Siegessaeule BlogSchwul-lesbischer Blog für Berlin und Deutschland

Archiv des Monats Juli, 2009

News: Explosionen im Stadion

Veröffentlich von sisa am 29. Juli, 2009

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Bei den World Outgames ist es am gestrigen Nachmittag zu einem weiteren Zwischenfall gekommen. Unmittelbar vor dem Start der Sprintwettkämpfe im Østerbro-Stadium sind mehrere winzige Bomben auf die Laufbahn geworfen worden. Dabei wurde der US-Leichtathlet Dean Koga aus Seattle an der Hand verletzt. Koga hatte sich am Startblock für seinen Einsatz bei der 4×200-Meter-Staffel vorbereitet, als die Sprengkörper über die Mauer geflogen kamen. Die Wettkämpfe wurden zwischenzeitlich unterbrochen. Etwa eine Stunde später kam es zu einer weiteren Explosion im Stadion, Sportler beobachteten eine fliehende Person. Die Kopenhagener Polizei konnte daraufhin einen 31 Jahre alten Dänen verhaften.

Der Anschlag ist die zweite Attacke auf Teilnehmer der World Outgames in Kopenhagen, bereits im Anschluss an die Eröffnungszeremonie waren am Sonnabend drei schwule Männer in der Innenstadt beschimpft und zusammengeschlagen worden. Die Veranstalter reagierten jeweils unmittelbar danach mit öffentlichen Statements. Uffe Elbæk, Chef der Outgames, nannte die Vorfälle einen Beleg dafür, welchen Risiken Lesben und Schwule überall in der Welt ausgesetzt seien. Dies zeige, wie wichtig Events wie die Outgames seien. Zudem lobte Elbæk die in beiden Fällen “exemplarische” Aufklärungsarbeit der hiesigen Polizei. Teilnehmer des Staffellaufes sagten der örtlichen Presse, dass Lesben, Schwule und Trans sogar an den vermeintlich homofreundlichsten und sichersten Orten Gefahren drohten. Vertreter der Gay Games solidarisierten sich in einem Schreiben mit den Outgames. “Wir verurteilen die gewalttätigen Attacken gegen LGBT-Athleten.”

Bericht: Nass macht Spaß

Veröffentlich von sisa am 28. Juli, 2009

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Heute habe ich meine ersten Wettkämpfe bei den World Outgames besucht und prompt dreierlei tolle Erfahrungen gemacht: 1. Man braucht weder Muskeln noch ideale Männermaße, um ein Sportidol zu werden. 2. Auch wenn sie ab und an unterrepräsentiert sind, setzt sich am Ende gerne mal eine Lesbe durch. 3. Die ganze Homowelt ist zu Gast in Kopenhagen, und dennoch ist und bleibt Berlin das heimliche Dauerthema. Aber nun mal der Reihe nach …

Vorrunde Schwimmen, 100 Meter Delphin

Gute Nachrichten kommen von der Schwimm-WM aus Rom: Dem deutschen Paul Biedermann ist es am Abend gelungen, den Giganten unter den Schwimmern, den Favoriten Michael Phelps (USA), im Finale der 200 Meter Freistil zu schlagen – und zwar mit neuem Weltrekord! Bei den Outgames warten die Deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer hingegen noch auf das erste Gold. Die Isarhechte aus München, zum Beispiel, müssen sich derzeit mit einem fünften Platz begnügen. Dafür machte der schwul-lesbische Verein Anfang der Woche andere dicke Schlagzeilen: Ab kommender Saison sind die Isarhechte Sponsor bei Tennis-Borussia Berlin! TeBe hatte in einer einmaligen Aktion “Auf die Trikots, fertig, los!” Brustsponsoren sowie Geldgeber für Bandenwerbung gesucht. Wie die Isarhechte (Foto, v.l.n.r.: Thomas, Werner, Gert, Michael, Jörg) am Beckenrand der Kopenhagener Aqua Arena bestätigten, ist der Verein fortan mit einem Sechsmeterbanner im TeBe-Stadion präsent, um somit ein Zeichen gegen Homophobie zu setzen. TeBe habe das Nachbohren eines Berliner Magazins erwähnt, sagt Jörg. Mehr dazu in der Augustausgabe der Siegessäule.

