Siegessaeule BlogSchwul-lesbischer Blog für Berlin und Deutschland

Alle Einträge der Kategorie: Berlin

Berlinale 2010

Veröffentlich von berlinale2010 am 25. Februar, 2010

Keine Kommentare

Mein - eventuell verrücktes – Berlinale Facit: queeres Leben als erfolgreiches Zukunfts- und Überlebensmodell. Warum? Nicht Machos oder Emanzen sondern Fummeltrinen, die es leid waren von der Polizei wegen ihrer Klamotten angemacht zu werden, schlugen damals zurück (Stonewall-Bar 1969 in New York: “N.Y. Memories”, “Making the Boys”, “Beautiful Darling”). Jetzt sind Lesben und Schwule auf dem Weg zur Vorzeigefamilie (“The Kids are allright”), aber auch die ersten Scheidungen drohen (“Nascidas para sufrir”). Neben dem lebensnotwendigen Herz und Schmerz (“I shot my love”) fehlen auch nicht die kleinen Leidenschaften (“The Feast of Stephen”, “Franswa Sharl”).

Das queere Menschen kreativ sind, ist nie bestritten worden: Sie sind Muster und Reservoir für alle Aspekte hedonistischen Lebens. In diesem Sinne wurde die ELSE-Jury vom Jackwerth-Verlag zum abschließenden  Berlinale-Abschiedsabendessen eingeladen. Das “Rosa Caleta” in den Räumen des früheren Geheimtips “Abendmahl” in der Muskauer Straße 9 pflegt die Tradition karibischer Gastlichkeit. Nach dem das “Caribe” in der Motzstraße einer reizlosen Bar gewichen ist, haben Freunde exotischen Essens wieder eine Adresse. Und damit wir, die Juroren, keine Entzugserscheinungen bekommen, stehen wir für 6 Monate auf der Gästeliste der Siegessäule bei MonGay. Danke für alles und bis die Tage.

Michael ELSE-Jury

G-Punkt und weibliche Ejakulation

Veröffentlich von Céline Robinet am 17. November, 2009

1 Kommentar

Letzten Donnerstag präsentierte der Erotische Salon in Kooperation mit dem Frauen-Erotikshop La Luna  einen Vortrag von Deborah Sundahl zum Thema Weibliche Ejakulation und G-Punkt. Der Berliner Pinellodrom war voll, ca. 150 Gäste hatten Platz genommen, die Erwartung war groß, um die Autorin, Sexberaterin und erste lesbische Pornoverlegerin von On Our Backs Magazine zu hören.

 

 

Gute Nachricht. Männer urinieren und ejakulieren aus der selben Harnröhre, erzählte Deborah Sundahl, und doch ist Urin nicht gleich Sperma. Bei Frauen ist das genauso. Die weibliche Prostata sei voller weiblichen Ejakulat, das der Urin nicht gleiche. Frauen sollen also keine Angst haben, sich gehen zu lassen, wenn sie beim Geschlechtsverkehr das Gefühl haben, eine Flüssigkeit möchte raus - beim Sex könne man sowieso nicht urinieren.

Zum einen.

Den G-Punkt, erklärte die Referentin weiter, können wir mit bloßem Auge sehen. Stellt einfach einen Spiegel vor den ausgespreitzen Beinen, klappt die Schamlippen auseinander und drückt mit den Muskeln vor. Das Photo von Elena aus Nevada, die laut Deborah sich freute, ihren G-Punkt in Berlin zeigen zu dürfen und von der die Referentin uns ganz lieb grüßen sollte, war beeindruckend.   

Und das Publikum war entzückt.

Zum dritten: Diese G-Fläche solle zart wie ein Rosenblatt angefaßt werden – sonst könnte sie zwischen den Fingern zerfallen. 

