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Einerseits – Andererseits. Und Schnuller bleiben einfach blöd.

Veröffentlicht von Katharina Runge am 6. Dezember, 2011

4 Kommentare

Ja, ja, die Ratgeber. Am liebsten hätte ich sie alle gekauft – das war zumindest während der Schwangerschaft so. Ich wollte ja unbedingt alles richtig machen. Und natürlich wollte ich wissen, was mich erwartet. Dass das nicht möglich ist, beginne ich jetzt erst zu verstehen. Es fing schon mit dem Schwangerschaftsbuch an. Ich griff fast täglich dazu, weil ich furchtbar neugierig darauf war, was in meinem Körper und mit meinem Kind passierte. Allerdings lies das Buch oft auf positive Aussagen sofort etwas Negatives folgen. So gab es Sätze wie: „Die Hormone in dieser Zeit der Schwangerschaft bewirken bei den meisten Frauen ein klares, reines Hautbild, viele leiden aber auch unter Akne und fettigen Haaren.“ Oder: „Viele Frauen empfinden das zweite Drittel der Schwangerschaft als die schönste Zeit. Die Übelkeit der ersten drei Monate ist vorbei und der Bauch ist noch nicht so sehr im Weg wie am Ende der Schwangerschaft. Aber es kann in dieser Zeit auch zu vorzeitigen Wehen und Blutungen kommen.“ Diese ABER fand ich schrecklich.

Wenn nichts hilft und man trotzdem alles probiert

Kurz nach der Geburt, nur wenige Tage nach unserer Rückkehr aus dem Krankenhaus, bekam Jordan einen wunden Po – und der blieb sechs Wochen lang so. Ich habe mir schreckliche Vorwürfe gemacht, dass ich nicht richtig aufgepasst habe. Wir bekamen jede Menge Tipps von der Hebamme, surften im Internet und fragten andere Eltern um Rat. Da kamen hilfreiche, aber auch oft verwirrende Tipps von überall her. So las ich in dem einen Buch, dass man bei wundem Po unbedingt Stoffwindeln verwenden sollte, damit genügend Sauerstoff an die Haut käme. Dann wiederum hieß es, man solle bei wundem Po dringend Einwegwindeln verwenden, weil diese die Feuchtigkeit am schnellsten von der Haut wegtransportierten. Natürlich probierten wir beides. Meine Frau besorgte jede Menge Mullwindeln und zwei Windelhosen aus Schafwolle. Das Ergebnis war, dass unser Kind innerhalb von ein oder zwei Stunden komplett nass war. Die dicke Windelhose bewirkte, dass Jordans Po höher lag als sein Kopf, so dass das ganze Pipi einfach oben aus der Windel den Rücken entlang lief. Ich bewundere alle Menschen, die ihre Kinder so wickeln und ich bewundere unsere Großmütter, die keine andere Möglichkeit hatten.
Ich hielt es nicht für eine gute Lösung. Also kauften wir verschiedene Sorten Einwegwindeln von Bio bis Pampers, auch das änderte nichts. Wir kauften Salben, machten Sitzbäder und legten Heilwolle in die Windel. Stundenlang stand meine Frau bei eingeschalteter Wärmelampe am Wickeltisch und ließ unseren kleinen Liebling mit nacktem Po strampeln. Nach vielen Wochen, als uns die Ideen längst ausgegangen waren, ging es endlich weg.

Auch hatte unser Baby in der ersten Zeit ziemlich viel Bauchschmerzen und weinte entsprechend. Dass wir immer noch ein sehr gelassenes, ruhiges Baby hatten, wurde mir erst bewusst, als ich bei der Rückbildungsgymnastik auf andere Mütter mit gleichaltrigen Babys traf. Aber das half natürlich auch nicht wirklich. Unser Baby hatte Bauchschmerzen und wir wollten alles tun, damit es ihm besser ginge. Also massierten wir Jordans Bauch, trugen ihn im Fliegergriff herum, legten ihm wärmende Traubenkernkissen auf und ich schlief die ganze Nacht mit meiner Hand auf seinem Bauch. Ehrlich gesagt glaube ich, dass nichts davon wirklich etwas an seinem Zustand veränderte. Aber selbst wenn man das weiß, macht man einfach weiter.

Nicht alle Kinder lieben Schnuller! Das weiß ich jetzt.

Dann fand ich ein Buch, dessen Autor versprach, dass mit seiner Methode garantiert jedes Kind beruhigt werden könne. Unseres leider nicht. Es scheiterte schon am ersten Ratschlag: Das Kind fest einwickeln. An sich leuchtete mir das ein und ich hatte das auch schon im Babypflegekurs bei den Anthroposophen gelernt. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit kennt das Kind aus seiner Zeit im Mutterleib, weshalb das feste Einpacken beruhigt. Mehrere gute Freundinnen erzählten mir, dass das bei ihren Kindern super geholfen hat. Als ich es bei Jordan ausprobierte, staunte ich nicht schlecht, wie gut sich ein nur wenige Wochen altes Baby aus dem Tuch winden kann. Das Buch empfahl zwar, das Kind durch Festhalten daran zu hindern, bis es sich daran gewöhnt hat, aber ich brachte es einfach nicht übers Herz. Ein weiterer Bestandteil dieser Methode ist der Schnuller – den verschmäht unser Kind bis heute.

Auch das verwunderte mich, ich dachte alle Kinder würden Schnuller lieben. Ich habe alle Varianten ausprobiert, er konnte mit keinem etwas anfangen. Ich habe auch auf verschiedene Arten versucht, ihm das Nuckeln nahezubringen. Als ich ihn dann eines Tages auf dem Arm hielt und ihm mit schmatzenden Geräuschen das Nuckeln vormachte, erntete ich immerhin sein erstes Lächeln. Die vielen Schnuller benutzt er inzwischen als Spielzeug, er kaut gerne darauf rum, aber zum Beruhigen, findet Jordan, taugen sie einfach nicht.

4 Kommentare zu “Einerseits – Andererseits. Und Schnuller bleiben einfach blöd.”

  1. sagte Ria:

    Irgendeine sollte endlich mal den Ratgeber schreiben, der vom Ratgeber lesen abrät.

  2. sagte Patrick:

    Unsere Kinderärztin ist sehr stolz auf uns, das unser Sohn nie einen Schnuller hatte/wollte.
    Wenn er also keinen will, ist das eher gut, da Schnuller zu Zahnfehlstellungen führen können.

    Und Beratungsbücher können einen wahnsinnig machen, lieber auf sich selber hören oder die eigene Muter fragen.

    Lieben Gruss…

  3. sagte silvia:

    *lach* das witzige ist diese Ratgeber haben einen unglaublichen Absatz…. erst garnicht kaufen diese blöden Dinger…viel Spaß bei den vielen schönen Erlebnissen die noch kommen :-) ohne Ratgeber ;-)

  4. sagte Katharina Runge:

    Lieber Patrick, ja, da hast Du Recht, ich sollte das gar nicht so doll problematisieren, dass er den Schnuller nicht mag. Witzigerweise nimmt er noch nicht mal den Daumen seit er Zähne hat … Übrigens ist es mit dem Schnuller ja auch wie mit den Windeln und den Bauchschmerzen, man liest alles Mögliche. Schnuller sind nicht gut für die Zähne, Schnuller sind nicht schlecht für die Zähne, Schnuller kann man leichter abgewöhnen als Daumen usw. usw. Ich habe übrigens auch nie genuckelt.