Unsere Else-Jury hat heute die Entscheidung getroffen, Gott sei Dank gab es keine wilden Diskussionen und Handgreiflichkeiten. Welcher Film gewonnen hat, wird morgen auf der Teddy-Gala bekannt gegeben.
Aufgrund der vielen Filme, kam ich leider mit dem Bloggen nicht mehr hinterher, was ich hiermit nachhole. Einige der Filme sind noch zu sehen bzw. werden es in die Kinos oder auf DVD schaffen.
Auf der Suche: Der Film gut ist ordentlich gedreht und die beiden Hauptdarsteller Nico Rogner und Corinna Harfouch spielen gut. Mich hat der Film von Anfang bis Ende bei Laune gehalten, was nicht selbstverständlich ist bei über 20 Filmen in 8 Tagen. Auf der Suche hat diese gewisse „deutsche“ Tiefe und Vielschichtigkeit, die ich sehr mag. Die Story ist rund und enthält einige spannende Momente, auch wenn sie leise gezeigt werden. Man kann nach dem Film noch viel diskutieren. Sehenswert.
The Queen has no Crown: Wieder mal eine sehr persönliche Dokumentation von Tomer Heymann aus Israel. Das erstaunliche an dieser Doku ist, dass Tomer über 10 Jahre lang immer wieder die Geschehnisse in seiner sehr liebenswürdigen und offenen Familie zeigt. Nichts ist Tabu. Das Leiden der Mutter, dass 3 Söhne wegen der schwierigen Situation in Israel in die USA gehen, die Meinung der Söhne über Ihre Mutter, seine Beziehung zu seinen Geschwistern, Lovern und die Meinungen der Kinder zu all dem. Alles wird sehr offen, in humorvollen und auch traurigen Momenten gezeigt. Mich hat der Film sehr gerührt, vor allem auch die toughe, aber herzensgute Mutter. Wer weniger Wert auf technische Qualität legt und sich für die bewegende Geschichte einer israelischen Familie interessiert, wird dieser Film berühren. Sehenswert.
Utopians: Ärgerlich, Zeitverschwendung, hat die meisten von uns aggressiv gemacht.
The Ballad of Genesis and Lady Jaye: Diese witzige und interessante Doku zeigt das bewegende Leben der beiden Künstler und Rockmusiker. Ich kannte sie bisher nicht und es ist schön zu sehen, dass sich manche Menschen viel einfallen lassen um ihr Leben nicht langweilig vorbei ziehen zu lassen und nach all den verrückten und durchgeknallten Erfahrungen auch so etwas wie Weisheit bei der noch lebenden Genesis Einzug erhalten hat. Sehenswert.
How are you: Etwas spröde und langweilige Dokumentation über die beiden schwulen Künstler Elgreem und Dragset, bekannt durch das Mahnmal im Tiergarten. Ich hätte mir tiefere Einsichten über die Kunst und Beweggründe der beiden gewünscht. Es wurden zu viele Belanglosigkeiten erzählt. Nett für Fans.
Advocate for Fagdom: Eine Doku über das Schaffenswerk des exzentrischen Bruce la Bruce. Einige seiner Filme sind sicherlich sehenswert und der Film hat mich neugierig gemacht, kannte ich bisher nur Hustler White und Skin Flick
. Leider ist der Film nicht wirklich innovativ und wird nicht dadurch gut, dass der Protagonist witzig und crazy ist. OK.
Odem: Drama um zwei Frauen aus Palästina, die in London leben und auf ihre gemeinsame Geschichte indirekt zurückblicken. Die schauspielerische Leistung der beiden ist wirklich gut und der Film bietet Überraschungen. Leider reiht sich der Film in die lange Liste von Queerfilmen ein, wo bei zwei Männern eine Frau dazwischen kommt oder umgekehrt bei zwei Frauen ein Mann, oft mit Vergewaltigung, Tod oder Kitsch. Muss das sein? Kann man sich anschauen.
Aussente: Der Regisseur war so ehrlich dem Publikum zu beichten, dass er es belogen hat. Es ging nicht wie in der Filmbeschreibung zu lesen war, um einen umgekehrten Missbrauch zwischen Schüler und Lehrer. Eher um die erotischen Begierden eines hübschen und ziemlich durchtriebenen sechzehnjährigen, der seinen Lehrer verführen möchte und dafür allerlei Tricks anwendet. Die Machart des Films und die Story haben mir recht gut gefallen, weniger jedoch der Anspruch des Regisseurs einen Thriller alla Hitchcock darin zu sehen. Sehenswert.
Homo@LV: In dieser durchaus witzigen und informativen Doku geht es um die Minderwertigkeitskomplexe der kleinen lettischen Nation. Mangels schwarzer, muslimischer oder andere Minderheiten projiziert sie Ihre Ängste, Sorgen und Unzufriedenheit, mit kräftiger Unterstützung und Gehirnwäsche durch Kirche und Staat, auf die kleine Gay-Community. Die baltischen/osteuropäischen Staaten stehen da wo wir vor 50 Jahren standen. Die Doku macht uns mal wieder bewusst, wem wir unsere Freiheit zu verdanken haben und welche Kämpfe gefochten wurden und noch gefochten werden müssen. Danke an alle Aktivisten!
Stadt Land Fluss: Authentisch, lustig, unverkrampft, realistisch und gut gemacht. Diese Produktion eignet sich meiner Meinung nach als Aufklärungsfilm in Schulen. Must see!
So das wars, jetzt schaue ich mir noch ein paar Filme an, die mich interessieren und keinen konkreten Queer-Hintergrund haben: Tambien la Lluvia, Pina und Submarine. Danach werde ich wohl einige Monate kein Kino mehr betreten. Obwohl das Lied in mir soll toll sein und Black Swan habe ich auch noch nicht gesehen lol.
Ein Fazit folgt nach der Teddy Gala.
Es grüßt euch Patrick