Siegessaeule BlogSchwul-lesbischer Blog für Berlin und Deutschland

Archiv des Monats Februar, 2009

Rauher Montag, glatte Woche…

Veröffentlich von nachtschicht am 25. Februar, 2009

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Der wiederbelebte Montag im SO36 mausert sich zum Liebling der Feierwütigen. Egal, ob in den Kurzurlaub oder ein Abstecher ins oval-office, der Montag ist wieder ein fester Bestandteil des Berliner Nachtlebens. So enthusiastisch wie dort, wird in wenigen etablierten locations gefeiert. Das bemerkte ich mal wieder, als ich meiner Lust zu elektronischer Musik zu tanzen, auf diplomatische Weise, im oval-office nachgab. Es waren zwar zwei der angekündigten Künstler ein und dieselbe Person, aber egal: Die Stimmung war toll, die Preise sind noch immer moderat und die Musik ebenfalls noch wie gewohnt hart, aber gut. Auch das überwiegend homosexuelle Publikum war von jung bis alt vertreten und ich dachte unwillkürlich an die “gute alte Zeit” im “electric-ballroom”. Woran es auch immer liegen mag: Das “esso” rockt! Oder: Das SO ist tot, es lebe das SO!

mivo

Frostige Jungs

Veröffentlich von nachtschicht am 24. Februar, 2009

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Oje, ob das so eine gute Idee für die Indie-Party „Bouncing Boys“ war in den VCF Club umzuziehen. An der zentralen Lage gibt es nichts zu mäkeln, aber der Club besitzt einfach nicht die Intimität der alten Lokalität ZMF. Stattdessen strahlen die Ziegelsteine des S-Bahn-Bogens in dem die Räume liegen Kälte ab, so dass ich ungelogen zu Anfang fror, als es noch nicht gefüllt war. Und die riesige Tanzfläche nimmt fast den gesamten Raum ein und dröhnt gewaltig in dem Gemäuer, was für ekstatische Druffy-After-Hours gut sein mag, aber nicht unbedingt für eine Indie-Party. Erst gegen Zwei Uhr Nachts kam überhaupt Stimmung auf! Das war jetzt die zweite Party in der neuen Location. Auf der ersten war ich nicht. Aber vielleicht liegt es tatsächlich an dem Klub, dass ein Großteil des Stammpublikums der „Boys“, das ich sonst immer auf der Party traf, diesmal fernblieb, weil sie eben schon auf der ersten Party waren – und eventuell ganz ähnlich empfanden. Doch soweit ich weiß, halten die Veranstalter schon Ausschau nach einem neuen Klub.

Tanzfläche

Machen Kleider Leute II

Veröffentlich von sis am 20. Februar, 2009

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Ich finde Berlin ist sowieso die beste Modestadt der Republik. Nicht nur wegen der Berliner Fashion Week. Die geilsten und kreativsten Ideen findet frau auf der Straße. Nichts ist unmöglich und jede Kombi geht. Ob Verschleiert oder Entschleiert braucht Frau echt Mühe, um überhaupt irgendwie aufzufallen. Da sitzt dann in der UB Linie 1 zwischen Möckernbrücke und Gleisdreieck die Pelzbetuchte Brilliantenträgerin im Cleanschick neben dem Junkie mit offenen Wunden im leuchtendem Blutrot, einträchtig nebeneinander. Solange niemand den anderen anschnorrt gibt es keine Probleme.

Ob der Gemüsehändler im selbsgestrickten Pullunder oder die Dragqueen im selbstgewickelten Designertuch als Abendrobe, jede und jeder muss sich richtig anstrengen, um überhaupt irgendwie Aufmerksamkeit erregen zu können. Ob Prenzlauer Einheitsschick oder Charlottenburger Modelangeweile so finden sich doch in Kreuzberg und Neukölln die kreativsten Varianten. Arm macht sexy ist dann die Devise. Genau darauf kommt es an im Zeichen der Finanzkrise.
Als Jägerin und Sammlerin von authentischer Berliner Street Fashion gebe ich euch noch ein paar Einkaufstipps das nächste Mal.

