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Archiv des Monats Mai, 2009

Dunkle Wolken

Veröffentlich von nachtschicht am 31. Mai, 2009

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Eine Chance gebe ich dem Klub Loreley noch, dachte ich mir. Immerhin gab eine Party dort ein „Auswärtsspiel“, die ich ganz gerne besuche, nämlich „Poppourri“, die sonst im Magnet stattfindet. Da der Mai fünf Freitage hatte und es nur vier feste Veranstaltungen gibt, baten die Betreiber um das kleine Gastspiel zum Monatsende.
Gleich vorweg: Es war etwas los. Zumindest soviel, wie bei keiner anderen der Partys, die ich dort bisher besuchte. Aber dieses „los“ war immer noch zu wenig. Wie üblich blieb die große Lounge im Hinterbereich abgeschlossen – bisher, scheint mir, war sie nur zur Kluberöffnung zugänglich. Es lohnt sich einfach nicht, sie zu öffnen, damit die wenigen Gäste sich nicht komplett verlaufen. Ebenso, wurde mir zumindest gesagt, scheint eigentlich nur die Party „Bollox“ einigermaßen zu laufen, während andere Partys wie „Sell Fish“ sich schon verabschiedet haben. Was ist nur los?
Es scheint, die Loreley kommt einfach nicht in Gang. Nach vier Monaten könnte man das eigentlich erwarten, aber vielleicht ist der ausgebrannte Flair des ehemaligen Kinzos nicht restlos verflogen. Und jetzt steht der Sommer an, wo man so ziemliche jede Location einem dunklen Kellerklub vorzieht. Es sieht düster aus für die Loreley.
Tanzfläche

immer up to date

Veröffentlich von Serpil Pak am 29. Mai, 2009

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Kennt ihr das, gerade zu Jahreszeitenwechsel weiss ich nie was ich anziehen soll. Entweder bin ich zu dick oder zu dünn angezogen. Noch kannst du die Wintersachen nicht wegpacken weil du denkst „vielleicht friere ich doch noch“ oder du bist so optimistisch dass du viel zu dünn angezogen, dir dann den Arsch oder die Titten abfrierst. Außerdem vergesse ich immer was ich vom letzten Frühjahr oder Sommer noch alles im Schrank hatte und ich stehe dann immer davor und habe mal wieder nix anzuziehen. Porke miseria… Die tollsten Sachen finde ich dann erst wieder wenn der Sommer längst wieder vorbei ist und sie dann auch nicht mehr up to date sind. Also kaufe ich neue Sachen am besten im Sommerschlussverkauf, wer soll es sich denn auch anders leisten können, die dann wieder nicht angezogen in irgendwelchen Schubladen landen, auf nimmer wiedersehen. Mein einziger Trost: der nächste Winterschlussverkauf steht dann vor der Tür.

Von der Schwierigkeit, einen Titel zu finden

Veröffentlich von Céline Robinet am 28. Mai, 2009

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Chère Ilona,

Danke für Ihre Lesung aus dem Roman Die Trompeterin von Jackie Kay gestern bei der Lesbenberatung.

Echt schöner Roman. In der Veranstaltungsankündigung stand:

“Ein Abend für PartnerInnen von Transmännern. Nach einem anschließenden Austausch wollen wir auch die Möglichkeit geben eine Selbsthilfegruppe zu gründen.”

- Meinst du, du musst in eine Selbsthilfegruppe, weil du mit einem Transmann zusammen bist??? fragte mich etwas verunsichert einer meiner Lieblingsmenschen. Natürlich meinte es niemand so.

Und tja. “Die Trompeterin”. Für diejenigen, die gestern nicht da waren und das Buch nicht gelesen haben, hier die Kurzbeschreibung von Amazon:

“Als der gefeierte Jazztrompeter Joss Moody stirbt, enthüllt sich das Geheimnis, in das einzig seine Frau Millie eingeweiht war, und das er ein ganzes Leben lang gehütet hatte: Sein Adoptivsohn Coleman wird mit der Tatsache konfrontiert, dass der Mann, den er für seinen Vater hielt, in Wirklichkeit eine Frau war.”

