Siegessaeule BlogSchwul-lesbischer Blog für Berlin und Deutschland

Archiv des Monats Juni, 2009

Dafür hatten wir (noch) nicht gekämpft. Oder?

Veröffentlich von Céline Robinet am 15. Juni, 2009

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Chère Merete Laubjerg,

im Mai haben Sie eine Studie am dänischen Institut für Gesundheit vorgestellt und im “Scandinavian Journal of Public Health” veröffentlicht. Laut dieser Studie leiden Kinder, die von der lesbischen Partnerin ihrer Mutter adoptiert wurden, also von zwei Frauen groß gezogen werden, weniger an psychischen Störungen als andere Kinder.

Nun wird es für Kinder noch einfacher sein, glücklich zu werden, weil es für Lesben einfacher wird, Schwanger zu werden: letzten Freitag hat das spanische Reisebüro Rainbow Tourism, das auf ein homosexuelles Publikum spezialisiert ist, sein neues Angebot vorgestellt: “Fértil relax”. 

Das Urlaubspaket ”Fértil relax” lautet: eine Woche entspannten Urlaub an der Costa Blanca inkl. glücklicher Befruchtung.

“Fértil relax” ist das Ergebnis eines Abkommens zwischen Rainbow Tourism und dem Instituto Bernabeu, einer Befruchtungsklinik in Madrid.

Anscheinend ist Spanien schon seit Jahren eines der beliebtesten Reiseziele europäischer Paare, die gern Eltern werden möchten aber es auf traditionellen Wegen nicht schaffen. Das Instituto Bernabeu behandelt bereits so viele Frauen aus dem Ausland (im vergangenen Jahr waren es 400, davon 200 aus Deutschland), dass es sich auf der Internetseite gleich auf Deutsch präsentiert. Bald wird man vielleicht, wenn man sich dort künstlich befruchten läßt, deutsche Zeitungen lesen können und Brötchen zum Frühstück bekommen - wie auf Mallorca.

Turismo Reproductivo hieße das. Reproduktionstourismus. Hier ein Artikel der Berliner Zeitung über das Thema.

Schade eigentlich, dass ich keine Kinder möchte, ich wollte immer nach Spanien!

 

Thomas Beattie hat gerade sein 2. Kind zur Welt gebracht

A propo Eltern: Thomas Beattie hat gerade sein 2. Kind zur Welt gebracht

(A propo Eltern: Thomas Beattie hat gerade sein 2. Kind zur Welt gebracht)

(Merete Laubjerg: Forscherin an der Universität Kopenhagen)

GEIL: der neue Man’s Style?

Veröffentlich von Egbert am 10. Juni, 2009

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Hello possums,

nun möchte ich doch bitte etwas richtig stellen bezüglich meines Kommentars zum Homoehe-Artikel im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Manchmal wünsche ich mir, dass die Reden der Leute (auch meine eigenen) durch Untertitel ergänzt würden … es interessiert mich, at the end of the day, letztendlich nicht, ob ich verstanden werde, Hauptsache: Ich möchte auf keinen Fall missverstanden werden!

Nein, ich habe nichts gegen die Homoehe, ich bin (wenn auch aus praktischen, nicht aus emotional-sentimentalen) Gründen dafür, und ich habe auch nichts gegen ältere Schwule (und die beiden knutschenden Opis auf dem Cover fand ich cool – bei deren Anblick beteten sicher so einige Heten die Kloschüssel an!) – Herrgottnochmal, ich bin selbst einer, Kinder, ich war schließlich bei der Arbeit an den Pyramiden dabei! Waren schwierige Zeiten! Dunkel traumatisiert erinnere ich mich auch noch an die Anfertigung eines Goldcolliers für Montezuma! Dies nur dazu. Und jetzt bin ich in Eile, ich habe eine Verabredung mit meiner Bewährungshelferin, dennoch kurz ein Hinweis auf ein weiteres Dafür-haben-wir-nicht-gekämpft-Erlebnis.

Neulich beim Zeitschriftenhändler meines Vertrauens entdeckte ich die erste Ausgabe von GEIL MAGAZINE (5 Euro halbjährlich). Da greift man als Magazin-Junkie doch gleich zu!

