Siegessaeule BlogSchwul-lesbischer Blog für Berlin und Deutschland

Alle Einträge der Kategorie: Berlinale 09

Berlinale – The day after the party

Veröffentlich von berlinale am 8. Februar, 2009

Kommentare deaktiviert

Es ist Tag 3 der Berlinale und der Tag nach der „Welcome Queer Academy“-Party, auf der uns die Mitglieder der Teddy-Jury, Filmschaffende und Organisatoren von queeren Festivals, vorgestellt wurden. Endlich wissen wir wie unsere Jury-Kollegen aussehen. Vielleicht entdecken wir sie auch mal neben uns im Kinosessel sitzend. Bisher habe ich nur die Organisatoren der Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg, meinem Lieblingsfestival in der Heimat, an ihren blauen „Push-Up your festival“-Shirts erkannt. Als L-Mag-Jurorin vertrete ich in der Siegessäulen-Jury Restdeutschland, also die Provinz aus Berliner Sicht.

Nach durchgemachter Nacht und auf Koffein-Entzug starte ich in meinen ersten „vollen“ Filmtag. Vier Filme stehen auf dem Programm: Die Spielfilme „Pedro“, „End of Love“ und „Ghosted“ und das Kurzfilmprogramm „Fucking Different“. Als Lokalpatriotin und Lesbe gefällt mir natürlich am besten „Ghosted“, der neue Film der Wahlhamburgerin Monika Treut, der in Taipeh und Hamburg spielt. Zur Weltpremiere von „Ghosted“ ist eine aufgeregte Monika Treut mit Teilen der Filmcrew aus Deutschland und Taiwan angereist. Sie erzählt, dass der Film anders als ihre früheren Filme sei. Weniger Sex (Den anderen Punkt habe ich vergessen). Geht da etwa ein Stöhnen durch die Reihen? Nein. Eher ein Gelächter, als sie es damit begründet, dass sie reifer geworden wäre. Es geht um eine Liebesgeschichte zwischen einer Deutschen und einer Taiwanesin, kulturelle Unterschiede, Tod und Geister. Besonders hübsch anzusehen ist, neben den wunderschönen asiatischen Schauspielerinnen, die Kameraführung. Das Hamburger Panorama geht quasi nahtlos ins Panorama von Taipeh über. Am Ende des Films bleiben bei mir einige Fragen offen – und nicht nur die Frage, wo die „Hamburger Lesbenbar mit den leckeren unalkolischen Cocktails, die ihre Wirkung nicht verfehlen“ simuliert wurde. Leider können wir nicht mehr an der Q&A-Session teilnehmen, weil wir quer durch die Stadt zum letzten queeren Filmprogramm des Tages hetzen müssen.

Übrigens ist die Lösung für den ständig knurrenden Berlinale-Magen die „sausage to go“, aber bisher nicht in Kombination mit „coffee to go“ zu bekommen. Aus Zeitknappheit und Kleckergefahr wird der Currywurst-Test (Berlin-Hamburg-Streit) vertagt und mit einer schlichten Bratwurst vorlieb genommen. Nach „Fucking Different“ geht es ins entspannte Frauenhotel zum wohlverdienten Schlaf. Kraft tanken für die nächsten Filme und Parties.

Karen / Else-Jury

Queerer Teppich

Veröffentlich von berlinale am 7. Februar, 2009

Kommentare deaktiviert

 

Da runzelt Kate Winslet auf der Leinwand im Berlinale Palast die Stirn, wie nur sie das kann und schon bin ich mitten drin im Berlinale-Hype. Will plötzlich all das, was ich sonst mit Unverständnis belächle: Will zur Pressekonferenz, um einen Blick auf sie zu erhaschen, will vor dem Hyatt warten, bis sie durch den Hinterausgang rauskommt und will mir neben dem roten Teppich die Füße abfrieren. Doch wir sind die Jury und ich muss auf Kate verzichten, denn die nächsten queeren Filme rufen: „Queer Sarajevo“, „Gevald“ und „City of Borders”.

