Was stellt man nicht alles an, um auf eine Party zu kommen. Wie viel ist man bereit zu riskieren, selbst wenn man Gefahr läuft, sich dabei auch mal lächerlich zu machen? Eigentlich dachte ich unlängst erleichtert, aus diesem Alter sei ich raus. All das Bitten und Betteln um einen Platz auf der Gästeliste fand ich immer spätpubertär, so unsouverän und stillos. Aber vor meiner gestrigen Party hatte ich viel krassere Sorgen. Mir fehlte ein Fetisch. Irgendeiner, der mir Eintritt in die Kopenhagener LEWD Party mit strengstem Dresscode gewähren würde. Eine Lederhose, wäre schon mal hilfreich gewesen. Meine lesbische Freundin hätte mir ihre geborgt, aber die hätte dann nur bis über die Knie gereicht. Ähm, auch sexy. Oder wie wäre es mit einem dieser aalglatten Gummiteile, die jeden Muskel des Körpers besonders prall zur Geltung kommen lassen. Mir fehlt an dem Abend beides. Habe diesmal auch keine Bauarbeiterklamotten im Gepäck, Handwerkeroutfits oder Taucherausrüstungen dabei. Obwohl ich bei den Outgames bin, steckt in meiner Reisetasche weder eine Sporthose noch ein Trikot (!), lediglich eine schlunzige Badehose, aber damit komme ich auf keine Lederparty der Welt. Immerhin finde ich zwischen der Kleidung einen Rasierer und nach einer halben Stunde Arbeit endlich meinen Fetisch. Dann schnell ein Polohemd angezogen, eine etwas engere Jeans und Hosenträger, die ich neulich kaufen musste, da mir mein Gürtel zerplatzt (!) war. Beim Blick in den Spiegel fühle ich mich etwas fremd. Die nette Servicefee der Etage erkennt mich nicht und fragt in ihrem gebrochenen Englisch, ob wir zu zweit in meinem Zimmer seien. “Sieht jetzt besser aus”, sagt sie später noch. Na, dann kann ja nicht viel schief gehen, heute Abend.
Die Party steigt im Fachwerkhaus eines Hinterhofs mitten im Kiez. Eintritt: 200 Kronen (25 Euro), ein kleines Flaschenbier für 40 Kronen (5 Euro). Zwei Probleme haben die Veranstalter: 1) sind definitiv zu viele Leute in der Hütte und 2) ist die Zapfanlage kaputt, das Flaschenbier nur begrenzt verfügbar. Keine Ahnung, ob die Jungs zwischendurch einen Supermarkt geplündert haben, jedenfalls gibt es ab ein Uhr an der Bar süffiges Tuborg aus der Dose, auch für fünf Euro! Trotz des Troubles ist die Stimmung unglaublich locker und aufgeheizt. Zunächst unterhält uns ein erstaunlich entstaubter Mr Leather Wettbewerb, bei dem die Kandidaten mal richtig originelle Dinge drehen und vor allem sich und ihr Mannsein auf die Schippe nehmen. That was really queer! Anschließend zünden die DJs Thomas Madvig und Jack Chang die Fetischmeute mit Drums und Bässen so richtig an. Das altehrwürdige Fachwerk erschüttert in seinen “Grundfesten”. Spannend für die Crowd ist die Location allemal: mehrere Stockwerke und Zwischenetagen, verwinkelte Ecken, dicke Balken. Einzige Fehlkonstruktion der Nacht ist der hochfrequentierte Darkroom unterm Dach. Zu den Stoßzeiten schleichen hunderte Homos auf den überhitzten Boden, einige hauen sich die Rüben an den Balken ein. All das tut der Stimmung keinen Abbruch. Ich selbst habe in dieser Nacht so viele nette Leute am Tresen kennengelernt – und auch wieder vergessen – und irgendwann am Morgen das beruhigende Gefühl mit nach Hause geschleppt, mich in Sachen Fetisch nicht restlos daneben benommen zu haben. Farvel! Sirko







