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Alle Einträge der Kategorie: Das Gold in der Gosse

jiu-jitsu in der liebe

Veröffentlich von sis am 13. März, 2009

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hello possums, aus gegebenem anlass für einen freund und für andere betroffene weise hinweise:
“wenn wir einen freund in tiefer verzweiflung sehen, weil er von jemandem verlassen wurde, der seiner nicht wert ist, müssen wir bedenken, dass es eine art gibt, jemanden zu verlassen und doch nicht zu verlassen, ihm zu bedeuten, dass man ihn liebt und zur rückkehr bereit ist, aber nie zurückkehrt und so die beziehung in einen zustand des schleichenden zerfalls überführt. diese technik ist erlernbar wie ein jiu-jitsu-griff. der verlassene ist immer psychisch angeschlagen; das ego ist an seiner empfindlichsten stelle verletzt und wird zurückgeworfen auf die trennungs- und zurückweisungsängste der kindheit. auch völlig unbedeutende wesen verstehen es, diesen zustand zu verlängern und bei bedarf zu reproduzieren – wie etwa die erdwespe, die eine raupe ins nervenzentrum sticht, so dass sie gelähmt wird, aber am leben bleibt.”
(palinurus)

was fördert im augenblick erhebend die angeschlagene laune?
ein MUST ist désirée nick und ihr neues programm! ein mädchen aus dem volk, fürwahr, und la nick wird einfach immer besser! wie eine kritikerin so recht sagte, sie greift in jede zur verfügung stehende toilette, aber sie macht sich nie dabei die finger schmutzig. wenn de keene bohnen in de ohren hast, gehste hin, dalli aber ooch!

außerdem folgende cds zum stimmungshoch:
marc almond: heart on snow
van morrison: astral weeks live at the hollywood bowl
judee sill: heart food (ihre zweite)
judee sill (ihre erste)
gene clark: no other

so! im nächsten blog gibt es unter dem titel EIGENKRÖNUNG EINER HOFSCHRANZE alles, aber auch wirklich alles zur aktuellen annie leibovitz-ausstellung. stay tuned!

bloody valentine

Veröffentlich von Egbert am 2. Februar, 2009

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das beste am valentinstag ist, dass er vorbeigeht, das üble an diesem feiertag des billigen sentiments ist, dass er wiederkommt. okay, er hat auch sein gutes: die floristen orgasmieren, die kitschkartenproduzenten gleichfalls (wenn auch nicht zusammen). ich bin seit einer dekade von diesem tag betroffen, da mein freund absolut darauf besteht, long distance (er lebt hinter moskau in der provinz) süssholz zugeraspelt zu bekommen. einmal dachte ich mit absicht nicht daran, schon wurde long distance meine liebe in frage gestellt. das nervte und war longweilig. also füge ich mich brav der konvention. wenn´s schee macht …

mir selbst schenkte einmal ein junge, den ich als lover in betracht zog, an diesem tag einen, wie´s so heißt, “bunten strauß”. vor meinem geistigen auge sah ich ihn bei blume 2000, kein schönes bild, und schon verabschiedete ich mich von der möglichen beziehung. wenn den leuten zu deiner person nichts anderes einfällt als ein paar blümchen … ich meine: blütenblatt vergeht, schweinsleder besteht. wenn´s geht, bitte etwas teureres und/oder originelleres.

an diesem tag sollte man auch kneipen und restaurants meiden, denn die werden sicher von rosenverkäufern gestürmt. die sind ja inzwischen so hart am verkauf interessiert, dass sie sogar einzelpersonen ihre blumen anbieten. ansonsten empfiehlt sich immer der freundliche satz: “danke, wir haben schon gefickt”. fröschen sollte man an diesem tag ebenfalls aus dem wege gehen. in der szene sind nacht für nacht schon genügend frösche unterwegs, und den meisten leuten tut diese ganze froschküsserei nicht gut (sumpfherpes). ich selbst traf einmal am kadewe einen frosch. wo er wohl herkam? die beine waren jedenfalls noch dran an ihm. er sah mich lange und lüstern an. ich starrte fasziniert auf den ungewohnten anblick. schließlich sagte er kess: “na, du, du bist doch ein detlev, wie wär´s? willst du mich nicht küssen? vielleicht bin ich ein prinz?” ich war baff, so etwas erlebt man als mann doch selten, aber nachdem ich mich gefangen hatte, sagte ich: “nein, danke. ich finde sprechende frösche da doch per se wesentlich interessanter.”

was täte ich für diesen tag auf den iPod packen?