 

Und schon nach wenigen Minuten ist der Glamour draußen vergessen, und ich möchte den ProtagonistInnen und Filmemacherinnen dieser Doku-Streifen einen Teppich ausrollen. Den OrganisatorInnen des 1. Queer Festivals in Sarajewo 2008, die von Hooligans, Politikern und Fundamentalisten gleichermaßen physisch und psychisch attackiert werden. Netali Braun für ihren berührenden poetischen Kurzfilm „Gevald“ über die palästinensische und israelische queere Szene. Und einen Teppich für all die ProtagonistInnen aus „City of Borders“: Dem Stadtpolitiker aus Jerusalem, der die „Shushan Bar“ als Treffpunkt betreibt und sie wegen unzähliger Todesdrohungen schließen muss, der palästinensischen Drag-Queen, die ihre Heimat Ramallah verlässt, um frei leben zu können und dem israelisch-palästinensischen lesbischen Pärchen, das mutig und offen Einblick in seinen Alltag in Jerusalem gewährt.

 

Statt pathetisch einen Teppich auszurollen, treffen wir die Crew von „City of Borders“ danach in einer Bar, quetschen das lesbische Pärchen über die Situation in Jerusalem aus und entlassen sie irgendwann zum Abendessen, da sie erst nachts gelandet sind und total übermüdet sind. Eine beeindruckende Lektion in Courage!

 

Kathleen / Jury-Mitglied

Berlinale 2. Tag

Veröffentlich von berlinale am 7. Februar, 2009

Kommentare deaktiviert

Heute sind Kate Winslet und David Kross in der Stadt. Es ging nicht anderes, die musste ich sehen. Und das möglichst nah. Die Lösung: Ich besuchte die Pressekonferenz von „Der Vorleser“. 5 Minuten vor Beginn betrat ich den Raum und war erstaunt, dass er gar nicht überfüllt war. Doch schnell stellte sich bei mir die Ernüchterung ein. Ich musste feststellen, dass die Zeitpläne für die Konferenz nur Richtwerte sind. Und so musste ich den Raum schon wieder verlassen, bevor ich die Konferenz begann, um pünktlich im nächsten Kino zu sein. Aber ich hatte ja noch eine Chance: Die Premierenveranstaltung. Auch hier war ich recht spät. Dafür konnte ich über den roten Teppich dein Berlinalepalast betreten. Normalerweise betritt das normale Volk das Gebäude seitlich neben dem roten Teppich.Links und rechts hunderte von Kameraleuten. Ich wollte schon winken, aber natürlich haben sie nicht auf mich gewartet. Das war schon ein seltsames Gefühl. Star mit dem ganzen Rummel drum herum möchte ich nicht sein. Aber gelohnt hat es sich doch. Tilda Swinton und ich zusammen im Foyer des Berlinalepalastes. Wow, was für eine Frau. Ein Traum ist schon in Erfüllung gegangen.

Doch ich wollte noch mehr. Also beobachtete ich den roten Teppich. Es erschien eine blonde Dame in einem lachsfarbenen Traum. Sie führte vor den Kameras einen Tanz auf, als ob sie Torero und Flamencotänzerin in einer Person wäre. Auffallen ist wohl alles. Jedoch war die Dame weder mir noch allen, die um mich herum standen, bekannt. Morgen werde ich wohl mal in meinem pinken Kurzem Rumpelstilzchen auf dem roten Teppich spielen . Vielleicht falle ich dann auch auf.

Und dann waren Sie da. Kate und David zogen in den Berlinalepalast ein. Mit einem Lächeln, das nur für mich bestimmt war. J Welches Lächeln mich mehr berührt hat, bleibt aber mein kleines Geheimnis.

Klaus – Jury/ Goldelse

Der 6.2. in Zahlen

Veröffentlich von berlinale am 7. Februar, 2009

Kommentare deaktiviert

Filme insgesamt: 6

Filme heute: 4 (El niňo pez, Kan door huid heen, Man tänker sitt, Ricky)

Kurzfassung: Lesbisches Drama, Realismus-Drama, Meditationsfilm, Seltsame filmische Metaphysik

Insgesamt: Viel Gewalt und schwangere Frauen (3)

Gespräche mit andern Berlinalegängern: 3

Davon Täschchenträger: alle

Zur Täschchendiskussion

Tipp: El niňo pez (siehe unten)