Ähm, “in Wirklichkeit”? Ööh, wieso? Und wie Sie mit Recht bemerkten, chère Ilona, frage ich mich genauso, wie der Argon Verlag, der das Buch auf Deutsch herausgegeben hat, aus dem englischen Titel „Trumpet“ “Die Trompeterin” machen konnte…

Nun ja, jetzt haben wir eine Austauschgruppe für Partner_innen von Transmenschen gegründet. Bei Interesse bei der Lesbenberatung nachfragen!

(Ilona Bubeck, Mitbegründerin vom Querverlag)

Hallo possums, ich melde mich nach einiger Zeit wieder, aber sorry, ich war auf der Flucht … vor dem Leben. Tadellos, aber mittellos gab ich mich in einem Café in Alt-Treptow (mein neuer Hit nach dem Wedding – da kannst Du Deinen Muff drauf setzen, Schwester, das wird das neue Kreuzberg!) der Medienkontrolle hin, blätterte in diesem und jenem Magazin und in der und der Zeitung und schon ereilte mich wieder einer dieser Dafür-haben-wir-nicht-gekämpft!-Augenblicke! Protagonist war der Joop, der Wolfgang. Nun war ja die Heiligensee-Triene (“Ich weiss, was Armut ist!”) schon immer etwas suspekt, aber leidlich amüsant, versuchte allerdings doch zu angestrengt, den Karl Lagerfeld für die Discounter-Community zu geben (er imitiert sogar die Handschrift und den Zeichenstil der Grossen Sonnenbrille!).

Im Vergleich mit dem herrlich genialen KL ist unser Potsdamer Schneiderlein aber denn doch nur wie ein 8fach benutzter Teebeutel. Für die  BILD-Werbekampagne “BILD Dir Deine Meinung!” dichtete er etwas, das beweist, dass Sonnenstudios und Botox Gehirnschäden hervorrufen. Also rappte das Wolferl los: “`Bild´ ist `camp´. Übersetzt heißt das, man hat einen eigenen Stil. Einen, der polarisiert. Mal ist man `under the top´, mal `over the top´. Meist ist man aber einfach geradeaus. `Bild´gibt meinem Affen täglich Zucker!”

Ähä? Versteht Ihr das?! Allmächtiger, lass Hirn regnen vom Himmel! Das ist doch ein mittlerer Niedergang! Wolfgang, “camp” ist zwar mehr als ein Zeltlager, aber was Du da von Dir gibst, das ist submongoloid! Oder ist das die Art von verko(r)kster Ironie, wie sie in Potsdamer Villen bei sanft klirrenden Teetassen gepflegt wird? Wir bitten um Aufklärung! Danke!

Da fällt mir gerade ein – hier noch der passende Satz, mit dem man jeden und jede fertig machen kann, der/die sich Dir gegenüber eine Unverschämtheit erlaubt: “NOCH EINEN SCHRITT WEITER, UND ICH WERDE DIR HÖCHSTPERSÖNLICH ETWAS ÜBER DICH ERZÄHLEN, DAS DU WEISST, ABER  NOCH NIE IN WORTE GEFASST HAST UND DAS DEINEM SELBSTBILD EINEN SCHWEREN, WENN NICHT SOGAR TÖDLICHEN SCHADEN ZUFÜGEN WIRD.”

Meine Tipps des Tages:
Filme:
DIESE NACHT von Werner Schroeter
“BRÜGGE SEHEN… UND STERBEN?” von… hab den Regisseur gerade nicht parat, aber ein toller Gangsterfilm!
Gewarnt wird heftigst vor LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK (verlogener Seniorensex mit Zwerg Dustin Hoffman!)

