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Zensur oder Warum werden Buchseiten nummeriert?

Veröffentlicht von Céline Robinet am 20. Dezember, 2009

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Seht Ihr das auch so? Auch wenn ein Buch auf den Boden herunterfallen sollte, würden seine Blätter nicht durcheinander kommen. Denn sie werden doch von einem mehr oder weniger harten Umschlag zusammengehalten. Also frage ich mich: Warum sind Buchseiten denn nummeriert?

 

 

Vor kurzem hatte ich das Glück, das Buch „Out of Place. Interrogating Silences in Queerness/Raciality“ in die Hände zu kriegen. Ich sage ja „das Glück“, weil das Buch, das erst 2008 erschienen ist, schon vergriffen ist. Sprich, es wurde ausverkauft, und der Verlag Raw Nerve Books hat beschlossen, keine zweite Ausgabe zu drucken.
 
Warum?
Weil der Artikel „Gay Imperialism: Gender and Sexuality Discourse in the ‘war on terror’“ von Jin Haritaworn, Tamsila Tauqir und Esra Erdem jemandem nicht passte. Jemandem namens Peter Tatchell.
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Peter Tatchell ist ein weißer, britischer schwuler Aktivist, der in dem besagten Artikel für seine rassistische und islamfeindliche Politik kritisiert wird.
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Allgemein weisen die Autor*innen darauf hin, wie die leider gängige Verknüpfung Muslim = Homophob (sowie Muslim = sexistisch) zu der „Festung Europa“ beigetragen hat. Sie zeigen auch, dass der Westen sich gern als Sieger der zivilisierten Welt und der Modernität sieht. Dass er dabei neo-imperialistische Politik betreibt. Und dass er muslimische Schwule und Lesben bevormundet, indem er sie ausschliesslich in die Opferrolle drängt.
 
Haritaworn, Tauqir und Erdem wissen wohl, worüber sie reden. Oder genauer gesagt, sie wissen, aus welcher Perspektive sie schreiben: Alle drei sind queere und feministische Akademiker*innen und Aktivist*innen mit sogenannten „Migrationshintergründen“.
 
Auch der Raw Nerve Books Verlag versteht sich als feministisch, unabhängig und nicht-kommerziell und ist auf umstrittene, unterrepräsentierte und experimentelle Literatur spezialisiert.
 
Doch reichte eine Beschwerde von Peter Tatchell, um den Buchvertrieb ruck zuck zum Rückzug zu veranlassen. Das ging aber schnell.
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Nun braucht man sich nur den „Apology & Correction“, den der Verlag über den Fall auf seine Webseite gepostet hat, anzulesen, um skeptisch zu werden. Da steht eine laaange Liste von all den Sachen, die Peter Tatchell nicht gemacht haben und auch nicht sein soll.
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Sollten die Beschuldigungen wirklich falsch sein, müßte man zu dem Schluss kommen, dass der Verlag versagt hat. Denn aufgrund von so viiielen Fehlern kann man das Lektorat alles andere als gelungen betrachten. Und sollten die Beschuldigungen leider stimmen, müßte man zu dem Schluss kommen, dass der Verlag versagt hat. Denn ein Haus, das sich zum Schweigen bringen lässt und sich so schnell selbst zensiert, hat nicht mehr viel zu sagen.
 
Jetzt weiß ich, warum Buchseiten nummeriert sind. Damit niemand einen Kapitel, der ihm nicht passt, aus einem Buch heimlich herausnehmen kann. Da würde man ja sehen, dass ein paar Seiten fehlen.
 

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