Isarhechte in Kopenhagen

Das wirklich Schöne an den Outgames: Hier gibt es keine Altersgrenzen, keine Body-Mass-Vorschriften oder Mindestzeiten, sondern jeder darf sich in der Aqua Arena nach Herzenslust nass machen. Hobbysportlerinnen messen sich mit Profis, Freizeitschwimmer mit echten Wasserhechten. Neben den Leistungen zählt halt vor allem der gemeinsame Fun. Und so endete der Wettbewerb integrierend-kommunikativ mit einer zufällig zusammengesetzten Staffel, damit sich die Schwimmer auch jenseits ihrer Vereine und Fancliquen mal näherkommen. Apropos Fansbasen: Am lautesten waren die Frauen und Männer aus Montréal und Amsterdam, auch wenn die Deutschen zumindest zahlenmäßig denen in nichts nachstanden.

Random-Staffel in Kopenhagens Aqua Arena

Random-Staffel in Kopenhagens Aqua Arena

In der Pause vor dem Turmspringen lerne ich im Foyer den Kopenhagener Mogan kennen. Er bringt sexy Bademode mit Motiven der Outgames unters queere Volk. Im Gespräch schwärmt er sofort von Berlin, das er oft besucht, weil er da viel mehr erleben könne als in Kopenhagen. Und damit ist er nicht der einzige. Berlin ist in Gesprächen omnipräsent. Und das zu Recht. Was ich außerdem erstaunlich finde, ist, wie viele Ausländer mir sagen, dass sie die Magazine Siegessäule, L-Mag oder DU&ICH kennen. Alle drei, ungelogen. Pause beendet. Auf zum Turmspringen.

Wettbewerb im Turmspringen

Wettbewerb im Turmspringen

Erstaunlich, aber beim Turmspringen ist die Konkurrenz überschaubar, lediglich neun Sportler treten an, darunter mit Kristy Grosart eine einzige Frau. Der älteste im Felde, Derek Douglas, ist bereits seit fast 30 Jahren bei Wettkämpfen aktiv. Aus Deutschland auf dem 3-Meter-Brett vertreten: André Böhm, der diesen Sport erst seit drei Monaten ausübt und dafür eine akzeptable Leistung liefert. Mein Liebling unter den Springern ist schnell ausgemacht: Cecil Bulo aus Amsterdam, der trotz seiner unwesentlich überdurchschnittlichen Körpermaße wunderbare Schrauben und Salti durch die Luft zwirbelt (Foto). Cecil ist meine neue Motivation, mich mal wieder selbst sportlich zu betätigen. Dabei sein ist schließlich alles, und hier in Kopenhagen werden sogar Arschbomben und Bauchklatscher gefeiert.

Cecil Bulo, der Star beim Turmspringen

Cecil Bulo, der Star beim Turmspringen

Cecil erhält dann auch den größten Beifall und beweist am Beckenrand echte Entertainerqualitäten. Nach jedem Sprung dankt er den tobenden Fans originell und souverän. Im Interview sagt er mir anschließend, dass er erst seit knapp einem Jahr vom Turm springt. Eigentlich sei er Schwimmer, doch das ist ihm auf Dauer zu langweilig geworden. Am Ende belegt Cecil einen guten fünften Platz. Gewonnen hat mit Kristy Grosart (Foto) die (von Cecil mal abgesehen) grazilste und professionellste Athletin, die sich mit atemberaubenden, sauberen Sprüngen am Ende durchsetzen konnte. Farvel! Sirko

Kristy Grosart vom 3-Meter-Brett

Kristy Grosart vom 3-Meter-Brett

Szene: Kopenhagens Straßenverkehr

Veröffentlich von sisa am 28. Juli, 2009

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So. Endlich gelandet. Im coolen Kopenhagen, wo die Leute noch ohne Bleichmittel platinblond sind. Faszinierend helle Typen, die meisten jedenfalls. Die Königstadt ist eine Woche lang fest in lesbisch-schwuler Hand! Gut so. Kaum da, laufen mir die ersten Schwucken über den Weg; sie schleppen mannsgroße Gucci-Tüten. Um ihren Hälsen baumeln die pinkfarbenen Outgames-Kärtchen, aber jeder hätte sie auch so als Homos erkannt. Nach ihrem Einkauf kehren sie nun im McDonalds ein. Zählt Shopping bei den Spielen eigentlich als Special-Disziplin? Wenn ja, wäre das eine Option für mich, womöglich noch aktiv mitzukämpfen. Zumal meine Traumsportarten, Fast-Food-Wettessen und Bauchtanz diesmal wieder nicht homoolympisch sind. Just in dem Moment laufen zwei schwule Bären an mir vorbei. Sie tragen ein quietschgelbes, aufgeblasenes Känguru auf den Schultern. Kopenhagen ist doch einfach nur camp, absolut gaga, der wahrscheinlich beste Ort für die diesjährigen Outgames.