“The New International Man´s Style Magazine” kommt aus der Danzigerstrasse 153 in 10407 Berlin. Spricht man dort kein deutsches Wort mehr?! Das ganze Heft ist auf Englisch und tönt, um sich vorzustellen, aufgeblasen-blumig: “Geil Magazine is an entirely new magazine concept for the German market – a fashion magazine for men including features on grooming, art, shopping, interesting gadgets, travel and lifestyle for the mature and modern man” Possums, wann habt Ihr das letzte (zum letzten) Mal einen reifen und modernen Mann getroffen?! Und warum nennt sich dieses ultraschwule (aber diesbezüglich voll verklemmte) Heft  GEIL?  “Geil also because the act of speaking a new language makes possible the performance of a new personality, a new person with new possibilities, in the same way that even the sound of a speaker´s voice alters in shaping sounds that are not present in another tongue. Geil Magazine is about new possibilities, and a visual language through which men´s fashion has a new emotion: GEIL!”

Harter Tobak! Und im Reiseteil wird, naturally, Berlin gehypt zu “Europe´s Capitol of Cool” und: “Europe´s most vibrant and cosmopolitan place to visit”. Wir lieben ja unser Berlin, aber – liebe Geil-Schwestern, schon mal in London oder Paris gewesen? So klappt das nicht! Für Fashionistas jeglicher Couleur bleibt die Bibel deshalb immer noch L´UOMO VOGUE, gut ist auch WING. aus Amsterdam, das nennt sich dann gleich erfrischend “global queer culture”  im Untertitel. So geht´s halt auch …

Allerletztes aus Zürich

Veröffentlich von AHergeth am 9. Juni, 2009

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Eins fehlte noch – eine genaue Zahl, hier ist sie und stammt von den EuroPride-Verantwortlichen. Es sind sogar zwei: “Knapp 50.000 Menschen nahmen an der grossen Parade teil und demonstrierten am 6. Juni für ihre Rechte Your rights are my rights, rund 50.000 Menschen säumten den Strassenrand.” Macht also 100.000 – danke Zürich!

Politisch und Lesbisch und ein bisschen Dada

Veröffentlich von AHergeth am 8. Juni, 2009

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Was bleibt im Gedächtnis vom EuroPride in Zürich? Die perfekte Organisation zum Beispiel. Alles klappte wie am Schnürchen. Perfekter als in Deutschland, echt! Bürgermeisterin Corine Mauch eröffnete den Marsch durch die Stadt mit einem Scherenschnitt genau eine Minute vor dem eigentlichen Start um 15 Uhr. Zwei Stunden sollte sich der Zug mit verschiedensten Vereinen, Initiativen, Parteien und Einzeldarstellern aus der Schweiz, aber auch aus benachbarten Ländern, durch Zürichs Altstadt schlängeln – und so lange dauerte das Ganze tatsächlich. Den Organisatoren standen übrigens 300.000 Franken zur Verfügung, zwei Drittel davon brachten Sponsoren auf, den Rest teilten sich Stadt und Kanton. Ein Heer von Ehrenamtler leistete erstaunliches.
Was bleibt? Viele bewegende Momente. Etwa, als zum Parade-Ende neben Corine Mauch auch Michaela Copot sprach. Die 34-Jährige arbeitet für Amnesty International in Moldawien und sprach von den katastrophalen Zuständen in ihrem eigenen und vielen anderen osteuropäischen Ländern, was die Rechte Homosexueller angeht. Dafür erntete sie viel Beifall und zustimmende Rufe. Ja, der EuroPride 2009 war ein lesbisch dominierter Event, nicht zuletzt wegen Corine Mauch.
Überhaupt fiel auf: das war ein politischer EuroPride! Hier ging es auch, aber eben nicht nur um Party. Zu Beginn des EuroPride-Wochenendes fand zum Beispiel der Aidswalk zugunsten von Jugendprojekten der Aids-Hilfe Schweiz statt. Deshalb hingen entlang der Wegstrecke durchs Dörfli (wie die Altstadt genannt wird) überall an den viele Jahrhunderte alten Fachwerkhäusern überdimensionale Red Ribbon-Schleifen. Und der Stonewall Award – der jedes Jahr auf dem Züricher CSD und diesmal eben jetzt verliehen wurde, weil es den CSD nicht extra gibt –, ging an ein traumhaftes Paar: Ernst Ostertag und Röbi Rapp sind seit mehr als 50 Jahren ein Paar. Die beiden heute 79-Jährigen waren 2003 die ersten, die heirateten, als  in der Schweiz eingetragene Lebenspartnerschaften erlaubt wurden. Sie sind Vorkämpfer für die Rechte von Homosexuellen  und haben acht Jahren lang die schwule Geschichte der Schweiz auf mehr als 1000 Seiten aufgeschrieben (www.schwulengeschichte.ch). Die Geehrten selbst mussten weinen, vielen Anwesenden – die beiden sind offenbar gut bekannt – stand die Rührung ebenfalls ins Gesicht geschrieben.  Ein Gänsehautmoment.
Ein bisschen Anarchie fand sich dann doch, aber eher am Rande: Im Dada-Haus – eben da, wo einst die Kunstrichtung erfunden wurde – gab es eine Ausstellung, die sehr alternativ und unordentlich und schönerweise queer daher kam, weil von Lesben und Transgender extra zum EuroPride ausgerichtet. Im Café DuDa lässt sich  übrigens gut schwadronieren und im Dada-Shop lauter ulkiges Kunstzeugs kaufen – hippe Stoffbeutel mit langen Henkeln für Berliner Jungschwule zum Beispiel … Schade, dass ich schon wieder zuhause bin. Zürich, ich komme wieder!

