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Alle Einträge der Kategorie: Berlinale ELSE 2011

Brownsche Bewegung ins Leere

Veröffentlich von elsejury am 17. Februar, 2011

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Brownian Movement, also die Brownschen Bewegungen beschreiben die Neuanordnungen und Möglichkeiten verschiedener Teilchen in Flüssigkeiten und Gasen.

Eben jene Versuchsanordnungen deklariert die Niederländerin Nanouk Leopold in ihrem 102 Minüter denn auch durch. Charlotte, die Hauptfigur versucht sich mit immer neuen Sexualpartnern ihren Alltag zu gestalten. Das alles mag an Bunuels Belle de jour erinnern und um dies vorweg zu nehmen, man ist gut beraten sich lieber an diesen Film zu halten. Denn dort, wo die junge Catherine Deneuve sexuelle Lust als Nutte erfahren darf und das Abgründige der ganzen Situation im surrealen verwischt muß Leopolds Hauptfigur in die Therapie.

Da wo Bunuel den McGuffin-Effekt setzt, also ein unbestimmter Moment, der ein schwüles Osszilieren erzeugt muß man als Zuschauer bei Brownian Movement zusehen, wie ein alter Mann, ein dicker Mann, ein häßlicher Mann etc. pp. die Hauptdarstellerin mehr oder minder befriedigen.

Bunuels Film endet damit, dass man als Zuschauer nicht erfährt, ob die gute Deneuve nun erwischt wird oder sie mit ihren Eskapaden davon kommt. Ebene jenes Unbestimmte macht den Film zum Klassiker. Leider, leider wird die arme Charlotte aber erwischt und wird ab der zweiten Hälfte des Films in die Therapie geschickt….

Das alles wirkt so unmotiviert und gekünstelt, dass man am Ende nur noch der Frage nachgehen mag, wieso eine heterosexuelle Frau, sobald sie Sex ohne ihren eigenen Mann hat zur Therapie gechickt wird. Auch warum der außereheliche Sex als Art Rocky Horror Picture Show im Dogmastyle inszeniert wird bleibt unklar.

Tipp: DVD kaufen und von der jungen Deneuve träumen.

Andreas und Manuel

Update und Entscheidung

Veröffentlich von elsejury am 17. Februar, 2011

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Unsere Else-Jury hat heute die Entscheidung getroffen, Gott sei Dank gab es keine wilden Diskussionen und Handgreiflichkeiten.  Welcher Film gewonnen hat, wird morgen auf der Teddy-Gala bekannt gegeben.

Aufgrund der vielen Filme, kam ich leider mit dem Bloggen nicht mehr hinterher, was ich hiermit nachhole. Einige der Filme sind noch zu sehen bzw. werden es in die Kinos oder auf DVD schaffen.

Auf der Suche: Der Film gut ist ordentlich gedreht und die beiden Hauptdarsteller Nico Rogner und Corinna Harfouch spielen gut. Mich hat der Film von Anfang bis Ende bei Laune gehalten, was nicht selbstverständlich ist bei über 20 Filmen in 8 Tagen. Auf der Suche hat diese gewisse „deutsche“ Tiefe und Vielschichtigkeit, die ich sehr mag. Die Story ist rund und enthält einige spannende Momente, auch wenn sie leise gezeigt werden. Man kann nach dem Film noch viel diskutieren. Sehenswert.

The Queen has no Crown: Wieder mal eine sehr persönliche Dokumentation von Tomer Heymann aus Israel. Das erstaunliche an dieser Doku ist, dass Tomer über 10 Jahre lang immer wieder die Geschehnisse in seiner sehr liebenswürdigen und offenen Familie zeigt. Nichts ist Tabu. Das Leiden der Mutter, dass 3 Söhne wegen der schwierigen Situation in Israel in die USA gehen, die Meinung der Söhne über Ihre Mutter, seine Beziehung zu seinen Geschwistern, Lovern und die Meinungen der Kinder zu all dem. Alles wird sehr offen, in humorvollen und auch traurigen Momenten gezeigt. Mich hat der Film sehr gerührt, vor allem auch die toughe, aber herzensgute Mutter. Wer weniger Wert auf technische Qualität legt und sich für die bewegende Geschichte einer israelischen Familie interessiert, wird dieser Film berühren. Sehenswert.

Utopians: Ärgerlich, Zeitverschwendung, hat die meisten von uns aggressiv gemacht.

