die luft ist raus. die kunterbunten und mit luft gefüllten riesigen sterne, die als europa-sterne eben an unseren schönen kontinent erinnern sollten, hängen schlaff im wind. die party ist aus, der europride geschichte, und schon wurde in windeseile – scheinbar über nacht – vieles beseitigt. die vielen stände, buden und bühnen des großen stadtfestes sind gegen mittag schon verschwunden. nur noch die regenbogenflaggen an den masten der strassen und auf den trams erinnern an gestern. müll, dreck ist nirgends zu sehen, eine einsame leere sektflasche erinnert wehmütig an die feucht-fröhliche nacht.
ich hab vom abbau nichts mitbekommen. ich war tanzen. im klub “t&m”, eine der besten adressen der stadt, wenn man spass haben will. mitten in der altstadt gelegen, zwei dancefloors, unten eher mix und viel 80er-jahre, oben elektro. wie man das von zu hause auch kennt. nur das in berlin keiner bei französischem pop mitgrölen kann … es handelte sich um die offizielle eurpopride-party, es fand noch eine weitere statt, weit außerhalb des zentrums. Ich hatte darauf keine lust, ein paar erstklassige pornostars traten dort auf, u.a. vom berliner label cazzo. pornos muss ich immer berufsmässig gucken. da wollte ich lieber normale leute gucken, hat auch viel spaß gemacht. volles haus schon um halb elf, ganz anders als daheim, gegen mitternacht ist der laden rappelvoll. man kommt schnell ins gespräch. schöne stimmung, ausgelassen, lebendig, alles locker, die leute hier gehen nett miteinander um. sehr international, und auch gemischt, viele frauen, sonst sind die schwulen hier eher unter sich. stricher sind auch da, für die ist so ein internationales grossevent eben ein grosses geschäft. und ein paar drogendealer stehen rum, denn die gibt es in zürich – man denke an die 90er-jahre – eben auch immer noch. ansonsten ist viel eis im glas, wenn man einen longdrink bestellt. ein wodka-cola kostet knapp 16 schweizer franken, das sind rund 11 euro. teures vergnügen! das geld für meinen spass krieg ich mit blog-schreiben nicht wieder rein. hat ja aber spass gemacht.
nach dem frühstück bin ich in die stadt, aber da war ja schon alles abgeräumt. ersatzprogramm: kunst gucken. es gibt hier jede menge galerien, rund 200 sollen es sein, und 50 museen! in der sonne am züricher see sitzen, bratwurst essen – ja: die züricher lieben bratwurst – oder einen milchkaffee im überfüllten café “odeon” trinken, wo lesben und schwule wie auf der hühnerstange sitzen. tja, sehen und gesehen werden. die stadt ist eh noch voll von uns. ja, wir sind am sonntag sogar immer noch in der mehrheit. auch am flughafen. lauter lesben und noch viel mehr schwule checken ein und fliegen nach hause, in die halbe welt (die andere hälfte war leider nicht angereist). im gepäck viele erlebnisse. deshalb gibt es morgen noch ein resümee von mir.
nur eins jetzt noch: die ach so geschätzte und hierzulande gern zitierte neue züricher zeitung hat in ihrer sonntagsausgabe von heute den europride mit ganzen neun zeilen erwähnt. auf seite 13! man schreibt von “mehreren zehntausend” teilnehmern und “20 gruppierungen mit 20 fahrzeugen” und hat ein bild dazu gestellt, das einen goldbeschmückten teilnehmer der parade in einer art thailand-outfit zeigt. “schillernde europride” steht unterm foto – das war’s dann auch schon. hm? ob morgen mehr nachgeschoben wird? keine ahnung. ich bin dann weg – ade zürich!