aufgeräumtes zürich

Veröffentlich von AHergeth am 7. Juni, 2009

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die luft ist raus. die kunterbunten und mit luft gefüllten riesigen sterne, die als europa-sterne eben an unseren schönen kontinent erinnern sollten, hängen schlaff im wind. die party ist aus, der europride geschichte, und schon wurde in windeseile – scheinbar über nacht – vieles beseitigt. die vielen stände, buden und bühnen des großen stadtfestes sind gegen mittag schon verschwunden. nur noch die regenbogenflaggen an den masten der strassen und auf den trams erinnern an gestern. müll, dreck ist nirgends zu sehen, eine einsame leere sektflasche erinnert wehmütig an die feucht-fröhliche nacht.

ich hab vom abbau nichts mitbekommen. ich war tanzen. im klub “t&m”, eine der besten adressen der stadt, wenn man spass haben will. mitten in der altstadt gelegen, zwei dancefloors, unten eher mix und viel 80er-jahre, oben elektro. wie man das von zu hause auch kennt. nur das in berlin keiner bei französischem pop mitgrölen kann … es handelte sich um die offizielle eurpopride-party, es fand noch eine weitere statt, weit außerhalb des zentrums. Ich hatte darauf keine lust, ein paar erstklassige pornostars traten dort auf, u.a. vom berliner label cazzo. pornos muss ich immer berufsmässig gucken. da wollte ich lieber normale leute gucken, hat auch viel spaß gemacht. volles haus schon um halb elf, ganz anders als daheim, gegen mitternacht ist der laden rappelvoll. man kommt schnell ins gespräch. schöne stimmung, ausgelassen, lebendig, alles locker, die leute hier gehen nett miteinander um. sehr international, und auch gemischt, viele frauen, sonst sind die schwulen hier eher unter sich. stricher sind auch da, für die ist so ein internationales grossevent eben ein grosses geschäft. und ein paar drogendealer stehen rum, denn die gibt es in zürich – man denke an die 90er-jahre – eben auch immer noch. ansonsten ist viel eis im glas, wenn man einen longdrink bestellt. ein wodka-cola kostet knapp 16 schweizer franken, das sind rund 11 euro. teures vergnügen! das geld für meinen spass krieg ich mit blog-schreiben nicht wieder rein. hat ja aber spass gemacht.

nach dem frühstück bin ich in die stadt, aber da war ja schon alles abgeräumt. ersatzprogramm: kunst gucken. es gibt hier jede menge galerien, rund 200 sollen es sein, und 50 museen! in der sonne am züricher see sitzen, bratwurst essen – ja: die züricher lieben bratwurst – oder einen milchkaffee im überfüllten café “odeon” trinken, wo lesben und schwule wie auf der hühnerstange sitzen. tja, sehen und gesehen werden. die stadt ist eh noch voll von uns. ja, wir sind am sonntag sogar immer noch in der mehrheit. auch am flughafen. lauter lesben und noch viel mehr schwule checken ein und fliegen nach hause, in die halbe welt (die andere hälfte war leider nicht angereist). im gepäck viele erlebnisse. deshalb gibt es morgen noch ein resümee von mir.

nur eins jetzt noch: die ach so geschätzte und hierzulande gern zitierte neue züricher zeitung hat in ihrer sonntagsausgabe von heute den europride mit ganzen neun zeilen erwähnt. auf seite 13! man schreibt von “mehreren zehntausend” teilnehmern und “20 gruppierungen mit 20 fahrzeugen” und hat ein bild dazu gestellt, das einen goldbeschmückten teilnehmer der parade in einer art thailand-outfit zeigt. “schillernde europride” steht unterm foto – das war’s dann auch schon. hm? ob morgen mehr nachgeschoben wird? keine ahnung. ich bin dann weg – ade zürich!

