Siegessaeule BlogSchwul-lesbischer Blog für Berlin und Deutschland

Archiv des Monats Oktober, 2009

Umfrage: Wie sicher ist Schöneberg?

Veröffentlich von sis am 28. Oktober, 2009

5 Kommentare

Hier die Video-Umfrage zur aktuellen Siegessäule Titelgeschichte im November. Wir fragten Passanten , ob ihrer Meinung nach die Gewalt gegen Schwule, Lesben und Trans* im Kiez zugenommen hat.



Was sind deine Erfahrungen? Entsteht in Schöneberg ein Angstraum? Oder sollten alle mal wieder runterkommen und keine Hysterie schüren?

Lust for Fetish: “Padded cell” beim Pornfilmfestival

Veröffentlich von Céline Robinet am 27. Oktober, 2009

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Beim PornfilmfestivalBerlin habe ich etwas Neues gelernt: Gasmasken können ganz schön erotisch sein. In dem Film “Padded cell” von Anna Peak und idios. von Cant Dog Productions spielt ein  Paar – sind das Cyborgs, Tiere? – mit u.a. einer solchen Maske und roten Handschuhen.

Die Farben, das Licht, die hochästhetischen Bilder, die Kameraführung, der Schnitt, das gelungene nonverbale Machtspiel, die Verbundenheit zwischen den zwei DarstellerInnen, die spürbare Fürsorge und die Lust füreinander, die Authentizität, der fantasievolle Sex, der Ton – Schweigen, Stille, untermalt mit dem Atem durch die Gasmaske, einem tierischen, (ur)sinnlichen Grunzen… das alles macht aus “Padded cell” einen außergewöhnlichen, und wichtig: anregenden Pornofilm.

 

Ein Fetisch-Film, der die Erwartungen der Szene nicht bedient und zum Kunstwerk wird.

 

 

Air Sex – die Alternative zur Luftgitarre

Veröffentlich von Céline Robinet am 25. Oktober, 2009

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Die Nacht senkt sich auf die Dächer der Stadt. Mein Freund H. muss heim. Ein Paar Jungs mit nackten Oberkörpern bauen das Podest im großen Raum des Insomnia schnell wieder ab. Die Gala vom 1. Erophil, dem Erotikliteraturfestival, ist fertig.

Der Tag ist vorüber, ich bin totmüde, bin vormittags aus London zurückgekommen, wo ich eine Lesung hatte, und habe in den letzten zwei Tagen insgesamt nur 8 Stunden geschlafen. Der Tag war lang und stressig. Von Anfang an. Der Taxi, der mich um 4:30 vom Hotel abholen sollte, hatte 23 Minuten Verspätung, und ich habe meinen Flieger fast verpasst. Eine ältere Frau aus Indien ist heruntergefallen, als sie in den Shuttle auf dem Flughafen Gelände einsteigen wollte. Dann wurde geschrien. Die Inderin hat sich kurz geprügelt mit der Frau, die sich dafür schuldig hielt.  Danach inBerlinlanden, Soundchekmachen, Orgakramregeln, moderieren und auftreten.

Doch ich gehe nicht gleich nach Haus.

Denn drüben auf der Warschauer Str. klingt aus einer offnen Türe des Monster Ronson’s Musik auf den Gehsteig hinaus. Dort tobt die Party des 4. Pornfilmfestes Berlin.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Party kaum von anderen Parties. Ach, doch, ein bisschen Sex is in the air. Und die privaten Karaokekabinen wurden umrationalisiert. Da werden Pornos gezeigt. Nachdem ich ein paar Freunde begrüßt habe, suche ich mir eine aus, um mich mit T. kurz hinzulegen. Wir landen in einem hetero gang bang. Nach zehn Minuten wechseln wir zu einem experimentellen schwulen Porno. In der gegenüberstehenden Kabine sehen wir durch die Plexiglas Scheiben fünf Kumpels, wie sie tatsächlich Karaoke singen. Wir mustern den Text auf dem Bildschirm, wie die Buchstaben nacheinander rosa werden.

Die kleine Kneipe in unserer Straße

da wo das Leben noch lebenswert ist

dort in der Kneipe in unserer Straße

da fragt dich keiner was du hast oder bist.