Ein Mann, der seine Freundin an der Hand hielt, stellte die Frage: „ Frauen kann man ja mit Liebe, Zärtlichkeit, Zuneigung, Vertrauen und eine gewisse Erotik zum Orgasmus bringen. Brauchen sie auch etwas anderes?“ Deborah Sundahl erwiderte, der Mann solle Tango lernen. Kryptisch. Und fast enttäuschend. Wieso sie dann nicht die Gelegenheit nutzte, um ein paar Leute aufzuklären, bleibt unklar.

 

 

Eine Freundin von mir hat ein “Problem”: sie ejakuliert zu viel. Also wollte sie wissen, ob man das kontrollieren kann, sprich, das Spritzen stoppen, wenn sie sich in einem ungünstigen Ort befindet, oder es für den letzten, ganz großen Orgasmus behalten, wenn sie mehrmals hintereinander kommt. Und wenn ja, wie. Deborah antwortete “ja”. “Wie?”, durfte man aber nicht mehr erfahren. 

Eine der (anscheinend wenigen) queeren Personen im Raum wies letztendlich darauf hin, dass weibliche Sexualität sich nicht nur durch Zärtlichkeit, Liebe und Zuneigung kennzeichnet, manche Frauen würden es nämlich auch hart mögen. Applaus im Publikum.

 

Überraschenderweise gab es einen zweiten Star an dem Abend: Katharina Nitsch, die Englisch-Dolmetscherin. Sie übersetzte mit so viel Enthusiasmus und Spontaneität – und schien dabei ein paar Sachen über weibliche Anatomie und Sexualität zu entdecken, und sie freute sich so offensichtlich darüber, dass sie ein Spektakel an sich wurde. 

Katharina Nitsch (links) und Deborah Sundahl (rechts) 

Alle Fotos: Enno E. Peter

 

Umfrage: Wie sicher ist Schöneberg?

Veröffentlich von sis am 28. Oktober, 2009

5 Kommentare

Hier die Video-Umfrage zur aktuellen Siegessäule Titelgeschichte im November. Wir fragten Passanten , ob ihrer Meinung nach die Gewalt gegen Schwule, Lesben und Trans* im Kiez zugenommen hat.



Was sind deine Erfahrungen? Entsteht in Schöneberg ein Angstraum? Oder sollten alle mal wieder runterkommen und keine Hysterie schüren?

Welt online: zurück zu den homophoben 50ties?

Veröffentlich von sis am 19. Oktober, 2009

3 Kommentare

Homosexualität als Religion? Philipp Gut ist Kultur- und Gesellschaftschef des Schweizer Wochenmagazins „Weltwoche“ und empört sich in einem völlig kenntnisfreien und ohne jede ordentliche journalistische Recherche geschriebenen Artikel auf Welt online vom 17.10:

„Der Punkt scheint erreicht, wo die Propagierung des eigenen Lebensstils auf Kosten der Meinungsäußerungsfreiheit ins Intolerante kippt.“

Besonders der erfolgreiche Euro Pride in Zürich dieses Jahr mit einer euphorischen Stimmung und einer lesbischen Züricher Stadtpräsidentin stößt ihm offenbar sauer auf. Am Ende fordert er schließlich:

„Nach der erfolgreichen Emanzipation dürfte man eigentlich erwarten, dass die Homosexuellenbewegung etwas lockerer wird und die penetrante „Sichtbarkeit“ zurückstellt. Schwulsein wäre dann einfach eine sexuelle Veranlagung, eine Privatsache, die nach den Regeln des guten Geschmacks in der Öffentlichkeit endlich wieder diskreter behandelt würde. Man läuft ja auch sonst nicht dauernd mit offenem Hosenladen herum.“ Homosexuell = privat, heimlich, unsichtbar und nur dann gut?

http://www.welt.de/vermischtes/article4878502/Homosexualitaet-ist-zu-einer-Art-Religion-geworden.html

Angstraum Berlin: Mehr Gewalt gegen LGBT?

Veröffentlich von sis am 24. September, 2009

1 Kommentar

Wir wollen wissen: Wo fühlt ihr euch bedroht, wo fühlt ihr euch sicher?
Hat die Gewalt gegen Schwule, Lesben und Transgender deiner Meinung nach zugenommen?
In welchem Kiez lebt es sich deiner Meinung nach sicher und in welchem unsicherer?

