere nutten als jane fonda in KLUTE, anna karina in VIVRE SA VIE und elizabeth taylor in BUTTERFIELD 8 zum beispiel? und da ist noch giulietta massina in LE NOTTI DI CABIRIA, ein film, der mein teenagerleben völlig veränderte.
und das ging so:
das licht verglimmt, ich befinde mich in der turbulenten dunkelheit der resi-lichtspiele in radolfzell am bodensee. mit einem kerl geht cabiria ein verkommenes römisches flussufer hinunter. ich bewundere sie sofort masslos. die sitzt nicht verklemmt in einem kino herum wie ich, die nimmt sich ihre liebhaber. und dann ist sie da mit einem anderen mann. sie trinken roten wein auf einer terrasse am meer. voller liebe zieht sie eine fette rolle lirescheine hervor. für dich, amore, für uns, für ein neues leben. der mann sieht sich verstohlen um. pack es weg, das geld, flüstert er. dieses etwas schäbige an der ganzen gestalt, die ascheschwere zigarette im mundwinkel, der bartschatten, das war damals immer ein böses zeichen. und jetzt hat er eine dieser verdächtigen sonnenbrille aufgesetzt! plötzlich weiss ich, was da kommen wird. aber ich sträube mich dagegen, bis zum ende. so weit bin ich also mit ihr gegangen. der kerl schlägt einen spaziergang vor. ein komplizierter sonnenuntergang steht bevor. cabiria rennt, trunken vor glück, zum rand der klippe und badet im flimmernden licht. was für ein seltsames licht, flüstert sie. und ich schwöre, wenn dieses schwein sie von der klippe wirft, gehe ich nie wieder ins kino! aber fellini hat ein erbarmen mit mir. nach dem handgemenge liegt cabiria im laub des wäldchens. es ist ganz still. sie rafft sich auf und taumelt, ihrer selbst entledigt, auf die strasse zu. eine gruppe von jungen und mädchen kommt ihr singend entgegen. ein mädchen grüsst cabiria mit einem fröhlichen buona sera. ich sehe cabiria, die durch tränen hindurch mich anblickt und zurücklächelt. sie hat ihr erspartes verloren und ihre liebe, aber sie hat immer noch sich selbst. das würde man nicht vergesen, das schien wichtig, schon damals …