The Ballad of Genesis and Lady Jaye: Diese witzige und interessante Doku zeigt das bewegende Leben der beiden Künstler und Rockmusiker. Ich kannte sie bisher nicht und es ist schön zu sehen, dass sich manche Menschen viel einfallen lassen um ihr Leben nicht langweilig vorbei ziehen zu lassen und nach all den verrückten und durchgeknallten Erfahrungen auch so etwas wie Weisheit bei der noch lebenden Genesis Einzug erhalten hat.  Sehenswert.

How are you: Etwas spröde und langweilige Dokumentation über die beiden schwulen Künstler Elgreem und Dragset, bekannt durch das Mahnmal im Tiergarten. Ich hätte mir tiefere Einsichten über die Kunst und Beweggründe der beiden gewünscht. Es wurden zu viele Belanglosigkeiten erzählt. Nett für Fans.

Advocate for Fagdom: Eine Doku über das Schaffenswerk des exzentrischen Bruce la Bruce. Einige seiner Filme sind sicherlich sehenswert und der Film hat mich neugierig gemacht, kannte ich bisher nur Hustler White und Skin Flick ;-) . Leider ist der Film nicht wirklich innovativ und wird nicht dadurch gut, dass der Protagonist witzig und crazy ist. OK.

Odem:  Drama um zwei Frauen aus Palästina, die in London leben und auf ihre gemeinsame Geschichte indirekt zurückblicken. Die schauspielerische Leistung der beiden ist wirklich gut und der Film bietet Überraschungen. Leider reiht sich der Film in die lange Liste von Queerfilmen ein, wo bei zwei Männern eine Frau dazwischen kommt oder umgekehrt bei zwei Frauen ein Mann, oft mit Vergewaltigung, Tod oder Kitsch. Muss das sein? Kann man sich anschauen.

Aussente: Der Regisseur war so ehrlich dem Publikum zu beichten, dass er es belogen hat. Es ging nicht wie in der Filmbeschreibung zu lesen war, um einen umgekehrten Missbrauch zwischen Schüler und Lehrer. Eher um die erotischen Begierden eines hübschen und ziemlich durchtriebenen sechzehnjährigen, der seinen Lehrer verführen möchte und dafür allerlei Tricks anwendet. Die Machart des Films und die Story haben mir recht gut gefallen, weniger jedoch der Anspruch des Regisseurs einen Thriller alla Hitchcock darin zu sehen. Sehenswert.

Homo@LV: In dieser durchaus witzigen und informativen Doku geht es um die Minderwertigkeitskomplexe der kleinen lettischen Nation. Mangels schwarzer, muslimischer oder andere Minderheiten projiziert sie Ihre Ängste, Sorgen und Unzufriedenheit, mit kräftiger Unterstützung und Gehirnwäsche durch Kirche und Staat, auf die kleine Gay-Community. Die baltischen/osteuropäischen Staaten stehen da wo wir vor 50 Jahren standen. Die Doku macht uns mal wieder bewusst, wem wir unsere Freiheit zu verdanken haben und welche Kämpfe gefochten wurden und noch gefochten werden müssen. Danke an alle Aktivisten!

Stadt Land Fluss: Authentisch, lustig, unverkrampft, realistisch und gut gemacht. Diese Produktion eignet sich meiner Meinung nach als Aufklärungsfilm in Schulen. Must see!

So das wars, jetzt schaue ich mir noch ein paar Filme an, die mich interessieren und keinen konkreten Queer-Hintergrund haben: Tambien la Lluvia, Pina und Submarine. Danach werde ich wohl einige Monate kein Kino mehr betreten. Obwohl das Lied in mir soll toll sein und Black Swan habe ich auch noch nicht gesehen lol.

Ein Fazit folgt nach der Teddy Gala.

Es grüßt euch Patrick

Von Höhlen und Albinokrokos

Veröffentlich von elsejury am 14. Februar, 2011

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In der Chauvet-Höhle im südfranzösischen Ardeche-Tal befinden sich die ältesten derzeit bekannten Höhlenmalereien und Höhlenzeichnungen der Welt. 1994 wurden sie entdeckt und geben der Wissenschaft seither Rätsel auf. Einige der Malereien sind über 30.000 Jahre alt. Die Höhle war bis zu ihrer Entdeckung gänzlich vor äußeren Einflüssen geschützt, da sie durch einen Steinschlag vor tausenden Jahren verschlossen wurde.

Mit dem Eindringen der Außenwelt gerieten die Malereinen durch Schimmelsporen in Gefahr und musste hermetisch abgeschirmt werden. Nur zu wenigen Tagen im Jahr dürfen Wissenschaftler für einige Stunden in der Höhle forschen. Umso wertvoller ist das Unterfangen des Regisseurs Werner Herzog, diese Höhle filmisch zu erkunden.