Deine Meinung ist gefragt! In der November Siegessäule gibt es dann ein Schwerpunktthema dazu.

foto: rs/pixelio.de

Ist Gayromeo transfeindlich?

Veröffentlich von sis am 15. September, 2009

58 Kommentare

Nachdem ein admin von Gayromeo das Profil eines Transmannes löschte, herrschte Aufregung in der Trans*-Community. Gayromeo entschuldigt sich, bittet aber darum, möglichst im Profil darauf hinzuweisen, dass der jeweilige user trans* ist. Mehr dazu im Artikel auf siegessaeule.de hier zum Artikel

Wie steht ihr zu der Haltung von Gayromeo?

Wieviel Mann soll’s sein?

Veröffentlich von sisa am 7. September, 2009

3 Kommentare

Folsom Europe ist seit fünf Jahren der europäische Fetischmagnet im Spätsommer. Hunderte Schwule mit Vorlieben für Leder, Lacke, Latex oder auch Sportsware, Industrial und Skin-Looks kommen am ersten Septemberwochenende nach Berlin, um auf dem Fuggerstraßenfest  und auf den großen Fetischpartys sich und ihre Fetische zu feiern – so war es auch dieses Jahr. Ein Artikel in der September-Siegessäule zum Thema schwule Männer und Fetisch hat unter unseren Lesern bereits für Diskussionen gesorgt.

Hier zum Artikel

Deshalb wollen wir eure Meinung wissen: Worum geht es eigentlich in der Fetischszene? Wie männlich, modern, militant, offen, entspannt, tolerant oder künstlich, spießig, verstaubt erlebt ihr diese besondere Community? Geht es dort schlicht um Muskeln, Macker, Monstertitten, um sexuelle Fantasien und Folien von Männlichkeit, die durch bestimmte (Ver)kleidungen und Verhaltensweisen produziert werden? Oder sind Fetische für euch längst mehr als nur sexueller Natur, vielleicht eine Lebensentscheidung, gar ein politisches Statement? Welchen Fetischen geht ihr nach? Und wie selbstverständlich erlebt ihr den Umgang der Szene mit Männlichkeiten und auch Weiblichkeiten? Schreibt uns eure Meinung zum Siegessäule-Essay und zur Fetisch-Szene in Berlin!
Sirko Salka

Foto: www.manopoly.com, mit freundlicher genehmigung von rob berlin

Kein Kommentar: CDU/CSU vor der Wahl

Veröffentlich von sis am 26. August, 2009

Keine Kommentare

Nicht hören, nicht sehen und vor allem nicht reden. Das war die Maxime der CDU/CSU im Rahmen der Interviewinitiative von Siegessäule, L-MAG und DU&ICH zur Bundestagswahl. 13 Absagen von Spitzenpolitikern und -politikerinnen von CDU/CSU zeigen, welchen geringen Stellenwert Lesben, Schwule und Transgender hier genießen.

„Eine vollständige rechtliche Gleichstellung solcher Lebensgemeinschaften mit der Ehe lehnen CDU und CSU ab.“ So steht es im CDU/CSU-Regierungsprogramm. Damit hält man die Sache offenbar für erledigt. Wie man mit homosexuellen und Transgender-Menschen umgeht, ist aber mehr als eine rechtliche Frage. Dürfen Schwule und Lesben adoptieren? Dürfen lesbische Frauen Samenbanken nutzen? Müssen transsexuelle Menschen sich bis zur Zeugungsunfähigkeit umoperieren lassen? Sollen Regenbogenfamilien weniger Geld haben als andere? Wird das Schimpfwort „schwule Sau“ auf Schulhöfen als Problem angesehen? Anhand dieser konkreten Fragen zeigt sich ein generelles Weltbild. Zeigt sich, was als „normgerechtes“ Leben betrachtet wird und wie viel Abweichung erlaubt ist.