Bücher:
MÜTTER UND SÖHNE von Colm Toibin
JAMES BIDGOOD (Meister des schwulen Kitsches)

CDs:
OBOROTY von La Minor (mitten im Balkan-Hype herrlicher russischer Gaunerswing, von St.Petersburg bis nach Odessa, liebevoll und leidenschaftlich)

The King

Veröffentlich von Céline Robinet am 20. Mai, 2009

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Bonjour Domino,
vor ein paar Stunden war im Schwulen Museum die Eröffnung von “Frauenbiografien und Berliner Lesbenszene” in der ständigen Ausstellung. Da warst Du mit deiner Gesangspartnerin Regine eingeladen, um einige Chansons zu singen. Bravo, das war sehr anrührend. Ich habe gelesen, dass du schon in den 60er Jahren in Paris und Berlin als Drag King aufgetreten bist – krass. Ja, ich weiss, damals gab es das Wort Drag King gar nicht. Man sprach von “Herrenimitatorinnen”. Aber heutzutage wissen wir ja, dass Drag Kings Herren nicht imitieren, sondern neu definieren und/oder erfinden. Wie auch immer. Es lebe das Schwule Museum, das entschieden hat, die Geschichte und (Sub-) Kultur der lesbischen und queeren Bewegung als Bestandteil der Dauerausstellung zu dokumentieren. Dis-moi, Domino, wirst Du auch am 30. Mai in den Räumen der Lesbenberatung beim Fossilientreffen da sein? Die Veranstaltung heisst: Begegnung und Gedankenaustausch von Lesben aus HAW (Homosexuelle Aktion Westberlin) und LAZ (Lesbisches Aktionszentrum) Zeiten. Sprich: aus den 70er Jahren. Ich bin auf jeden Fall dabei. Danke für die schöne Erbe.

 

Domino und Dolly doll

Domino und Dolly doll

 

 

(Domino: Sänger_in)

Kottywood

Veröffentlich von nachtschicht am 19. Mai, 2009

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Dank der Menschenmasse war Körperkontakt – wie bei jeder Elfenparty in der Möbel Ofle- garantiert und die Stimmung ausgelassen. Die Musik war leider eher unbefriedigend, auch wenn die DJs, gemäß dem Motto  “Kottywood”,  viele  Filmhits spielten- meine Hüfte wollte unbedingt, konnte aber nicht so ganz in Schwung kommen.

Die Elfen in der Olfe haben zwar schon bessere Nächte bestritten, aber am Ende ist der Frauenabend am Kotti immer eines der aufregenderen Erlebnisse der Stadt: die Frauen sind partywillig, am Ende gar wütig, die Hüllen fallen, es wird auf dem Tresen getanzt und das Barpersonal ist das coolste der Stadt! tuc

indoor planschen bei den „Mermaids“

Veröffentlich von sis am 18. Mai, 2009

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Mermaids rocken auch ohne Insel. Das konnte man am Samstag sehen, als nachts um 2 die Schlange vor der neuen Mermaids Location dot club bis auf die Strasse reichte.

Stand die Party in den letzten Jahren für lesbisches Partyvergnügen mit Blick aufs Wasser und Jeans voller Grasflecken, sowie einen abwechslungsreichen guten Musikmix auf der Insel in Treptow, lohnt ein indoor Besuch genauso. Der Laden kochte, an den diversen Bars ackerte das schnelle und supernette Servicepersonal und – untypisch für Lesbenpartys – um kurz vor fünf gab es noch eine gut gefüllte Tanzfläche. Nur die Performance hätte man sich schenken können. Willkommen an Land, mermaids!

xlr-Stecker

foto: c Krizzi with the K

Zweimal CSD – ist das Luxus?

Veröffentlich von sis am 18. Mai, 2009

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Das war ein zivilisierter Abend gestern im Schwuz. Die  Beteiligten kennen sich seit Jahren und respektieren die unterschiedlichen Ansätze. Kontroversen brachte das Publikum ein. Ob lesbische Migrantinnen oder Transidente: Ihre Realität kann der große CSD offenbar nur unbefriedigend abbilden und integrieren. Dieses Mankos sind sich seine Organisatoren allerdings bewusst.
Sind zwei CSDs Luxus? Wohl eher ein Privileg, wenn man betrachtet wie LGBT am selben Wochenende in Riga und Moskau schon um ihr elementares Versammlungsrecht vergeblich kämpfen!
zw