GOD ONLY KNOWS (the beach boys)
I SAY A LITTLE  PRAYER (aretha franklin)
DAS ZWEITE KLAVIERKONZERT (shostakovich)
MACARTHUR PARK (jimmy webb oder donna summer)
MOON RIVER (henry mancini)
BE MY BABY (the ronettes)
FREE MONEY (patti smith)
UPSIDE DOWN (diana ross)
GIMME SHELTER (the rolling stones)
I´M YOUR MAN (leonard cohen)
I WANNA BE YOUR DOG (the stooges)
WINDSWEPT (roxy music)
AKHSAN NASS (dalida)
LAYLA (derek & the dominos)
GEORGIA ON MY MIND (ray charles)
MIDNIGHT TRAIN TO GEORGIA (gladys knight and the pips)
RAINY NIGHT IN GEORGIA (brook benton)
ASTRAL WEEKS (van morrison)
LIKE A HURRICANE (neil young)
TELEGRAM SAM (t. rex)
LITTLE RED CORVETTE (prince)
STAND BY ME (ben e. king)
THE LETTER (the box tops)
AIN´T NO CURE FOR LOVE (leonard cohen)
RUNAWAY (del shannon)
UNDER THE BOARDWALK (bette midler)
THIS GUY´S IN LOVE WITH YOU (herb alpert)
HALLELUJAH (john cale oder jeff buckley)
TINY DANCER (elton john)
I NEVER LOVED A  MAN (aretha franklin)
LES VIEUX AMANTS (jacques brel)
YOU SEND ME (sam cooke)
VANLOSE STAIRWAY (van morrison)
DANCIN´ BAREFOOT (patti smith)
THE KISS (judee sill)
VIVANT POÈME (barbara)
UNLIMITED CAPACITY FOR LOVE (grace jones)
WILD IS THE WIND (david bowie oder nina simone)
ICH WERDE DICH LIEBEN (marlene dietrich)
VESOUL (jacques brel)
IL N´AURAIT FALLU (léo ferré)
REACH OUT I´LL BE THERE (the four tops)
FISTFUL OF LOVE (antony and the johnsons)
AIN´T NO MOUNTAIN HIGH ENOUGH (marvin gaye & tammi terrell)
ANY DAY NOW (elvis presley)
I WANT YOU (bob dylan)
GLORIA (patti smith)

movie madness

Veröffentlich von Egbert am 29. Januar, 2009

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hello possums, trainiert euer sitzfleisch, denn in wenigen tagen sitzt ihr wieder im dunkeln, mit der hoffnung auf cineastische erleuchtung, und: sie wird euch gewährt werden. dieses jahr wieder in der sektion panorama (verdienstvoll mit einem -unter anderem – traditionell queeren fokus), die -wunder über wunder! – den 30. geburtstag feiert! also, beweist euren dank unter anderem auch an der kinokasse! ich selbst möchte einen film besonders empfehlen, und lasst euch nicht von der länge (191 minuten) abschrecken, der film hängt keine minute durch! RABIOSO SOL, RABIOSO CIELO, ein werk aus mexiko, das sich fassbinder, genet, mishima und pasolini morgens um 3 im banne des mescal ausgedacht haben könnten. eine mythisch-mystische, labyrinthische geschichte von der geburt und vom triumph der liebe. mit viel sex als bonus, also…

und ich freue mich auf sean penn als harvey milk im biopic MILK. gibt es in hollywood einen mutigeren schauspieler derzeit als penn? er übernimmt rollen, die so schwierig sind, dass sie quasi unspielbar sind. ein autistischer mann, ein rächender vater (jenseits von grossartig: MYSTIC RIVER!) , ein sterbender professor, ein überdrehter loser. schön, dass er  jetzt mal in MILK einen glücklichen menschen spielt. und noch einer meiner favoriten: ANDER, das ist BROKEBACK MOUNTAIN mit  happy-end – it´s kleenex-time again!

ein genre, das ich sehr schätze, sind  die nuttenfilme. aber eigentlich sind ja die meisten filme irgendwie nuttenfilme, wenn sie von der komplex-komplizierten verbindung zwischen geld und macht und sex und liebe handeln. fassbinder hatte kein anderes thema. hallo! gibt es größere nutten als jane fonda in KLUTE, anna karina in VIVRE SA VIE und elizabeth taylor  in BUTTERFIELD 8 zum beispiel? und da ist noch giulietta massina in LE NOTTI DI CABIRIA, ein film, der mein teenagerleben völlig veränderte.