Und was halten nun die Kopenhagener von diesem queeren Sportspektakel? Drei Stichproben. Ein Taxifahrer, der mich vom Parkplatz zum Hotel chauviert (ja, in der Innenstadt kann man praktisch nirgends kostenfrei parken!) hat von den Outgames offenbar noch nichts gehört. “Out what?”, fragt er und erzählt mir später, dass er von Homosexualität leider keinen Schimmer habe. Dafür kann er einen Truthahn imitieren, wie er mir gackernd vormacht, nachdem er berichtet hat, dass er aus der Türkei (turkey) käme.

Mein Hotel liegt hinterm Hauptbahnhof in freundlicher Nachbarschaft mit vielen Bars, Sexshops, Fetischläden und kleinen Puffs – ich fühle mich ein wenig wie in St. Georgs Bremer Reihe. Als mich eine der Straßenarbeiterinnen anspricht, frage ich sie nach den Outgames. Doch sie scheint weder informiert noch daran interessiert zu sein, erwidert lediglich, dass ihr Bruder schwul sei, falls ich mal Interesse hätte. Hab ich nicht, sondern wende mich abschließend an den smarten Rezeptionisten im Hotel. Der sollte das schließlich wissen. Wieder ein Irrtum. So ad hoc kann auch er die Outgames nicht einordnen. “Wir haben so viele Sportevents in Kopenhagen”, entschuldig er sich und erzählt, dass die Homospiele nach seinem Gefühl keinen nennenswerten Niederschlag in der Presse erfahren hätten, auch in den Hauptnachrichten der TV-Sender sei darüber nicht berichtet worden. Werde morgen mal prüfen, ob das so stimmt. Schließlich dominierten vergleichbare Events der letzten Jahre die lokalen Zeitungen und TV-Nachrichten. Auf der anderen Seite sollten wir Fünf-, Sechs-, Siebentausend Lesben, Schwulen und Trans die satte Woche nutzen, um kräftig Homo-PR in eigener Sache zu machen. Bin mir sicher, dass eine Umfrage am Ende der Spiele dann völlig anders ausfallen würde.

Gleich geht’s weiter mit Schwimmen und Turmspringen, den ersten zwei Wettkämpfen der Outgames, von denen ich anschließend berichte. Farvel! Sirko

News: Fulminante Eröffnungsfeier

Veröffentlich von sisa am 27. Juli, 2009

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Bericht zur Eröffnungsfeier der World Outgames: Olympische Spiele in 3D und ein erster Zwischenfall

Am Sonnabend sind in Kopenhagen die zweiten World Outgames eröffnet worden. Höhepunkt der Feier war der Einmarsch der Sportlerinnen und Sportler aus fast 100 Ländern (Foto unten: das deutsche Team), die einen 50-Meter-langen Catwalk meistern mussten. Symbolträchtig fand das ganze Spektakel vor dem Kopenhagener Rathaus statt, und zwar vor genau jenem Rathaus, in dem sich vor 20 Jahren die allerersten Lesben und Schwulen der Welt das Ja-Wort geben durften. (Siegessäule berichtete damals in einer Titelgeschichte durchaus noch verhalten über diese dänische Modell-Homo-Ehe).

Oberbürgermeisterin Ritt Bjerregaard

Oberbürgermeisterin Ritt Bjerregaard (Foto) erinnerte in ihrer Rede dann auch daran, wie fortschrittlich Dänemark in Sachen Homorechte mal gewesen sei und dass inzwischen etliche Staaten dem Beispiel gefolgt seien; einige aber Dänemark schlicht überholt hätten. „Unglücklicherweise sind wir noch nicht so weit, dass Lesben und Schwule dieselben Rechte genießen wie Heterosexuelle.“

Die Show, eine Mischung aus angenehm kurzen, knackigen Statements, dänischer Popmusik und Akrobatik wurde hin und wieder von Regenschauern unterbrochen, was aber der insgesamt ausgelassenen Stimmung wenig anhaben konnte. Outgames-Chef Uffe Elbeak nannte die Spiele eine „Olympiade in 3D“, da der Sport von zwei wesentlichen Komponenten flankiert werde, einem abwechslungsreichen Kulturprogramm sowie einer Menschenrechtskonferenz. Zum Abschluss schmetterte Sängerin Annisette den offiziellen Worldoutgames-Song „Freedom to love“ über den Rathausplatz, begleitet von einem bombastischen Chor aus 100 Leuten!