Simone

El niňo pez

Veröffentlich von berlinale am 7. Februar, 2009

1 Kommentar

Das war mein erster Film heute. Kurz nach neun Uhr morgens. Kurz nach neun erwischt einen ziemlich viel, aber ich glaube, der Film hätte ungefähr die gleiche Wirkung abends um acht. Sie stehen gesellschaftlich auf zwei völlig anderen Seiten: Lala, die Tochter gutsituierter Eltern in Argentinien und Guayi, das Hausmädchen aus Paraguay. Nichts desto trotz träumen sie von einem gemeinsamen Leben. Dort, wo Guayi aufgewachsen ist, wollen sie sich ein Haus am See bauen. Das nötige Geld besorgen sie sich durch kleine und größere Diebstähle vor Ort. Doch dann kommt ihnen die Realität dazwischen in Form von herrschenden Strukturen. Guayi weiß nur eine Reaktion: Den Begehrlichkeiten aller nachgeben, die höher gestellt sind als sie. Lala dagegen entschließt sich zu einem weitaus tragischeren Schritt und alles nimmt seinen Lauf. Eine Mischung aus Liebesgeschichte, Drama, unterschwelligen Krimianklängen und Roadmovie hat Lucía Puenzo in der Verfilmung ihres gleichnamigen Romanes geschaffen. Viel geschieht, viel ist bereits geschehen und beeinflusst den Weg der beiden jungen Frauen dramatisch. Und doch hat es etwas unbeschreiblich Romantisches, wenn Lala, trotz allem, die einzige ist, die bereit ist für Guyani Opfer zu bringen. Fast alle anderen haben immer nur genommen. „Ich werde dich verletzen“, warnt Guayi , „Das wird nicht gut gehen“, ein Freund der beiden Lala. Ihre einzige Antwort: „Das ist mir egal“. Denn sie kämpft für etwas, das größer ist, als das eigene Wohlbefinden: die Liebe.

Also: durchaus sehenswert!

Simone

Sa, 07.02. 13:00 CinemaxX 7, So, 08.02. 17:00 Cubix 9, Sa, 14.02. 22:30 Cubix 7 & 8

Mehr:

Hier gehts zur Berlinaleseite

Tag 1 / Robby

Veröffentlich von berlinale am 6. Februar, 2009

1 Kommentar

Berlinale! That one bright spot in my lovely Berlin’s otherwise bleak winter. Somehow my first year in Berlin I missed it, but since then I have more than made up for it. I thought somehow I would be sitting this one out, but somehow the lovely people at Siegessäule liked my story about growing up in the bayous of Louisiana. (All true, I assure you!)

Sadly I couldn’t get into the premier opening film last night. I think it was VIP only and we weren’t invited. Not to be outdone, I thumbed through the program; I simply had to see a film on opening night. I looked through our handy queer guide given to the seven jury members, nothing there. There was nothing in G (for Gay), L (for Lesbian) or T (for Transgendered). Not even in the obscurely labeled C (for Context) category (I think that means that Clive Owen takes his shirt off or Barbra Streisand sings or something). There had to be something on….

There was some film that looked, well, rather difficult, but I wasn’t in the mood for that. I wanted over the top, I wanted big, I wanted 70MM! The Retrospective this year is full of wonderful old 70 mm films that were made when cinema was supposed to be larger than life, not something you furtively downloaded and watch on the U-Bahn on the way to work. And there it was… the Sound of Music on the big screen. My all time favorite, and who cares if I just watched it at home last weekend? This was cinema! This was Julia Andrews doing what she does best – singing and governessing children. And what could be more C (for Context) than The Sound of Music? Sorry, but someone wasn’t doing their homework!

It’s got singing (and dancing) nuns, gorgeous scenery, improbable romance, a catty baroness, and just when you think it’s all over, when the wedding bells finally stop ringing, the Nazis come marching in. I realize that this schmaltzy musical is a little dated, and it never really found an audience in Germany or Austria, which is where it takes place after all. But ask a Brit or an American and it’s a classic; it is even rebroadcast on TV every Christmas in the States.

But three hours and an intermission later I cheered and cried as they escaped from Salzburg by foot over the Alps and eventually to a wonderful new life in Vermont, in the United States. Only now has it occurred to me the great geographic fallacy that has been perpetrated on the English speaking film goers for the last 45 years: had the Von Trapp family really hiked to freedom from Salzburg over the Alps, they most probably would have ended up at the Eagle’s Nest in Germany! 

Robby / Jurymitglied ELSE