Werner Herzog nutzt eine neue Technik für die Dreharbeiten in der Höhle, er filmt mit 3D-Kameras. Das Ergebnis ist tatsächlich spektakulär und dürfte THE CAVE OF FORGOTTEN DREAMS zum Vorbild vieler weiterer Dokumentationen machen. Das räumliche Erleben dieser Höhle ist grandios. Die faszinierenden Zeichnungen und die zutiefst schönen Formationen von Ablagerungen aller Art bannen den Blick durch die 3D-Brille auf die Leinwand, wie es narrative 3D-Filme kaum leisten können. Herzog gelingt durchaus auch der Beweis, dass sich der 3D-Technik mit dem dokumentarischen Film erstmals eine wirklich brauchbare Anwendungsmöglichkeit erschließt. Freilich gibt es schon seit langer Zeit IMAX-Kinos. Doch deren Fokus liegt weniger im dokumentarischen Erzählen, als im bloßen Ausstellen von Schauwerten, sprich es geht ums Entertainment.

CAVE OF FORGOTTEN DREAMS wäre ein idealer Film, könnte man ihn ohne Tonspur erleben. Werner Herzogs Englisch ist eine radikale Aufforderung zum Fremdschämen und seine ätherisch pseudo-philosophischen Betrachtungen sorgten während der Vorführung für Gelächter. Der Epilog dieser Dokumentation ist allerdings besonders deplatziert: Von der Höhle leitet Herzog auratisch murmelnd auf ein AKW, eine Biosphäre und auf die dort beheimatete Albinokrokodile über. Man verlasse den Film möglichst vor dieser absurden Herzogschen Höhlenpredigt. Dann bleibt wenigstens der hervorragende optische Eindruck unbeschädigt.

Andreas und Manuel

Aufruf zum Filmeschauen!

Veröffentlich von elsejury am 13. Februar, 2011

1 Kommentar

Viele Denken, ach ich würde ja gerne mal ein paar Filme sehen, aber es gibt keine Tickets oder ich muss zu lange anstehen. Das sind Ausreden! Es lohnt sich, denn es werden tolle Filme gezeigt, die uns Welten eröffnen, die wir im üblichen TV-Brei selten zu sehen bekommen und die wenigsten Filme die hier gezeigt werden, schaffen es jemals in den Filmverleih. Die Berlinale macht Spaß, sie bildet und eröffnet Horizonte.

Hier ein paar Tipps um an Tickets zu kommen: im Kino International und Urania sind die Schlangen viel kleiner als in den Arcaden. Jeder Eventim Ticketschalter verkauft auch Berlinale Tickets, kostet 2,- extra, dafür spart man Zeit. Morgens um 10 Uhr gibt es an den Kinokassen Tickets für Filme, die an diesem Tag gezeigt werden z.B. aus der Presserückgaben.

Mein Zustand nach 4 Tagen und 10 Filmen ist sehr gut, mein Kreislauf und Immunsystem funktionieren noch. Freue mich auf jeden weiteren Film. Bis auf 2 Ausnahmen wirklich alles sehenswert gewesen.

The Terrorists
Ich denke mal, 99% der Zuschauer im Saal haben bei der Premiere des thailändischen Films the Terrorists etwas anderes erwartet. Hintergrund sind die Demonstrationen in Bangkok im letzten Jahr gegen die Regierung. Der Film hatte keine Handlung, es gab keine Dialoge oder zwischenmenschliche Szenen, eine Dokumentation war es auch nicht. Es wurden sehr lange Sequenzen von Fischern, Fischen und anderen Arbeiten gezeigt. Dazwischen immer wieder nackte Jungs die schliefen oder onanierten. Die erotischen Bilder wurden mit regimekritischen Einblendungen unterlegt. Dem Zuschauer hat sich nicht erschlossen, was der Regisseur ausdrücken möchte. Auch die Frage-Antwort-Session nach dem Film hat keine wirkliche Klarheit gebracht. Erst zum Ende wurden ohne Kommentar Szenen gezeigt, wie das Militär auf die Demonstranten geschossen hat und die sichtlich aufgeregte Bevölkerung die Polizei und das Militär beschimpften. Diese Bilder wurden in unseren Nachrichten nicht gezeigt und der Mut des Regisseurs, diesen Film zu machen, verdient Respekt. Der Film wird wohl nicht so bald in Thailand zu sehen sein und die Kritik an der Regierung und dem Königshaus kann nur im Ausland gezeigt werden. Ich denke, dass es ihm einfach nicht gelungen ist, eine bewegende Geschichte innerhalb dieser Geschehnisse zu entwickeln, die das Schicksal der Menschen während der Unruhen gezeigt hätte. Es lag wohl einfach am mangelnden Können. Schade um das spannende Thema. Nicht sehenswert.

