Erkenntnisse meiner ersten “Circuit” Party: Weiß steht wirklich nicht allen Menschen – eine “White Party” ist als stilprägend also wirklich nur bedingt zu empfehlen; das Geld sollte möglichst locker sitzen bei diesem Partymarathon (GinTonic 10 Euro!), ohne Tätowierung braucht man hier gar nicht erst aus dem Haus zu gehen und auch an einem Donnerstagabend schafft es das “Girlie Circuit” die Bude voll zu kriegen, waren doch bis tief in die Nacht geschätzte 500 Frauen am Feiern. Gefeiert wird hier übrigens strikt getrennt: es gibt ein Jungs- und ein Mädelsprogramm, somit gab es Männer auf der Frauenparty tatsächlich keine. Auch sonst hat man es hier weder mit “queer” noch mit trans, ganz unverkrampft nennt man es schwul und lesbisch… kann mich noch nicht entscheiden ob ich das konsequent, ehrlich und richtig finde oder hinterwäldlerisch und gestrig.
Ansonsten kommt man sich schon sehr wie in “L-Word” vor, (was in Spanien im Gegensatz zu Neanderthal-Deutschland ja längst im Fernsehen lief) nur ohne den prickelnden sexuellen Unterton. Erfreulich ist immerhin, dass nicht alle Pärchen an der Wange oder anderen Körperstellen zusammengewachsen sind, aber was den Flirtfaktor angeht, da müssen die Girlies doch vielleicht mal bei einer Jungsparty vorbeischauen um abzugucken. Ich frage mich immer: Wozu gehen die eigentlich auf solche Partys, wenn sie dann doch nur unter ihren Freundinnen bleiben wollen?
Machte mich der Festivaltitel “Girlie” anfangs nur skeptisch, bin ich jetzt schlicht ratlos. Auf dem Weg zur Party ging vor mir ein (natürlich weiß gekleidetes) Girlie in Badeschlappen mit High Heels in der Hand, die kurz vor der Tür angezogen wurden, um dann 10 cm größer den Club zu betreten – verblüffend. Sicher, nicht nur Girlies sind hier unterwegs, aber der Trend zum leicht verhungerten Langhaarmodell mit hohen Absätzen und langen Fingernägeln ist klar zu erkennen. Wieweißgekleidetes kommen die nur durchs Leben – ich meine zu Fuß und sexuell? Noch sprachloser machten mich allerdings die Gogo-Girls der Party, die eher wie Hostessen einer Erotikmesse daherkamen und denkbar deplatziert und unrhythmisch ihrem Job nachkamen (siehe Foto). Alles in allem aber kein schlechter Auftakt des “Damenprogramms”.
Das Gogo-Girl müht sich ab…
Das größte Pfund, das Barcelona neben seiner wirklich guten Szene-Infrastruktur zu bieten hat, ist natürlich
das Meer und der Strand. So gibt es direkt im Sand zwei Festivalbars wo sich immerhin das Publikum etwas mischt, ach was sage ich, selbst die “Girlie”-Bar ist total von Schwulen dominiert, aber das tut nach dem getrennten Feiern auch mal gut. Gestern sprach ich ja noch vom Schaulaufen der modellierten Männerkörper auf der Strandpromenade, aber diese Show der Eitelkeiten der Jungs – das habe ich glaube ich seit West-Hollywood nicht mehr gesehen. Schwule, die auch nur irgendwie normal aussehen, können sich eigentlich erschießen oder zumindest eine Burka tragen, denn hier am Homo-Strand laufen nur bodygebuildete Muskelberge in knappen Höschen herum, dass es eine Freude ist – zumindest denen, die auch so aussehen. Alle anderen scheinen sich tatsächlich im Sand vergraben zu haben oder kommen gar nicht erst zum “Circuit” weil sie eh keine Schnitte haben. Da herrscht bei den Frauen schon mehr körperliche Vielfalt und auch inmitten der perfekten Schwulen tragen sie (sicher zu manchem Schrecken) ihre Titten zur Schau. Aussehen ist also sehr wichtig hier beim “Circuit” und so bin ich gespannt, was heute Abend bei der “Nexttownladys” Party geboten wird. Finde ich Ladys eigentlich besser als Girlies???
Hasta la vista, Manuela
Tags: Aussehen, Flirtfaktor, Modellkörper