 

das wunder von zürich

Veröffentlich von AHergeth am 7. Juni, 2009

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manchmal hat man glück und ist bei einem magischen moment dabei. als corine mauch, zürichs bürgermeisterin, das rote band durchschnitt, um den startschuss für den europride – also den zug durch die stadt – zu geben, war so einer. die allererste frau im amt und dann noch eine, die nie ein hehl daraus gemacht hat, dass sie lesbisch ist – ja, das kommt einem wunder gleich. cornine mauch führte den zug an, durch die ganze altstadt marschierte sie vorne weg, manchmal arm in arm mit ihrer frau, meist von europride-verantwortlichen umringt (und einer pressmeute, gab das doch tolle bilder ab).

wunder passt gleich mehrfach. denn der europride hätte ja schon ein jahr zuvor in zürich stattfinden sollen, wurde aber verschoben – wegen könig fussball. gut so, wie sich erst jetzt zeigen sollte, denn so konnte corine mauch das europride-zepter schwingen. und wie sie das tat, hatte charme: mit “sehr verehrte damen und damen, sehr verehrte herren und herren” begrüsste sie die zahlreichen zuhörer ihrer rede zur europide auf grosser bühne. typisch schweiz, sagte die bürgermeisterin ihrem publikum gleich in mehreren sprachen “hallo”. das kam sehr gut an, so wie die botschaft überhaupt: zürich setzt ein starkes zeichen für gleichberechtigung von schwulen, lesben und tansgender. “es gibt noch viel zu tun”, sagte corine mauch und meinte damit nicht nur ihr land, sondern ganz europa – und besonders den osten, wo homosexuelle noch immer drangsaliert werden und “nicht so selbstverständlich wie hier in zürich auf die strasse gehen können”. ihre rede brachte viel beifall, vor allem immer dann, wenn zur sprache kam, dass mit ihrer person eine lesbe das sagen in zürich hat. tolles gefühl, dabei zu sein. lauter magische momente.

wobei: so ganz selbstverständlich ging der europride keineswegs über die bühne. im vorfeld hatte die “familienlobby” stunk gemacht. der verein fundamentalistischer christen hatte dazu aufgerufen, für regen am tag des europride zu beten, damit die “teuflische sache” ins wasser fiele … nun, morgens regnete es wirklich in strömen, auch mittags noch, und kurz vor start des europride. doch dann geschah ein wunder: als corine mauch das band durchschnitt hörte es auf zu regnen und die sonne brach sich bahn. ehrlich. und unglaublich: gänsehaut, lachen, freudenschreie. “wir beten für sonnenschein” war auf einem der vielen transparente zu lesen. es hatte scheinbar genützt. das lag sicher auch an jerome, von beruf bänker, der als dragqueen lola glitter in zürich bekannt ist. lola glitter sah umwerfend aus und trat zum pride als”miss familienlobby” mit schicker schärpe auf. “die sollen nur kommen”, sagte jerome kurz vor start lachend, “da hinten stehen sie und warten schon.” doch als der zug begann, hatten sich die protestler schnell verzogen. war ja nicht mal der wettergott auf ihrer seite.

der sonnenschein hielt sage und schreibe zwei stunden, genau so lange brauchte der zug von seinem start bis zum ziel. dann gab es wieder viele kurze duschen. war aber auch nicht schlimm. man nahm es mit gelassenheit. schwule, lesben und transgender können auch gut im strömenden regen tanzen.

apropos tanzen: auf der hauptbühne legten viele djs aus halb europa auf, na ja: aus halb westeuropa auf, es gab keinen einzigen dj aus osteuropa. aber dafür sorgte dj jan fischer aus berlin für stimmung. der sass übrigens auch im flieger so wie ja auch nina queer. meine lieblings-dragqueen legte nachmittags auch auf – ups, dabei dachte ich doch, sie hätte zürich längst verlassen … hatte mich schon gewundert, dass nina so früh am morgen in der lage ist, zu fliegen. sie flog erst abends. ihre kneipe “zum schmutzigen hobby” feierte doch geburtstag. ich  bleib noch. und nehme langsam abschied von zürich. vielleicht geh ich noch züricher geschnetzeltes essen, wenn man schon mal da ist … grüezi aus dem gleich mehrfach wunderbaren zürich.