Du wirfst eine Mark in den Münzautomaten

schaust anderen beim Kartenspiel zu

und stehst mit dem Pils in der Hand an der Theke

und bist gleich mit jedem per Du.

Peter Alexander.

Wir gehen wieder in die Menge. Gerade on time, um den Auftritt des norwegischen Künstlerinnenkollektives The Hungry Hearts, dessen lustige Kurzfilme das Publikum des Pornfilmfestes begeistert haben soll, zu erleben. Danach soll noch Air Sex getrieben werden. Achtung, Luft-Sex wird nicht mit aufblasbaren Puppen gemacht. Das ist die erotische Alternative zum Luftgitarre spielen. Das habe ich aber nicht mehr gesehen. Da war ich echt zu müde. Ich glaube, ich bin zu einem Morgensexmenschen geworden.

Welt online: zurück zu den homophoben 50ties?

Veröffentlich von sis am 19. Oktober, 2009

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Homosexualität als Religion? Philipp Gut ist Kultur- und Gesellschaftschef des Schweizer Wochenmagazins „Weltwoche“ und empört sich in einem völlig kenntnisfreien und ohne jede ordentliche journalistische Recherche geschriebenen Artikel auf Welt online vom 17.10:

„Der Punkt scheint erreicht, wo die Propagierung des eigenen Lebensstils auf Kosten der Meinungsäußerungsfreiheit ins Intolerante kippt.“

Besonders der erfolgreiche Euro Pride in Zürich dieses Jahr mit einer euphorischen Stimmung und einer lesbischen Züricher Stadtpräsidentin stößt ihm offenbar sauer auf. Am Ende fordert er schließlich:

„Nach der erfolgreichen Emanzipation dürfte man eigentlich erwarten, dass die Homosexuellenbewegung etwas lockerer wird und die penetrante „Sichtbarkeit“ zurückstellt. Schwulsein wäre dann einfach eine sexuelle Veranlagung, eine Privatsache, die nach den Regeln des guten Geschmacks in der Öffentlichkeit endlich wieder diskreter behandelt würde. Man läuft ja auch sonst nicht dauernd mit offenem Hosenladen herum.“ Homosexuell = privat, heimlich, unsichtbar und nur dann gut?

http://www.welt.de/vermischtes/article4878502/Homosexualitaet-ist-zu-einer-Art-Religion-geworden.html

Expertinnen-Austausch für Frauen aus der Erotikbranche

Veröffentlich von Céline Robinet am 17. Oktober, 2009

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Während die 13. Internationale Erotik Fachmesse Venus bis zum 18. Oktober auf dem Messegelände in Berlin ihre Stände breit macht, lud gestern Abend Stefanie Dörr, Inhaberin der Manufaktur PlayStixx, zum 5. Expertinnen Austausch für Frauen aus der Erotikbranche ein. Ziel war, eine Plattform für das “Manifest zur Heilung der weiblichen Sexualität”, das Stefanie gerade verfasst, zu schaffen, sowie jede Teilnehmerin in ihrer Berufung als Expertin in der frauenorientierten Erotikbranche zu inspirieren und zu bestärken.

 

 

Am Treffen nahmen ca 20 Frauen teil: Die Veranstalterin des Erotischen Salons in Berlin und die Herausgeberin von Feigenblatt, die beide zusammen das neue Erotik-Internetportal erosa gegründet haben, die Leiterin der Sensuality School, eine PR-Beraterin, einige zum Thema Interessierten sowie InhaberInnen von Sexshops aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Spanien – oder wie einige pflegten zu sagen: von “Erotikfachgeschäften”. Ja, Sprache ist wichtig. Im weiteren Verlauf des Abends wurde darüber diskutiert, wie denn die weibliche Sexualität nicht mit Scham, Lustlosigkeit, Ekel vor der eigenen Vagina oder Angst vor der Hingabe verbunden sein soll, wenn die Sprache immer noch Wörter vorschreibt wie Schambereich, Schamhaare oder Schamlippen… “‘Venuslippen’ wäre doch eine viel schönere Bezeichnung”, sagte Ingrid Mack, Inhaberin der Erotikfachgeschäfte Liebenswert und Condomi in Wien. Ingrid schien sich auch schon intensiv mit Sprache auseinandergesetzt zu haben. Zu der Frage: Wie ist es mit Sextoys? Soll man sie einfach „Sextoys“ nennen? Ja, aber das ist Englisch. Also lieber „Liebesspielzeuge“? Ja, aber die haben nicht unbedingt mit Liebe zu tun, verriet sie uns: “Sex ist ein Grundbedürfnis wie essen und trinken. Für letztere haben wir Lebensmittel – für Sex haben wir „Liebensmittel“. Das Wort habe sie erfunden und patentieren lassen. 

