„we kehr 4 you“, dichtet die berliner stadtreinigung in einem affigen versuch, hip zu sein, aber jungs, wann denn nun?! noch sehen die straßen irgendwie aus wie unser inneres: unaufgeräumt, lädiert, gerupft. die guten vorsätze, beschwingt an silvester gemacht, sind bereits gebrochen worden, und uns dämmert, dass das neue jahr wohl so ähnlich verlaufen wird wie das alte. und der himmel über berlin sieht in diesen trüben januartagen meistens aus wie nasser zucker oder so, als hätte jemand alte zeitungen über die sonne geklebt.
nun freuen wir uns zwar auf die berlinale, insbesondere auf die lichtgestalt von tilda swinton, aber bis dahin? bestimmte dinge müssen in diesem fragilen psychischen und emotionalen zustand unbedingt gemieden werden, so zum beispiel ein gang über die wilmersdorferstraße vom kurfürstendamm bis hin zum richard-wagner-platz. ich tat´s vor kurzem trotzdem unüberlegt und …
meine lieben, der lärm, die leute! hier sehen selbst babies bedrohlich aus. delirierende endspielsäufer stolpern, ihre requiems lallend, wie in einem unmöglichen tagtraum an mir vorbei, nicht ohne ausgesuchte passanten mit der präzision eines schweizer uhrwerks mal um etwas kleingeld anzuhauen. die beleidigungen der straße erleidet jeder großstädter, unanhängig von klassen- und kastenzugehörigkeit. niemand findet im strömenden regen ein taxi, alle erleiden die existenzielle prüfung eines stadtbahnstaus. der selbstmörder wirft sich, um alle zu nerven, natürlich während des berufsverkehrs vor die u-bahn. und dann platzt dir eine einkaufstüte mitten in der fußgängerzone, und sofort wünscht man nichts sehnlicher, als einen gaffer zu ohrfeigen. fragen werden mir gestellt: was macht dein theaterstück? ist da drüben vor woolworth nicht dein ex-lover? suchst du immer noch eine billige wohnung in beverly hills? wo ist hier die nächste dunkle kaschemme mit einer anständigen jukebox? raus aus dem tageslicht! der resttag muss in goldene splitter zerschlagen werden!
aber da sind noch andere! die frau an der bushaltestelle, die uns die ungerechtigkeit zuschreit, die sie erlitten hat: der mann hat das sorgerecht über die kinder und den hund, das sozialamt will nicht zahlen, auch sie war einmal jung! ihr gesicht sieht dabei aus wie eine leere suppendose. und vor allem die subtileren versionen dieser spezies, deren lieblingstreff die wilmersdorfer ist. gemeinsam einsam! die flackernden augen, der inhalt des einkaufswagens im discounter-supermarkt (pensionisten und alleinstehende/gebliebene erkennt man sofort: eine packung schnittbrot, ein joghurt, ravioli für 76 cent, pinkfarbene day-glo-wurst), die “flotte” kleidung, die nutzlosen eitelkeiten der sozial gescheiterten. diese menschen taumeln an der grenze zum ganz persönlichen wahnsinn und halten sich durch einen schieren akt der verzweiflung noch 10 oder 15 jahre im sozialen netz, dann gleiten sie ohne klage und umstände in einen zustand jenseits der reparatur.
dennoch: stay tuned! pray like aretha franklin! jetzt kaufen: “what´s going on” von marvin gaye! als nächstes: alles zum valentinstag und zum filmfestival! dann ein selbstinterview zum thema geld, provokantes zur männlichen prostitution, gedanken zur obama-manie und zum rassismus (jetzt bitte keinen gospel-kurs belegen!)








Ja Tilda Swinton in Berlin das sind doch gute Aussichten.
Ich liebe Berlin. Da lass ich den Ex Lover doch gerne links liegen.