Siegessaeule BlogSchwul-lesbischer Blog für Berlin und Deutschland

Archiv des Monats April, 2009

GGoG, Punkt!

Veröffentlich von Céline Robinet am 30. April, 2009

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Chère Wendy,

gestern wollte ich GGoG, Gleitgel ohne Glyzerin, kaufen. So eine riesige Tube, auf die man einfach drücken kann, ohne sich anzustrengen und (wie die FranzösInnen so schön sagen) ohne “Kompass im Auge” zu haben, denn man möchte ja nicht jede Woche eine neue Tube kaufen müssen, also überlegt man es sich bei Mieze kleinen Tuben zweimal, bevor man eine grosse Menge auf einmal verbraucht. Gleitcreme auf Wasserbasis ohne Glycerin, die freundlichste für das extrem labile Gleichgewicht der Vaginalflora, hast du mir einmal gesagt. Ja, bitte niemals fetthaltige Mittel da drin benutzen, keine Margarine, Butter, Vaseline, Babyöl, Körperlotion, Massageöle oder anderweitige Cremes…! Fett löst sich schwer aus der Scheide und schafft Bakterienkolonien, die Pilzinfektionen verursachen können, und zerstört ausserdem Latex-Kondome (da heutzutage Präservative nicht mehr aus Schafdarm, Fischblase, Leder- oder Leinensäckchen sind) und auch den Latex von Handschuhen.
Bon, bei allen Tuben – meistens Produkte mit dem schönen Bio-Siegel – die im Sexshop herum standen oder lagen, war nur ein einziger GGoG. Der K-Y Gleitgel von Johnson und Johnson. 7,40 Euro für eine 82 g Tube. Wie in allen Lebensdingen ist auch bei Gleitcreme das richtige Maß wichtig: wahrscheinlich wäre 80 g zu wenig und 85 g zu viel gewesen.
Voilà, jetzt habe ich sie, meine Befeuchtungscreme für wilde Sexabenteuer. Auf der Packung steht, dass der K-Y-Gleitgel besonders für Elektrotherapie sowie Zystoskopie und digitale Untersuchungen geeignet ist. Wie sexy.
(Wendy Delorme, Autorin und Performerin)

Späte Vögel

Veröffentlich von sis am 28. April, 2009

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Dass die frühen Vögel nur die drögen Würmer bekommen, die sonst eh keiner will, zeigte sich am letzten Samstag bei Gloria Viagras Geburtstagsparty im Monster Ronson’s. Als man gegen drei Uhr früh in der Location ankam, empfing einen das gute Gefühl, mitten in den Höhepunkt der Nacht zu stoßen. Keine
Ahnung, wie es vorher lief, aber zu diesem Zeitpunkt war das Monster Ronson’s zum Bersten gefüllt. Nach einer ambitionierten Drängelei Richtung Bühne, bot sich einem folgendes Bild: Gloria Viagra stand am Bühnerand, auf ihren Schultern saß Peaches und sang Umberto Tozzis “Gloria”. So feiert man richtig, dachte man sich, und hatte bis mindestens um 5 Uhr das gute Gefühl, da zu sein, wo der heiße Scheiß passiert. Das Gefühl ebbte zwar gegen sieben langsam ab, wurde die Musik mit abgegriffenen Britpop-Nummern aus den 90ern dann doch etwas dröge, allerdings verließ man die Party zu dieser frühen Stunde mit dem guten Gefühl, alles aus so einer Nacht herausgepresst zu haben. Auf die nächsten “23″ Jahre, liebe Gloria.

jano

Multikulti feiern und leben!