Allamanyas next Topmodül

Veröffentlich von Serpil Pak am 14. Mai, 2009

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Hallo mal wieder. Ich sollte pausieren aber ihr kennt es ja „totgeglaubte leben länger“. Also das mit der Modegeschichte nimmt ihren Lauf. Erst mal ein hinweis meinerseits: ich war als Modeexpertin im RBB Fernsehen diesen Mittwoch zu sehen zu dem Thema „Die größten Modesünden“ um 21 h. hat mir echt spaß gemacht. Dort war ich im Dirndl zu sehen. Übrigens habe ich schon wieder ein neues Modelabel entdeckt „pilic Bulgari“. Ist echt schick wenn ihr Folklore style mögt. Dann habe ich für die Bühne ein neues Modell aus meiner altbekannten Kollektion Dönerteller Versucuk käuflich erworben. Es heisst „alles fit im Schritt“ und läßt viel Platz für dicke Eier und dicke Eierstöcke. Auch beliebt in unterschiedlichen Ausführungen für Hip & Hopper und Menschen mit Prostataproblemen. Ich habe in der Zwischenzeit auch bei Heidi Klüm mitgemacht, Allamanyas next Topmodül aber die meinten ich bin ein optischer Anschlag. Was solls hauptsache gut aussehen.

Eure Serpil

Fata Morgana am frühen Morgen? (Teil 1)

Veröffentlich von Céline Robinet am 12. Mai, 2009

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Chère Ulla Schmidt,

letzten Freitag hatte ich einen Termin beim Arzt. Wie mein Freund Gauner, einfallsreicher Slam-Poet, in dem Text “Meine sehr verkehrten Darminternen”, einem Gerede an die Bundestagsabgeordneten, mal geschrieben hat: “Auch in der Frage der Gesundheitspolitik haben wir ein Problem, ich darf da einmal kapitulieren: Durch die Einführung der Praxisgebühr werden doch nicht nur Ärzte und Psychoterrorpeuten stärker belästigt, sondern vor allem die Arzthelfer und Arzthelfershelfer und deren Hilfsmitarbeiter. Die müssen für ihre Arbeit auch mal einen anständigen Hohn bekommen! Wenn wir an diesem Punkt nicht bald mal die Kurve kratzen, dann ist es zu spät. Und deshalb gibt es von mir auch ein deutliches und entschlossenes Jein zu dieser Politik des sozialen Karlmarx.”

Ich habe noch keinen Hausarzt und Dr. S. ist mir empfohlen worden. Une chance! Denn in der Praxisgemeinschaft in der Turmstr. ist etwas Seltsames passiert: Die Krise war nicht mehr zu spüren, es herrschte gute Laune und ich kam mir vor wie unter “Promorgana”, dem Heilmittel gegen Schwarzseherei, den Dani Levy in seinem Kurzfilm “Joshua” als Beitrag für Deutschland 09 einnimmt und dem er zu verdanken hat, dass er plötzlich überall Fröhlichkeit und freundliche und höfliche und helfende Menschen um sich herum sieht.

Das fing schon mit der Arzthelferin an: Biggi F., eine schöne Butch, die offensichtlich Spass und ihre Arbeit, ihre Kollegin und die PatientInnen gern hatte – und für jede*n ein nettes Wort. Ich fühlte mich so wohl, dass ich mir erlaubt habe, die Fragen auf dem Fragebogen, den man als neue Patientin ausfüllen soll, nach meiner Fasson zu beantworten. So kreuzte ich z.B. bei “Erkrankungen, die bei mir früher festgestellt oder behandelt wurden” unter “Abhängigkeit” JA an und schrieb: “LIEBE”. Bei “Herz” das gleiche. Und auch bei “Psyche”.

Oder vielleicht lag es daran, dass es 11 Uhr vormittags war und ich seit dem Vorabend nichts gegessen hatte, weil ich für eine Blutabnahme da war und mit leerem Magen kommen sollte?

(Ulla Schmidt: Bundesministerin für Gesundheit)

(Fortsetzung fogt)