Team Germany beim Einmarsch

Überschattet wurden die Feierlichkeiten von einem Überfall. In der Nacht zum Sonntag, unmittelbar nach der Feier, wurden drei schwule Männer in der Innenstadt brutal zusammengeschlagen. Die dänische Polizei, die zwei Tatverdächtige festgenommen hat, spricht von einem homosexuellenfeindlichen Hintergrund. Outgames-Chef Uffe Elbæk hatte Kopenhagen noch im Vorfeld als eine progressive Stadt ausgelobt, die eine Botschafterin der Hoffnung für die Menschen sein solle, die in homophoben Ländern lebten.

Ab morgen, Dienstag, 28. Juli, berichte ich in dieser Kolumne endlich live von den schwul-lesbischen Sommerspielen. Farvel! Sirko

Gute homo Eltern = gute hetero Eltern. Und was ist mit schlechten?

Veröffentlich von Céline Robinet am 24. Juli, 2009

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Kinder wachsen in sogenannten Regenbogenfamilien genauso gut auf wie in heterosexuellen Partnerschaften. So lautet das Fazit der ersten aussagekräftigen Studie zu dem Thema: “Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften” vom Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg, die gestern vorgestellt wurde. Neben Persönlichkeitsentfaltung sowie schulische und berufliche Entwicklung wurden Sachen untersucht wie Geschlechtsidentität. Entgegen geläufiger Vorurteile fehlt den Kindern weder der Vater oder die Mutter, um ihre Geschlechtsidentität zu entwickeln, noch werden sie deswegen automatisch selber homosexuell. “Die Kinder sind mindestens ebenso, wenn nicht sogar ein bisschen mehr, in den jeweiligen Geschlechterrollen verwurzelt”, teilte die Wissenschaftlerin Marina Rupp der Berliner Zeitung mit.

 

Super.

 

Meine Fragen:

 

1. Was hat eine “gesunde” (denn darum geht es doch) Geschlechtsidentität bitte schön mit Verwurzelung in den jeweiligen Geschlechterrollen zu tun?

 

2. Was hat die Geschlechtsidentität mit der sexuellen Orientierung eines Menschen zu tun? 

 

3. Auch wenn die Kinder homosexuell werden würden, was wäre schlimm daran?

 

4. Warum dürfen homosexuelle Eltern nur gesunde und ausgeglichene (und heterosexuelle) Kinder großziehen ? Wieso wird die Heterosexualität der Eltern nie als Grund ihres Versagens gelesen? 

 

Fresh air for all tits: Aktion im Görli

Veröffentlich von Céline Robinet am 20. Juli, 2009

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Das mit dem Wetter und den sekundären sexuellen Merkmalen ist so eine Sache. Gestern gab es im Görlitzer Park eine Demo “for the right of being topless without gender discrimination”. Denn als Frau möchte ich ja manchmal auch im Sommer bei der Hitze mein T-Shirt einfach so ausziehen dürfen, genauso wie alle anderen Männer auch. Alle? Eigentlich nicht ganz. Anscheinend darf ja nicht jeder seinen Körper freizügig zeigen (dicke Männer, zu behaarte Männer, Transgender ohne Brust-OP, usw.). Aber gestern gab es im Görlitzer Park auch eigentlich keinen Grund, sein T-Shirt einfach so ausziehen zu wollen. Es war kalt. Es kamen immerhin 40 Menschen hin.

Sobald die ersten Brustkörbe befreit wurden, kam die Polizei: die Brust durfte man zeigen, aber nicht das Transpi. Denn das Transpi wies auf eine vorbereitete Demo hin. Nun aber, ohne Anmeldung dürfe man nur spontane Demos machen. Doch vorbereitete Demos seien nicht spontan. Folgerichtig. Also wurde das Transpi als Decke für unser Picknick umgewandelt.

Jetzt frage ich mich: Warum gelten Sprüche auf T-Shirts gegen den Krieg in Irak oder für den Umweltschutz nicht als Demoparolen? Also warum wird nicht jede Gruppe von Freund_innen als vorbereitete Demo betrachtet, sobald eine_r ein Spruch-T-Shirt anhat? Ja, warum sind Gruppen von Freund_innen eigentlich nicht gesetzwidrig und sofort aufzulösen?

Vielleicht benutzen wir für unsere nächste spontane Demo T-Shirts statt Transpis. Wobei T-Shirts für eine Oben-Ohne-Demo sind auch doof.