Bei Vertretern und Vertreterinnen einer Partei ist es eine legitime Entscheidung, sich zu positionieren und sich bestimmten gesellschaftlichen Gruppen zu verweigern. Bei Regierungsvertretern wie Ursula von der Leyen, die seit Jahren immer wieder Interviewanfragen absagt, ist es ein Skandal. Die Familienministerin, die für viele der obigen Fragen zuständig ist, mag sich noch nicht einmal in einem Interview damit beschäftigen und duckt sich lieber verschämt weg. Ist es die Angst vor den Wählern oder tatsächlich eigene christlich-konservativ-verklemmte Grundüberzeugung?

Kommentar von Gudrun Fertig, Online-Chefredakteurin im Jackwerth Verlag, die im Rahmen der oben erwähnten Interviewanfragen unzählige – leider erfolglose – Telefonate führte.

Hier zu den Interviews mit Gregor Gysi, Andrea Nahles, Cem Özdemir und Guido Westerwelle, die Siegessäule, L-MAG und DU&ICH zur Bundestagswahl Rede und Antwort standen


Zweimal CSD – ist das Luxus?

Veröffentlich von sis am 18. Mai, 2009

1 Kommentar

Das war ein zivilisierter Abend gestern im Schwuz. Die  Beteiligten kennen sich seit Jahren und respektieren die unterschiedlichen Ansätze. Kontroversen brachte das Publikum ein. Ob lesbische Migrantinnen oder Transidente: Ihre Realität kann der große CSD offenbar nur unbefriedigend abbilden und integrieren. Dieses Mankos sind sich seine Organisatoren allerdings bewusst.
Sind zwei CSDs Luxus? Wohl eher ein Privileg, wenn man betrachtet wie LGBT am selben Wochenende in Riga und Moskau schon um ihr elementares Versammlungsrecht vergeblich kämpfen!
zw

Ganz normale Homophobie

Veröffentlich von sis am 9. Mai, 2009

9 Kommentare

Kommentar von Gudrun Fertig
zum  Artikel “Erfolgreicher Protest vor dem Eiscafe Dolce Freddo”
Der Besitzer der Eisdiele Dolce Freddo in Schöneberg spricht im Grunde nur aus, was immer noch zu viele denken: Jeder könne machen, was er will, aber in der Öffentlichkeit sollten sich Schwule und Lesben zurückhalten. Sichtbare Küsse bringen die mit Scheintoleranz übertünchte Homophobie sofort wieder zum Vorschein. Und entlarven eine verklemmte Sexualmoral.
Nun mag der Inhaber der Eisdiele Dolce Freddo im Allgemeinen dazu zu neigen, seine Ordnungsvorstellungen agressiv durchzusetzen. Das legt zumindest ein Artikel der taz vor einiger Zeit nahe, in dem darauf verwiesen wird, dass hier Kinder barsch zurecht gewiesen werden, oder japanische Touristen, die es wagen, sich auf die für Eisessende reservierten Tische zu setzen und eine Pizza aus dem Nachbarladen zu verzehren. 
Küssende oder anders sichtbare Schwule und Lesben verstoßen in diesem Zusammenhang gegen die hier herrschende Vorstellung von Ordnung. Gegen dieses Denken hilft nur tägliche Zivilcourage, sich einzumischen, und sich nicht zu verstecken. Auch wenn es ermüdend ist und nervt. Dabei ergeben sich spannende Diskussionen. So meinte ein Angestellter der Eisdiele, dass er natürlich gegen Ausgrenzung sei. Er werde am Wochenende nie in die Disco gelassen. Doch „deshalb veranstalte er auch keine Kundgebung.” Schade eigentlich. Nicht hilfreich ist die Forderung, die betreffende Eisdiele solle doch in einen anderen Kiez ziehen, Schöneberg hätte schließlich schon immer den Schwulen gehört! Dass sich viele hier in ihrem Kiez sicher fühlen, sichtbar sind und empört auf Homophobie reagieren, ist gut. Doch das sollte für jeden Ort in- und außerhalb Berlins gelten.