Siegessaeule BlogSchwul-lesbischer Blog für Berlin und Deutschland

Szene: Kopenhagens Straßenverkehr

Veröffentlicht von sisa am 28. Juli, 2009

Kommentare deaktiviert

So. Endlich gelandet. Im coolen Kopenhagen, wo die Leute noch ohne Bleichmittel platinblond sind. Faszinierend helle Typen, die meisten jedenfalls. Die Königstadt ist eine Woche lang fest in lesbisch-schwuler Hand! Gut so. Kaum da, laufen mir die ersten Schwucken über den Weg; sie schleppen mannsgroße Gucci-Tüten. Um ihren Hälsen baumeln die pinkfarbenen Outgames-Kärtchen, aber jeder hätte sie auch so als Homos erkannt. Nach ihrem Einkauf kehren sie nun im McDonalds ein. Zählt Shopping bei den Spielen eigentlich als Special-Disziplin? Wenn ja, wäre das eine Option für mich, womöglich noch aktiv mitzukämpfen. Zumal meine Traumsportarten, Fast-Food-Wettessen und Bauchtanz diesmal wieder nicht homoolympisch sind. Just in dem Moment laufen zwei schwule Bären an mir vorbei. Sie tragen ein quietschgelbes, aufgeblasenes Känguru auf den Schultern. Kopenhagen ist doch einfach nur camp, absolut gaga, der wahrscheinlich beste Ort für die diesjährigen Outgames.

Und was halten nun die Kopenhagener von diesem queeren Sportspektakel? Drei Stichproben. Ein Taxifahrer, der mich vom Parkplatz zum Hotel chauviert (ja, in der Innenstadt kann man praktisch nirgends kostenfrei parken!) hat von den Outgames offenbar noch nichts gehört. “Out what?”, fragt er und erzählt mir später, dass er von Homosexualität leider keinen Schimmer habe. Dafür kann er einen Truthahn imitieren, wie er mir gackernd vormacht, nachdem er berichtet hat, dass er aus der Türkei (turkey) käme.

Mein Hotel liegt hinterm Hauptbahnhof in freundlicher Nachbarschaft mit vielen Bars, Sexshops, Fetischläden und kleinen Puffs – ich fühle mich ein wenig wie in St. Georgs Bremer Reihe. Als mich eine der Straßenarbeiterinnen anspricht, frage ich sie nach den Outgames. Doch sie scheint weder informiert noch daran interessiert zu sein, erwidert lediglich, dass ihr Bruder schwul sei, falls ich mal Interesse hätte. Hab ich nicht, sondern wende mich abschließend an den smarten Rezeptionisten im Hotel. Der sollte das schließlich wissen. Wieder ein Irrtum. So ad hoc kann auch er die Outgames nicht einordnen. “Wir haben so viele Sportevents in Kopenhagen”, entschuldig er sich und erzählt, dass die Homospiele nach seinem Gefühl keinen nennenswerten Niederschlag in der Presse erfahren hätten, auch in den Hauptnachrichten der TV-Sender sei darüber nicht berichtet worden. Werde morgen mal prüfen, ob das so stimmt. Schließlich dominierten vergleichbare Events der letzten Jahre die lokalen Zeitungen und TV-Nachrichten. Auf der anderen Seite sollten wir Fünf-, Sechs-, Siebentausend Lesben, Schwulen und Trans die satte Woche nutzen, um kräftig Homo-PR in eigener Sache zu machen. Bin mir sicher, dass eine Umfrage am Ende der Spiele dann völlig anders ausfallen würde.

Gleich geht’s weiter mit Schwimmen und Turmspringen, den ersten zwei Wettkämpfen der Outgames, von denen ich anschließend berichte. Farvel! Sirko

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.