Eure Serpil

Sex im Alter: Im Osten was Neues

Veröffentlich von Céline Robinet am 19. Februar, 2009

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Chère Virginie,

weisst Du noch, wie ich Dich einmal fragte, ob Du nicht Lust hättest, einen lesbischen Porno zu drehen, weil die Welt und nicht zuletzt Lesben mehr Bilder von lesbischer Erotik bräuchten?

Und was würdest Du von einem Senioren-Porno halten?


Als letztes Jahr der deutsche Filmregisseur Andreas Dresen mit « Wolke 9 » die Liebesgeschichte und bei der Gelegenheit eine sehr schöne Sex-Szene zwischen zwei Mitte 60-Jährigen auf die Leinwand brachte, war hierzulande die Rede vom Tabubruch. In Japan haben die Porno-Produzenten diese Marktlücke schon längst entdeckt. In den letzten zehn Jahren wurden Tausende von diesen Streifen gedreht. Kein Wunder, denn im Jahr 2025 wird im Land der aufgehenden Sonne 27 % der Bevölkerung älter als 60. Nun überlegen sich die Produktionsfirmen, ob sie ihre Filme nicht direkt in den Altersheimen verkaufen sollten.
Statt Karten zu spielen, spielen jetzt japanische Rentner in X-Filmen. Z.B. Shigeo Tokuda. Seit Shigeo in Rente ist, ist der 74-Jährige in mehr als 350 Pornos zu bewundern. z.B. in « Maniac Training of Lolitas » (2004) oder « Forbidden Elderly Care » (2006). Ja, klar, leider sind die weiblichen Darstellerinnen in diesen Produktionen oft keine älteren Damen. Shigeo erzählte der Zeitschrift Times, dass Männer seiner Generation sich nicht mit Schul-Dramen identifizieren können, viel lieber würden sie sich aber Geschichten wie « ein älterer Mann trifft auf seine Schwiegertochter » angucken.
Ach, Virginie, jetzt müssen wir Lesben nicht nur lesbische sondern auch Senioren-Pornos machen!

Stern Video Report

Na ja, was ich Dir sagen wollte: ich habe es gemacht. Ich meine, ich habe in einem lesbischen queeren Porno mitgespielt. Von Emily Jouvet dem neuen. Er heisst: « Underground Paris to Berlin ». Und das war verdammt nicht so leicht, wie ich dachte. Mais rien de rien, non je ne regrette rien. Hoffentlich gefällt er Dir!

(Virginie Despentes: Schriftstellerin und Filmemacherin)

Zicken in Ekstase

Veröffentlich von nachtschicht am 16. Februar, 2009

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Ungläubig starrte ich auf die riesige Schlange, die um ein Uhr Nachts in eisiger Kälte vor dem Cookies auf Einlass wartete. Noch ungläubiger staunte ich schließlich über die brechend vollen Räume innen drin. Ich hätte nicht gedacht, dass sich der „Spy Club“ so erfolgreich mausert. Doch irgendwie scheint Bob Young wieder alles richtig gemacht zu haben: er trifft den Nerv des Publikums. Ohne Witz: Gegen die Stimmung im Spy Club sehen der Klub International und selbst das GMF alt aus. Wie verrückt tanzten die Leute mit ihren Fliegen, Schlipsen und Karo-Hemden zu den elektronischen Beats des Franzosen Phonique. Einige Beautys tanzten sogar irgendwann auf den Tischen, und selbst die verirrten Heteros flüchteten nicht auf Grund der treibenden Musik. Klar, war das Publikum auch ziemlich verzickt – die Accessoires entschieden über Bewunderung oder Missachtung – was beim Motto „dress up“ nicht verwundert. Aber das Publikum feierte sich eben ekstatisch selbst. Solange es funktioniert …

Eure Tanzfläche

Und wann im Kino?

Veröffentlich von berlinale am 15. Februar, 2009

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Die Berlinale ist zu Ende – nach 10 Tagen Urlaub in anderen Leben gehts nun also wieder zurück ins eigene.

Wann aber laufen denn nun all die Filme an, die ihr – bei Zeit und Glück mit den Karten – gesehen oder – leider – verpasst habt? Tja, bisher haben nur sehr wenige auch einen Starttermin – eine kleine Übersicht:

Ab dem 19.2. im Kino:

“Der Knochenmann”; “Milk” und als Wiederaufnahme “The Times of Harvey Milk”

Ab dem 30.4. im Kino:

“Ghosted”

Ab dem 4.6. im Kino:

Rückenwind

Rückenwind

“Rückenwind”

Simone

Der Teddy bebte!