Veröffentlich von nachtschicht am 26. April, 2009

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Was für eine Einstimmung auf den heutigen “Wahltag”! Wäre die Mischung und die Gesinnung der Besucher der Gayhane-Partys repräsentativ, könnte man sich den Urnengang zur Frage “Pro-Reli” getrost sparen. Hier wird das Miteinander – egal welcher Religion, Ethnik oder sexuellen Orientierung – wahrlich gelebt und sogar geliebt. Kreuzberg ist ist in diesem Punkt ein echtes Vorbild und zeigt uns welch eine Bereicherung die gegenseitige Akzeptanz und Toleranz sein kann. Vielleicht war tatsächlich gerade die aktuelle Thematik ein Grund für den großen Andrang gestern und sorgte für die sichtbar ausgelassene Stimmung. Vielfalt ist in jeder Hinsicht ein echtes Plus und in dieser Nacht wohl ganz besonders. Auch musikalisch gesehen. So brillierten die DJs und der tolle Überraschungs-Act mit passender und sehr abwechslungsreicher Musik, die die gute Laune und das miteinander Gefeiere super ergänzten. Es wäre wünschenswert, wenn der Vibe dieser Nacht auf unsere Stadt und die Gesellschaft in der wir leben übergreifen würde. Das Ergebnis der Abstimmung heute positiv zu beeinflussen wäre schon ein Anfang. Wer zuvor auf der Gayhane war, dürfte sein Kreuz aber bestimmt an der richtigen Stelle machen – daran besteht gar kein Zweifel…

mivo

Recht auf und ab

Veröffentlich von Céline Robinet am 23. April, 2009

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Cher Egbert,

hast Du die bundesweite Werbekampagne der CMA (Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH i.L.) zufällig gesehen? Sie heisst Recht auf Blumen. Auf riesigen, bunten Plakaten in Strassen und an U-Bahn-Gleisen sind solche Botschaften zu lesen:

“Lieber Herr (an der Stelle kommt ein männlicher Nachname), Ablage gemacht, Briefe rausgeschickt, Blumen in Ihrem Büro gegossen. Ein paar davon wären übrigens auch furs Vorzimmer nett. In diesem Sinne!!! Ihre weiblicher Vorname)”

Oder

“Hallo Schatz, ich lege heute den Spülschwamm nieder. Falls du ein Glas brauchst, nimm einfach die Vase, die brauchen wir ja nicht, Deine (weiblicher Vorname)”

Wie ich mal geschrieben habe: Schade, dass Blumen keine Stimmbänder haben! Was besagen uns oben genannte Botschaften? Dass die weibliche Arbeitskraft (sei es beruflich oder privat) natürlich unter  männlicher Leitung steht – und anscheinend nie umgekehrt (Chef oder Lebenspartner – in unserer heteronormativen Gesellschaft ist es ja undenkbar, dass der gemeinte “Schatz” etwas anderes ist als ein Mann). Gleichzeitig erfahren wir, dass Frauen (Sekretärin oder Gefährtin) natürlich bereit sind, für den Mann  zu arbeiten (Ablage oder Abwasch machen), solange ihre Dienstleistung irgendwie anerkannt wird. Und dazu reichen ihnen ein paar Sträuße aus.

Krass ist auch, dass diese Kampagne mit Fördermitteln der EU finanziert wurde.

Alors, cher Egbert, vielleicht bleibt uns nur noch eine Sache übrig: Täglich auf ein trauriges “Detail” des “wahren Zustandes der Welt” hinzuweisen – aber auch auf ein erfreuliches. Nämlich: Die Tatsache, dass Du einen solchen Blogeintrag wie den vom 22. April geschrieben hast, zeigt ja, dass die Suffragetten, Rosa Luxemburg, die Frauen der 1960er und 1970er und später nicht umsonst gekämpft haben!

(Und: ich habe gerade von der CMA erfahren, dass sie sich in Insolvenz befindet. Jetzt verstehe ich, was der Zusatz i. L. in der Firmenbezeichnung bedeutet: “in Liquidation”.)

In diesem Sinne!!!

(Egbert Hörmann, Autor, Übersetzer, Lebenskünstler)

Im trüben Tal der Heten – The Fire next Time?

Veröffentlich von Egbert am 22. April, 2009

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Früher gab es einmal in der “Siegessäule” auf der ersten Seite den Kasten “Dafür haben wir nicht gekämpft“, immer sehr amüsant, oder bitter-süß, und deshalb interessant, weil sich ja häufig am kleinen, eigentlich unbedeutenden Detail der wahre Zustand der Welt zu erkennen gibt.

