Mamus und Pappus: fröhliche Namens(er)findung
Veröffentlicht von Katharina Runge am 22. Dezember, 2011
Zusammen sind wir die „Mamus“. Das hat meine Frau eingeführt. Jordans Vater und sein Mann sind die „Pappus“. Ansonsten bin ich die „Mama“ und meine Frau „Mami“. Der Papa ist einfach „Papa“ und sein Mann heißt Ulli. In einer nicht repräsentativen Umfrage in mir bekannten Regenbogenfamilien, bei denen die Kinder bei zwei Frauen aufwachsen, habe ich festgestellt, dass es fast immer so ist, dass die biologische Mutter „Mama“ und die Co-Mutter „Mami“ genannt wird. Nur bei einer Familie heißt die Co-Mutter „Mimi“, das kam irgendwann vom Kind selbst und das finde ich auch eine ganz schöne Lösung.
Ein Freund hat uns zu Jordans Geburt ein Chinesisches Horoskop für ihn gegeben. Da steht drin, dass Jordan darauf achten soll, dass die Beziehung zu seinen Eltern auf einer Eltern-Kind-Ebene bleibt und sich nicht zu sehr hin zu einer Freundschaft entwickelt. Genau deswegen finde ich es wichtig, dass wir als Eltern nicht mit unseren Vornamen angesprochen werden. Wir sind seine Eltern, das ist nun mal eine ganz besondere Beziehung. Zur Elternschaft gehört bedingungslose Liebe genauso wie ein gewisses Maß an Autorität. Freunde können sich zurückziehen, wenn ihnen etwas nicht passt, zwischen uns wird das nicht passieren. Und deswegen finde ich es gut und richtig, dass Eltern nicht beim Vornamen gerufen werden. Zumindest so lange, bis das Kind erwachsen ist. Dann finde ich das mit den Vornamen okay und sogar sinnvoll.
Jordan ist erst ein Jahr alt, noch ist es ihm ziemlich egal wie wir heißen. Seit einiger Zeit sagt er „Mamamamamaaa“, vor allem wenn er wütend ist. Aber erstens glaube ich nicht, dass er jemand Bestimmtes damit rufen will, und zweitens reagieren wir ja eh bei jedem Mucks beide.
Namen erschaffen auch ein Stück Familie
Für Freunde ist es oft schwierig. Sie fragen alle sehr geduldig nach, haben es aber Minuten später schon wieder vergessen. Im ersten halben Jahr war ich immer die „Mama“. Aber seit Steffi Elternzeit macht und den ganzen Tag mit Jordan verbringt, stelle ich fest, dass Freunde und Bekannte sie automatisch als „Mama“ bezeichnen. Ich finde das rührend und freue mich darüber. Vor allem deswegen, weil ich erleichtert bin, zu sehen, dass zwischen den beiden Familienbande entstehen, die auch Außenstehende wahrnehmen.
Ich habe mir darüber im Vorfeld viele Gedanken gemacht. Mein Kind und meine Frau haben biologisch keine Gemeinsamkeiten. Ich wollte auf gar keinen Fall, dass dadurch eine Art Rangordnung entsteht. Auch deswegen entschied ich mich gegen die Vornamen-Variante. Das war außerdem ein Grund dafür, dass ich Steffis Nachnamen angenommen habe. Und deswegen freue ich mich zu sehen, dass es gar nicht so schwer ist, sich als Familie zu fühlen – Biologie hin oder her.
Ebenfalls irritierend: der gleiche Nachname
Aber auch das mit dem gemeinsamen Nachnamen ist für andere immer noch sehr schwer zu verstehen. Immer wieder sind Leute überrascht, dass wir den gleichen Nachnamen haben. Es scheint sich noch nicht rumgesprochen zu haben, dass das bei einer eingetragenen Partnerschaft möglich ist. Und das irritiert keineswegs nur heterosexuellen Menschen. Neulich fragte eine lesbische Freundin sichtlich verunsichert: „Und du firmierst nun also auch unter dem Namen Runge?“ Abgesehen davon, dass ich die Formulierung seltsam fand, war ich echt überrascht. Sie war doch im Standesamt dabei! Seit zweieinhalb Jahren heiße ich so! Sie hat schon mehrfach an unserer Klingel geklingelt, auf der genau dieser eine Name steht. Ich konnte und wollte es ihr nicht übel nehmen, weil sie eine liebe Freundin ist. Sie ist gut zwanzig Jahre älter als ich. Für sie stand so was nie zur Debatte, sie hat sich einfach nie damit auseinandergesetzt und genau so ist es bei der heterosexuellen Mehrheit in diesem Land.
