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Szene: The biggest lover

Veröffentlicht von sisa am 31. Juli, 2009

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Schimpf und Schläge gegen Schwule. Knallkörper im Stadion. Erste Schelte für die Stadt Kopenhagen in der Lokalpresse und seitens der Politik – von einer Blamage vor der Weltöffentlichkeit ist zu lesen. Gestern Nachmittag haben die Offiziellen der Outgames auch noch eine Sicherheitswarnung rausgegeben, da am Abend ein Fußballspiel zwischen Brøndby und Warschau angesetzt war und man Randale des Pöbels in den Straßen befürchtete. “Geht in Gruppen oder Paaren”, hieß es, “haltet die Augen offen”. Glücklicherweise hat sich offenbar kein weiterer Vorfall ereignet. Und, um das mal ganz subjektiv runterzubrechen, ich erlebe die Kopenhagener als perfekte Gastgeber: gutgelaunt, aufgeschlossen und wahnsinnig neugierig. Spinner gibt es doch überall, und von ein paar intoleranten Pappbechern sollten wir uns diese großartigen Spiele nicht versauen lassen! Die meisten von uns in Kopenhagen haben von den Vorfällen nichts mitbekommen. Weil die ganze City momentan einfach so überqueer ist. Überall prangen die großformatigen Banner, wehen die Rainbowflaggen, schwärmen Homos und Trans durch die Straßen, Gassen, über die vielen Brücken und Plätze dieser wundervollen Stadt. Es ist ein Riesenmiteinander in Kopenhagen. Viel Lächeln, Quatschen, Flirten, Freundlichkeit, Interesse, Liebe, Sex. Wie ein Regenbogen zieht sich außerdem die packende Route der Outcitys durch die Innenstadt. Das sind queere Orte, Treffpunkte, Partys bzw. Stadtteilfeste, die sich thematisch Städten wie Tel Aviv, Melbourn, Mexiko oder Antwerpen (Foto, Modenschau) nähern und ihrerseits schwul-lesbische Kultur nach Dänemark bringen.

Neben den Outcitys gibt es direkt am Kanal gelegen den Woman’s Space, einem der schönsten queeren Orte in town. Hier treffen sich die Frauen nach den Wettkämpfen auf ein Bier, was mit 25 Kronen relativ günstig ist, lauschen den Klängen der Djanes oder chillen auf einem dieser Miniliegestühle direkt am Kanale vor der beeindruckenden historischen Kulisse der Altstadt. 

Foto: Mads Westermann

Foto: Mads Westermann

Um das Gegenteil von Hass, um Liebe, noch dazu um universelle, um göttliche, ging es Donnerstagnachmittag in der Kopenhagener Frauenkirche, als rund 350 Lesben und Schwule an einem Sondergottesdienst teilnahmen, an einer Massensegnung. “Wir haben in der Vergangenheit bereits homosexuelle Paare in dieser Kirche verheiratet und gesegnt”, erzählt Pfarrerin Mette Basbbil Folkekirken im Anschluss an die Zeremonie, “doch eine Segnung in dieser Größenordnung hat es in Kopenhagen wahrlich noch nicht gegeben!” Mehr als die Hälfte der queeren Kirchgänger nutzte die Gelegenheit, sich und ihre Partnerschaft gewissermaßen vor Gott segnen zu lassen. Viele von ihnen hatten Tränen in den Augen, als sie zu ihren Bänken zurückkehrten. 

Mads Westermann

Foto: Mads Westermann

Foto: Mads Westermann

In dem einstündigen Gottesdienst war zuvor gepredigt worden, dass eine Segnung völlig losgelöst von der sexuellen Orientierung bzw. Geschlechtsidentität sei. “Liebe ist das Allergrößte”, sagte einer der Pfarrer (Foto oben), “und Gott ist der größte Liebhaber von allen”. Vor der Kirche empfingen anschließend überraschend viele Journalisten und TV-Teams die Frischgesegneten, das mediale Interesse fiel deutlich höher aus als bei allen bisherigen Wettkämpfen.

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