Veröffentlich von nachtschicht am 14. Februar, 2009

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Die Teddy-After-Party im Haus der Kulturen der Welt rockte. So stand gestern Nacht nicht nur Peaches auf der Bühne, auch Joey Arias, Drag Queen aus New York, ließ es sich nicht nehmen, „whole lotta love“ ins Mikro zu schmettern. Der Saal bebte! Nur für das Teddy-Jury-Mitglied aus New York, Stephen Kent Jusick, war das wohl fast schon „normal“: „Well, I know her show and I know she´s fantastic!“ Auch Eike von Stuckenbruck, das junge Ausnahmetalent von BASE, der mit seiner Artistik noch kurz vorher das Publikum der Verleihung begeisterte, hatte sichtlich Spaß. Ernste Töne dagegen von John Hurt, der den dieses Jahr zum ersten Mal vergebenen Teddy für die beste darstellerische Leistung (An Englishman in New York) erhielt. Er sagte gegenüber der Siegessäule: „Um ehrlich zu sein, habe ich keine wirklich besondere Beziehung zur schwulen Filmszene. Zwar spielte ich bereits schon einmal 1975 Quentin Crisp und habe in zwei weiteren großen Kinofilmen, sowie einer Dokumentation zum Thema Homosexualität mitgewirkt, aber ich setze mich generell für Außenseiter und Minderheiten ein. Ich möchte der Welt zeigen, dass es keine Grenzen in der Vorstellung geben sollte, wie man sein Leben lebt!“ Dies bezieht der Star ebenso auf sein Schaffen in Theaterproduktionen: „In vielen meiner Rollen zeige ich, wie schwer es ist, ein unterdrücktes Leben führen zu müssen!“

mivo

Sammelsurium # 03 – Gabriel Sunday

Veröffentlich von berlinale am 11. Februar, 2009

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Sierra, die Hauptfigur in „My Suicide“ mag hier und da an Buffy-Star Sarah Michelle Gellar erinnern. (Leider war sie nicht anwesend, um es zu beweisen) Gabriel Sunday dagegen ist die perfekte Mischung aus James Spaders und Jake Gyllenhaals kleiner Bruder. Aber seht selbst :

Gabriel Sunday auf der Berlinale

Gabriel Sunday auf der Berlinale

Siehe auch:

Sammelsurium # 01

Sammelsurium #2

und mein persönlicher Berlinaletipp der Woche.

Simone

“My Suicide” – mein persönlicher Berlinaletipp der Woche

Veröffentlich von berlinale am 11. Februar, 2009

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Der Film „My suicide“ – mit dem schönen Untertitel „a self-inflicted comedy“ – läuft in der Generation-Sektion der Berlinale. Und ist bis jetzt einer der besten Filme die ich gesehen habe. Ungewöhnlich, treffend, herzzerreißend, temporeich, mit tollen Schauspielern und voller Anspielungen, Zitate aber auch stimmigem, realen Gefühl. Ein echtes Kleinod.

Das My Suicide Team

Das My Suicide Team

Doch eines gleich vorweg: Eine Komödie bleibt er nicht. Als Archie eher aus Resignation und Teenagerfrust, als aus wirklicher Verzweiflung in seinem Medienkurs sein Abschlussprojekt erklärt, tritt er eine ungeahnte Welle an seiner Schule los. „Ich werde mich vor laufender Kamera umbringen“, erklärt er dem geschockten Lehrer und seinen faszinierten Mitschülern. Plötzlich ist er berühmt. Plötzlich nehmen ihn alle wahr. Vor allem Sierra, sein bis dato unerreichbarer Schwarm. Doch dass er mit seiner Idee nicht nur bei ihr, die so perfekt scheint, offene Türen einrennt, damit hätte er nicht gerechnet. Sein düsterer Flirt mit dem Selbstmord wird plötzlich zu einer todernsten Sache.