Fjellet
Ich kann mich meinen Kollegen nur anschließen. Ein hervorragendes Filmdebut mit einer guten Filmtechnik, guter Story und emotionaler Tiefe. Interessant war für mich, dass mir die Tränen erst am Ende kamen als der Abspann schon lief, wie auch bei den beiden Darstellerinnen im Film. Sehr sehenswert.

Es grüßt der Patrick

Der Berg schweigt – Fjellet

Veröffentlich von elsejury am 13. Februar, 2011

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Freud sagt, dass wir nie alleine schlafen. All unsere Liebhaber liegen zwischen uns und unserem Partner. Auch zwischen dem lesbischen Paar Nora und Solveig liegt jemand und raubt ihnen den Schlaf. Doch keine andere Frau stört das Glück der beiden. Zwischen ihnen liegt ihr toter Sohn Vetle. Bei einer Bergwanderung, auf eben jenen Berg auf demsie ihren Sohn verloren haben, versuchen die beiden sich und ihre Liebe wiederzufinden. Doch Vetles Anwesenheit dringt durch jeden Stein und jeden Wolkenfetzen.
Mittels einer geschickten Kamera schafft es Regisseur Ole Giæver ein überzeugendes Psychogramm zu erstellen. Die karge Landschaft, eine angenehm zurückgenommene Musik und zwei hervorragende Darstellerinnen, die unbarmherzig von der Kamera fokussiert werden.
Hier wird nichts Abgründiges gezeigt. Niemand onaniert, pisst, schreit, blutet. Aber es geht um Abgründe. In seinem Respekt gegenüber der Geschichte und seinen Schauspielerinnen erreicht Giæver eine neue Qualität des nicht-heterosexuellen Films.
Andreas und Manuel

Der Anti-Guttenberg – Die Jungs vom Bhf Zoo

Veröffentlich von elsejury am 13. Februar, 2011

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Ein Abendschaureporter steht auf dem Hardenbergplatz, der Bahnhof Zoo im Hintergrund. Der Reporter berichtet über Männer, die für Geld Sex mit Männern suchen. Es ist eher ein Report über die Polizeiarbeit vor Ort, über “die Erfassung schwer krimineller und asozialer Objekte”. Die Reportage stammt aus der Mitte der Sechziger. Regisseur Rosa von Praunheim stellt diese Sequenz seiner Dokumentation “Die Jungs vom Bahnhof Zoo” voran.
Praunheim nutzt diesen Anfang als Gegenfolie, auf der er seine Sicht der Dinge projeziert. Der gestrauchelte Stricher und der böse Freier haben ausgedient. Zwar verheimlicht die Doku keinesfalls die Leidenswege einiger Jungs die zum Teil schon seit sie 10 Jahre alt waren, den Übergriffen Erwachsener ausgesetzt waren, jedoch führt Praunheim seine Zuschauer auch auf eine andere Seite der Sicht. Auf dieser Seite schafft ein Stricher weiterhin für seine Frau und sein Kind an. Der österreichische Regisseur Peter Kern bekennt sich zu seiner Vorliebe für wesentlich jüngere Männer und huldigt ihnen, als er für sich erkennt, dass:
“…die großen Psychologen der heutigen Zeit, die Stricher sind.”

Der besondere Wert in Praunheims Arbeit liegt in dem Mut zum Abwegigen und Überraschenden. Praunheim zieht seine inhaltliche Linie nicht kerzengerade durch, er lässt sich auf die Geschichten und die Geschichte seiner Protagonisten ein. Plötzlich steht das Drehteam mitten in der Rumänischen Pampa.

Unvoreingenommen und emphatisch – Praunheims Portrait der Berliner Stricherszene ist ein dringend notwendiger Kommentar zur Zeit: Natürlich gibt es die menschlichen Abgründe, aber es ist eben doch wesentlich mehr als die Welt der Guttenbergs. Denn ohne den Opfern ihre Würde zu nehmen schafft es Praunheim auch Gegenentwürfe zu zeigen.

Das muß man alles nicht akzeptieren oder Gut heißen. Aber man sollte darüber nachdenken.
Andreas und Manuel