Selbst auf die Gefahr hin, wie eine verzickte Bewegungs – oder Krawallschwester (beide Rollen sagen mir sehr zu, by the way!) zu klingen: Possums, wie euch the one and only Dame Edna immer besonders liebevoll nannte, der Frühling mag ja kommen, das Klima wird aber nicht besser. Ich bin es einfach unendlich müde, von Übergriffen auf Schwule und Lesben und alles “Andere” zu hören und zu lesen. Ja ja, dieses tolerante Berlin … alles eine Lüge, wenn man mal den Regenbogen-Multikulti-CSD-etc-Lack abkratzt. Ein gelegentlicher Waffenstillstand ist kein Frieden!

Ja, Allmächtigster, wo befinden wir uns denn?! “Schwul” und “Spasti” sind die favorisierten Schimpfwörter an deutschen Schulen, im “Spiegel” lese ich unter “Vermischtes” neben einem (natürlich) halbnackten Rupert Everett (49), ein ganz toller Autor und sehr guter Schauspieler, dass er meint, er sei nicht Filmstar geworden, “weil ich schwul bin”. Und es stimmt doch – nach seinem Coming-out 1989 war sein Ruf als “echter” Filmheld und Leinwand-Herzensbrecher ruiniert. Dass er noch freimütig mitteilte, während seiner Schauspielzeit in London als Callboy gearbeitet zu haben, war nun auch nicht hetenfreundlich. Das ist grundsätzlich ein anständiger Beruf, der keine doppelte Diskriminierung von Heten braucht! Karriere à la Richard Gere, Gary Grant, Brad Pitt etc kaputt. Jetzt kann Rupert für den Rest seines Lebens den schwulen Freund der weiblichen Hete, den fiesen, ausländischen Bösewicht oder den britischen Exzentriker mimen. Mehr ist nicht in der Tüte!

Aber auch der Zustand des Feminismus ist doch im Eimer bei den Feuchtgebieten – Alice Schwarzers Waterloo ereilte die nach Anerkennung vom männlich-heterosexuellen Establishment (“Jungs, bitte bitte, ich will rein in euren Club!”) lechzende Kaftanträgerin spätestens mit ihrer Werbung für BILD – nein, dafür haben die Suffragetten, Rosa Luxemburg, die Frauen der 1960er und 1970er und später wirklich nicht gekämpft! Es ist ein Trauerspiel – wenn man an alle historischen Kämpfe denkt, die Frauen für Gleichberechtigung ausgefochten haben, und dann sehe ich im Tip auf der Seite “Schönes Wochenende” das Bild einer im Wachkoma befindlichen Janett Haid (24), Blümelein im Haar, die “Kulturwissenschaften studiert”, und die da zum 8. 3. dumpf-und-dick-backig anmerkt: “12:00. Ausschlafen ist am Sonntag Pflicht! Bei einem ausgiebigen Kaffee komme ich langsam zu mir. Zwischendurch fällt im Radio noch das Wort ‘Internationaler Frauentag’, ach ja! Warum feiern wir diesen Tag eigentlich? Werde ich demnächst mal googeln!”

Janett, die Wahrheit ist: Fashion has forgotten you. Und ändere deinen Namen und google mal den kommenden Ersten Mai, bevor du zur Party gehst.

Das jedenfalls, meine Lieben, wäre einer Lesbe nicht passiert!

13 Jahr – Wunderbar

Veröffentlich von nachtschicht am 20. April, 2009

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Lange hatte ich es nicht mehr ins GMF geschafft, aber diesen Geburtstag konnte und wollte ich mir nicht entgehen lassen. Zum 13. Jahrestag wurde der Hamburger DJ Boris Dlugosch eingeladen. Man wusste wohl auch warum. Sein musikalisch vielfältiges Set aus Disco, House, Elektro, Progressive, Pop und was weiß ich nicht noch alles traf den Nerv der bunt gemischten Truppe von Gratulanten. Und wirklich alle waren sie da: Die Handtaschenschwinger und Jungschwuppen, die Klosteher und Checker, die Barsitzer und Cocktailtrinker, die Tanzwütigen und Ravehörnchen … Eigentlich ein Wunder, dass der Laden nicht in Grund und Boden gerockt wurde. Oder zumindest einige Etagen tiefer, so wie von den Unmengen an Gästen im Takt genickt, geklatscht, geschnipst, geschrien und gesteppt wurde. Resümierend prophezeie ich mindestens noch 13 weitere Jahre (und noch viel mehr!) – und werde dort wohl sicher wesentlich häufiger aufschlagen.

mivo