 

Drei Thesen aus dem Manifest von Stefanie Dörr. 

Achtung: Dass die weibliche Sexualität “heilungsbedarf” hat, heisst nicht, dass sie krank ist. Man soll das Heilen eher wie die chinesische Medizin betrachten: da wird vorher geheilt, damit man nicht krank wird!

 

Zu der These, dass ein neues Liebesspielzeug manchmal wichtiger ist als ein neuer Pulli, wurde das Wort “manchmal” unterstrichen.

 

Nach der Diskussion gab es eine schöne Gelegenheit zum Netzwerken und Feiern um ein nettes Büffet.  

 

 

Liebensmittel? © Ingrid Mack. 

 

 

Dass das Sprechen über Sextoys heilsam ist, muss wohl stimmen. Nach anderthalb Stunden Gespräch fühlte ich mich nämlich nicht mehr so müde. Nur, dass es mir mit diesem plötzlichen Wintereinbruch so kalt war, dass ich meinen neuen Pulli angezogen habe. Manchmal ist ein neuer Pulli doch wichtiger als ein neues Liebesspielzeug. 

 

 

Alle Fotos: Enno E. Peter

Die Kunst des Zeitmanagements

Veröffentlich von Céline Robinet am 9. Oktober, 2009

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Neulich habe ich an einem Seminar für Zeitmanagement teilgenommen. Und alle waren zu spät. Sogar die Leiterin. Alle ausser mir. Nicht, dass ich zu spät war – ich hatte einfach die Uhrzeit verwechselt. Jedenfalls habe ich da eine Menge gelernt. Habt ihr schon vom “Eisenhower Prinzip” gehört? Also. Ganz einfach.

Alle Aufgaben werden in vier Kategorien aufgeteilt. 

 

- Die D-Aufgaben sind unwichtig und nicht dringlich. Die soll man wegschmeissen.

- Die C-bla sind dringlich aber unwichtig: die sollte man delegieren.

- Die B-blabla sind nicht dringlich aber wichtig: die soll man terminieren.

- Die A-blablabla sind wichtig und dringlich: die muss man sofort tun!

 

Fazit:

Meistens wird eine B-Aufgabe früher oder später zu A-bla. In meinem Fall muß es oft sogar so sein, bevor ich sie in Angriff nehme. Klar, könnte ich eine B-bla schon anpacken – weniger im Stress. Aber ach da kommt eine A-blabla dazwischen, oder eine C-blablabla, die ich für eine A-blablablabla gehalten habe. Oder sogar eine D-bäh kann sich ja reinschleichen! Aber Hauptsache ist, dass ich die B-Aufgaben irgendwann mal auch erfülle. Rechtzeitig.

 

 

Aber was ist mit den B-Aufgaben, die nie zu A-Aufgaben werden? Träume, Ziele…? 

In Sachen Liebe rücken sie manchmal dann in die A-Ecke, wenn ein Drama explodiert. Kennt Ihr das? Ihr habt keine Zeit, aber ihr findet welche, um zu reden. Wichtigkeit und Dringlichkeit sind plötzlich spürbar. Aber auf Dauer ist es einfacher, nicht immer erst auf die Drama-Stufe zu steigen, nur um in wichtigen Dingen plötzlich auch eine Dringlichkeit zu spüren. So wird empfohlen, sich schon in Stufe-B Zeit zum Reden zu nehmen oder einen Blog für euch zu schreiben, bevor es dringlich wird und nicht nur wichtig bleibt.