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freudentaumel

Veröffentlicht von AHergeth am 6. Juni, 2009

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zürich nervt. nirgends klappt es mit dem kabellosen netzzugang, auch nicht im hotel, das damit aber wirbt. das ist generell ein schwieriges ding in der stadt, erklärt lächelnd die dame an der reception. damit rechnet man nicht. na ja, das internet haben ja auch nicht die schweizer erfunden – jetzt ist der kalauer vom tisch.

so ein trip zum europride ist nicht frei von klischees. es geht schon beim abflug los. man kennt ja immer jemanden … nina queer sitzt im flieger. “hallo cheffe” raunt sie mir zu, schliesslich schreibt sie in DU&ICH regelmässig eine kolumne. sie hat gestern abend aufgelegt. ich war da, gerade als karel gott “in einem unbekannten land” sang, betrat ich eine art aufblasbaren wattebausch, eine temporäre halle, wo es tags über drinks und infos gibt, abends eben party. es war rappelvoll. nina queer hatte ihren spass, gab mir jägermeister aus, die jungs wurden immer hübscher, aber das gehört hier nicht her.

zürich fasziniert. die stadt ist so anders als berlin. kleiner natürlich. so pittoresk und aufgeräumt, sauber und adrett. aber das hat charme, weil trotzdem so etwas wie weltläufigkeit zu fühlen, zu atmen ist. überall menschen aus aller welt. und jetzt eben viele viele lesben und schwule und transgender. und die fallen auf, ganz anders als in einer megastadt wie berlin oder köln. in der altstadt – liebevoll “dörfli” genannt – ist eine riesiges stadtfescht aufgebaut, überall bühnen, buden, stände, also viel zu hören, sehen, futtern und trinken. die stadt trägt farbe, was an den regenbogenfahnen liegt. die schweizer haben strenge regeln zur beflaggung. es grenzt an ein wunder, dass die regenbogenfahnen überall flattern - neben der schweizer nationenflagge und der blau-weissen fahne zürichs. in den strassen, auf brücken, sogar an jeder tram, ein zeichen, dass die stadtverwaltung da setzt. ein kleines wunder in einer stadt, wo – toleranz hin oder her – immer noch viele konservative kräfte gegen den europride arbeiteten. hat ja eber nichts genutzt. und die homo-hasser haben jetzt eh die schlechteren karten. mit corine mauch wurde vor ein paar wochen die erste frau in das amt der stadtpräsidentin gewählt, alos der oberbürgermeisterin. sie ist offen lesbisch. klaus wowereit hat sie schon nach berlin eingeladen, wie sie mir bei einem glas weisswein (aus der stadt zürich) erzählte. kluge frau, sehr sympathisch, gut aussehend. was für ein glücksfall: als die europride nach zürich geholt wurde, war ja nicht klar, dass dann, wenn die eurorpide stattfindet, eine lesbische bürgermeisterin das spektakel eröffnet. ein signal soll vom euroride ausgehen, hat corine mauch gesagt. das haut hin: die stadt swingt. es ist ein verdammt gutes gefühl, hier zu sein, dabei zu sein. gelebte toleranz sozusagen.

nina queer übrigens hat die nacht durchgemacht und sass schon morgens um acht im flieger zurück nach berlin. ich bleibe noch. nachher geht es zur pride, abends stehen viele partys auf dem programm. eine stadt im queeren freudentaumel …

ach, fast vergessen: es freitag schien die sonne. seit samstag früh regnet es leider. aber zürich lässt sich die laune nicht vermissen. ich auch nicht. grüezi aus zürich

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