Ob wir das mit „Mami“ und „Mama“ durchhalten, ist fraglich. Sogar wir kommen ständig durcheinander. Aber wir sind überzeugt, dass es sich einspielen wird, sobald Jordan sprechen lernt – und dann gibt es vielleicht noch ganz anderen Namen für uns.








Wir habe uns auch für einen gemeinsamen Nachnamen entschieden genau aus den genannten Grunden, für uns ist es wichtig das (wenn es soweit mal ist) unser Zwerg AUCH anhand eines gemeinsamen Namens sich als Familie identifiziert. Wir sind eine Familie und heissen alle drei “Gleich” so wie in den meisten anderen Familien auch.Ich stamme nicht aus Deutschland und meine Eltern tragen andere Namen als ich das musste als Kind oft erklärt werden…
Bei uns sind wir Papa und Daddy. Mittlerweile ruft uns der kleine Mann auch mal beim Vornamen, je nachdem, wie er drauf ist. Stören tut uns das nicht, wir glauben auch nicht, das wir Gefahr laufen ein freundschaftliches Verhältnis zu unserem Sohn zu bekommen.
Papa und Daddy war am Anfang in der Kita ein Riesenproblem. Ständig wurde ihm nachmittags gesagt: “Gleich kommt Dein Papa und holt Dich ab.” Wenn dann aber nicht Papa, sondern Daddy in der Tür stand, gab’s oft ein Riesendrama. Irgendwann haben wir einen Zettel an der Pinnwand aufgehängt, um anderen Eltern und auch den Erziehern das mit Papa und Daddy zu erklären. Mittlerweise klappt alles prima.
Mit den Ämtern hatten wir öfter mal Stress, da wir zwei verschiedene Nachnamen tragen. Aber seitdem wir beide offiziell und amtlich als Väter mit allen Rechten geführt werden, gibt’s keine Probleme mehr.
Vielen Dank für das interessannte Blog, lese es immer wieder gerne.
Ich und meine Freundin haben uns kürzlich verlobt und während sie überhaupt kein Problem damit hätte, wenn wir beide unsere Namen behalten, sehe ich das anders. Da sie ihren Namen behalten möchte und ich nicht sonderlich an meinem hänge, werde ich dann wohl ihren nehmen.
Ich es hat natürlich seine Vor- und Nachteile: 2x Frau Sounso kann verwirren(oder dazu führen, dass Leute denken wir wären Geschwister. Denken Leute sowieso immer wieder: 2x blonde lange Haare = ganz offensichtlich Geschwister O_o) und außerdem kann in Deutschland(sollten wir nicht in ihr Land (England) ziehen) keiner ihren Nachnamen schreiben. Aber auf der anderen Seite, mein Name ist auch nicht gerade häufig und wird auch immer falsch geschrieben. Außerdem ist es mir einfach wichtig. Bin in der Hinsicht wohl etwas traditionell eingestellt. Wenn man “heiratet” braucht man auch den selben Namen, finde ich. Außerdem möchte ich, dass unsere Kinder, sollten wir welche kriegen, denselben Namen tragen können wie ihre Eltern.
Mama/Mami scheint ja wirklich stark verbreitet zu sein. Wäre allerdings nie drauf gekommen, dass es im Allgemeinen so strikt nach Mutter/Co-Mutter aufgeteilt ist. Interessannt. Bei uns würde sich diese Frage nicht so wirklich stellen,da wir verschiedenen Nationalitäten angehören. Egal wer das Kind kriegt, ich wäre Mama und sie Mum/Mummy. Wenn das Kind da nicht ein Wörtchen mitzureden hat… Mein Au-Pair Kind hat damals auch von einer Minute zur Anderen beschlossen, dass ich jetzt Loulou heiße und dann war das halt so. Nix mehr zu machen.