Die Arbeitsweise (Video) des Teams ist dabei ebenso ungewöhnlich wie der Film, der dabei rausgekommen ist. Regisseur, Produzent und Autor David Lee Miller hat viel aus der Hand gegeben – Sein Hauptdarsteller Gabriel Sunday (nicht nur Schauspieler sondern auch Filmemacher) und Millers Sohn Jordan schnitten den Film zusammen und entschlossen unter anderem aus den Versatzstücken, die sie bearbeiteten, was zusätzlich noch geschrieben und gedreht werden musste. Rat geholt haben sie sich dabei bei allen möglichen Arten von psychologischem Fachpersonal. Aber keine Angst, hier wird nicht mit dem Holzhammer in die richtige Richtung geschlagen, hier passiert etwas schlicht Magisches: Man sitzt im Kino und hat irgendwann tatsächlich das Bedürfnis, nach der Hand seines Nachbars oder seiner Nachbarin zu greifen. Also: Gebt gut Acht, wohin ihr euch setzt.

Siehe auch: Sammelsurium #03.

Simone

Pink – was will uns das wohl sagen?

Veröffentlich von berlinale am 11. Februar, 2009

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Pink (Hannah Herzsprung bekannt aus den tollen “4 Minuten”) ist wilde Poplyrikerin voller Haß-Liebesgedichte und schließt spätestens mit ihren Werken jedes Herz auf. Am Anfang des Filmes hat sie drei Lover, doch eine Stimme in der Kirche erklärt ihr, sie dürfe so nicht weiter machen, sie müsse sich entscheiden. Aber da Pink schlecht ist, sich in Herzensangelegenheiten zu entscheiden, macht sie drei Listen, wertet sie aus und verhält sich danach. Der erste – Carlo – ist schnell abgefrühstückt und bevor die Scheidung durch ist, hat er sich erhängt. Der zweite – Georg – kann nicht treu sein, hängt ihr eine Geschlechtskrankheit an und wird mit vorgehaltener Pistole aus der Wohnung getrieben. Dann versucht sie es mal zwischendurch mit einer Frau: Ausgerechnet ihre Liebeskummertherapeutin verfällt ihr noch vor der zweiten Sitzung rettungslos. Doch nach der ersten Nacht erkennt Pink, dass das auch die letzte war. Denn so wohl sie sich fühlt – bei Männern fühlt sie sich noch aufgehobener.

Also hakt sie auch noch Nummer drei auf ihrer Liste ab – der mit der miesesten Punktzahl - und bei ihm bleibt sie dann hängen. Balthazar lebt auf dem Land und seine Uncoolness wird breit ausgeführt, indem er ständig und erschreckend falsch vor sich hinträllert. Doch egal, Pink heiratet auch ihn, zieht zu ihm, ergeht sich in Gartenarbeit, schwimmt im neu angelegten Teich, wird schwanger und schreibt ab da nur noch vertonte Liebesweisen. Alles gut, Happy End, oder? Ist doch eine Liebesgeschichte? Oder auch nicht, denn Regisseur Rudolf Thome definiert einen Liebesfilm so (Video):

Was in etwa ebenso tiefgründig ist, wie der Titel des Filmes (Video) herzuleiten ist.

„Was macht diese Frau eigentlich sympathisch – oder gar zu einer agierenden Hauptfigur?“, war hinter „Was will uns dieser Film eigentlich sagen?“ die zweit häufigst gestellte Frage im Publikum. Und zu Recht. Hannah Herzsprung ist schön anzuschauen wie immer (war aber nicht anwesend, da sie für die ebenso brilliante, wenn auch wesentlich tätowiertere Diablo Cody für die First Feature Award-Jury eingesprungen ist). Aber auch sie tingelt durch die 82 Minuten als wüsste auch sie nicht so recht, was sie hier soll.

Wundert niemand so richtig. Vielleicht hätte diese Geschichte als schnell verlegte Popliteratur getaugt. Die hätte man dann eine Zugfahrt nach Hamburg lang gelesen und sie anschließend im Zug liegen gelassen. Für den Nächsten, der Zeit totzuschlagen gehabt hätte. Mehr allerdings ist da nicht drin. Und auf der Berlinale waren das 82 vertane Minuten!

Simone

Der Regisseur von Pink

Der Regisseur von Pink