Heute habe ich meine ersten Wettkämpfe bei den World Outgames besucht und prompt dreierlei tolle Erfahrungen gemacht: 1. Man braucht weder Muskeln noch ideale Männermaße, um ein Sportidol zu werden. 2. Auch wenn sie ab und an unterrepräsentiert sind, setzt sich am Ende gerne mal eine Lesbe durch. 3. Die ganze Homowelt ist zu Gast in Kopenhagen, und dennoch ist und bleibt Berlin das heimliche Dauerthema. Aber nun mal der Reihe nach …

Vorrunde Schwimmen, 100 Meter Delphin
Gute Nachrichten kommen von der Schwimm-WM aus Rom: Dem deutschen Paul Biedermann ist es am Abend gelungen, den Giganten unter den Schwimmern, den Favoriten Michael Phelps (USA), im Finale der 200 Meter Freistil zu schlagen – und zwar mit neuem Weltrekord! Bei den Outgames warten die Deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer hingegen noch auf das erste Gold. Die Isarhechte aus München, zum Beispiel, müssen sich derzeit mit einem fünften Platz begnügen. Dafür machte der schwul-lesbische Verein Anfang der Woche andere dicke Schlagzeilen: Ab kommender Saison sind die Isarhechte Sponsor bei Tennis-Borussia Berlin! TeBe hatte in einer einmaligen Aktion “Auf die Trikots, fertig, los!” Brustsponsoren sowie Geldgeber für Bandenwerbung gesucht. Wie die Isarhechte (Foto, v.l.n.r.: Thomas, Werner, Gert, Michael, Jörg) am Beckenrand der Kopenhagener Aqua Arena bestätigten, ist der Verein fortan mit einem Sechsmeterbanner im TeBe-Stadion präsent, um somit ein Zeichen gegen Homophobie zu setzen. TeBe habe das Nachbohren eines Berliner Magazins erwähnt, sagt Jörg. Mehr dazu in der Augustausgabe der Siegessäule.

Isarhechte in Kopenhagen
Das wirklich Schöne an den Outgames: Hier gibt es keine Altersgrenzen, keine Body-Mass-Vorschriften oder Mindestzeiten, sondern jeder darf sich in der Aqua Arena nach Herzenslust nass machen. Hobbysportlerinnen messen sich mit Profis, Freizeitschwimmer mit echten Wasserhechten. Neben den Leistungen zählt halt vor allem der gemeinsame Fun. Und so endete der Wettbewerb integrierend-kommunikativ mit einer zufällig zusammengesetzten Staffel, damit sich die Schwimmer auch jenseits ihrer Vereine und Fancliquen mal näherkommen. Apropos Fansbasen: Am lautesten waren die Frauen und Männer aus Montréal und Amsterdam, auch wenn die Deutschen zumindest zahlenmäßig denen in nichts nachstanden.

Random-Staffel in Kopenhagens Aqua Arena
In der Pause vor dem Turmspringen lerne ich im Foyer den Kopenhagener Mogan kennen. Er bringt sexy Bademode mit Motiven der Outgames unters queere Volk. Im Gespräch schwärmt er sofort von Berlin, das er oft besucht, weil er da viel mehr erleben könne als in Kopenhagen. Und damit ist er nicht der einzige. Berlin ist in Gesprächen omnipräsent. Und das zu Recht. Was ich außerdem erstaunlich finde, ist, wie viele Ausländer mir sagen, dass sie die Magazine Siegessäule, L-Mag oder DU&ICH kennen. Alle drei, ungelogen. Pause beendet. Auf zum Turmspringen.

Wettbewerb im Turmspringen
Erstaunlich, aber beim Turmspringen ist die Konkurrenz überschaubar, lediglich neun Sportler treten an, darunter mit Kristy Grosart eine einzige Frau. Der älteste im Felde, Derek Douglas, ist bereits seit fast 30 Jahren bei Wettkämpfen aktiv. Aus Deutschland auf dem 3-Meter-Brett vertreten: André Böhm, der diesen Sport erst seit drei Monaten ausübt und dafür eine akzeptable Leistung liefert. Mein Liebling unter den Springern ist schnell ausgemacht: Cecil Bulo aus Amsterdam, der trotz seiner unwesentlich überdurchschnittlichen Körpermaße wunderbare Schrauben und Salti durch die Luft zwirbelt (Foto). Cecil ist meine neue Motivation, mich mal wieder selbst sportlich zu betätigen. Dabei sein ist schließlich alles, und hier in Kopenhagen werden sogar Arschbomben und Bauchklatscher gefeiert.

Cecil Bulo, der Star beim Turmspringen
Cecil erhält dann auch den größten Beifall und beweist am Beckenrand echte Entertainerqualitäten. Nach jedem Sprung dankt er den tobenden Fans originell und souverän. Im Interview sagt er mir anschließend, dass er erst seit knapp einem Jahr vom Turm springt. Eigentlich sei er Schwimmer, doch das ist ihm auf Dauer zu langweilig geworden. Am Ende belegt Cecil einen guten fünften Platz. Gewonnen hat mit Kristy Grosart (Foto) die (von Cecil mal abgesehen) grazilste und professionellste Athletin, die sich mit atemberaubenden, sauberen Sprüngen am Ende durchsetzen konnte. Farvel! Sirko

Kristy Grosart vom 3-Meter-Brett