und das ging so:

das licht verglimmt, ich befinde mich in der turbulenten dunkelheit der resi-lichtspiele in radolfzell am bodensee. mit einem kerl geht cabiria ein verkommenes römisches flussufer hinunter. ich bewundere sie sofort masslos. die sitzt nicht verklemmt in einem kino herum wie ich, die nimmt sich ihre liebhaber. und dann ist sie da mit einem anderen mann. sie trinken roten wein auf einer terrasse am meer. voller liebe zieht sie eine fette rolle lirescheine hervor. für dich, amore, für uns, für ein neues leben. der mann sieht sich verstohlen um. pack es weg, das geld, flüstert er. dieses etwas schäbige an der ganzen gestalt, die ascheschwere zigarette im mundwinkel, der bartschatten, das war damals immer ein böses zeichen. und jetzt hat er eine dieser verdächtigen sonnenbrille aufgesetzt! plötzlich weiss ich, was da kommen wird. aber ich sträube mich dagegen, bis zum ende. so weit bin ich also mit ihr gegangen. der kerl schlägt einen spaziergang vor. ein komplizierter sonnenuntergang steht bevor. cabiria rennt, trunken vor glück, zum rand der klippe und badet im flimmernden licht. was für ein seltsames licht, flüstert sie. und ich schwöre, wenn dieses schwein sie von der klippe wirft, gehe ich nie wieder ins kino! aber fellini hat ein erbarmen mit mir. nach dem handgemenge liegt cabiria im laub des wäldchens. es ist ganz still. sie rafft sich auf und taumelt, ihrer selbst entledigt, auf die strasse zu. eine gruppe von jungen und mädchen kommt ihr singend entgegen. ein mädchen grüsst cabiria mit einem fröhlichen buona sera. ich sehe cabiria, die durch tränen hindurch mich anblickt und zurücklächelt. sie hat ihr erspartes verloren und ihre liebe, aber sie hat immer noch sich selbst. das würde man nicht vergesen, das schien wichtig, schon damals …

warnung vor einer strasse!

Veröffentlich von sis am 22. Januar, 2009

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„we kehr 4 you“, dichtet die berliner stadtreinigung in einem affigen versuch, hip zu sein, aber jungs, wann denn nun?! noch sehen die straßen irgendwie aus wie unser inneres: unaufgeräumt, lädiert, gerupft. die guten vorsätze, beschwingt an silvester gemacht, sind bereits gebrochen worden, und uns dämmert, dass das neue jahr wohl so ähnlich verlaufen wird wie das alte. und der himmel über berlin sieht in diesen trüben januartagen meistens aus wie nasser zucker oder so, als hätte jemand alte zeitungen über die sonne geklebt.

nun freuen wir uns zwar auf die berlinale, insbesondere auf die lichtgestalt von tilda swinton, aber bis dahin? bestimmte dinge müssen in diesem fragilen psychischen und emotionalen zustand unbedingt gemieden werden, so zum beispiel ein gang über die wilmersdorferstraße vom kurfürstendamm bis hin zum richard-wagner-platz. ich tat´s vor kurzem trotzdem unüberlegt und …

meine lieben, der lärm, die leute! hier sehen selbst babies bedrohlich aus. delirierende endspielsäufer stolpern, ihre requiems lallend, wie in einem unmöglichen tagtraum an mir vorbei, nicht ohne ausgesuchte passanten mit der präzision eines schweizer uhrwerks mal um etwas kleingeld anzuhauen. die beleidigungen der straße erleidet jeder großstädter, unanhängig von klassen- und kastenzugehörigkeit. niemand findet im strömenden regen ein taxi, alle erleiden die existenzielle prüfung eines stadtbahnstaus. der selbstmörder wirft sich, um alle zu nerven, natürlich während des berufsverkehrs vor die u-bahn. und dann platzt dir eine einkaufstüte mitten in der fußgängerzone, und sofort wünscht man nichts sehnlicher, als einen gaffer zu ohrfeigen. fragen werden mir gestellt: was macht dein theaterstück? ist da drüben vor woolworth nicht dein ex-lover? suchst du immer noch eine billige wohnung in beverly hills? wo ist hier die nächste dunkle kaschemme mit einer anständigen jukebox? raus aus dem tageslicht! der resttag muss in goldene splitter zerschlagen werden!  

aber da sind noch andere! die frau an der bushaltestelle, die uns die ungerechtigkeit zuschreit, die sie erlitten hat: der mann hat das sorgerecht über die kinder und den hund, das sozialamt will nicht zahlen, auch sie war einmal jung! ihr gesicht sieht dabei aus wie eine leere suppendose. und vor allem die subtileren versionen dieser spezies, deren lieblingstreff die wilmersdorfer ist. gemeinsam einsam! die flackernden augen, der inhalt des einkaufswagens im discounter-supermarkt (pensionisten und alleinstehende/gebliebene erkennt man sofort: eine packung schnittbrot, ein joghurt, ravioli für 76 cent, pinkfarbene day-glo-wurst), die “flotte” kleidung, die nutzlosen eitelkeiten der sozial gescheiterten. diese menschen taumeln an der grenze zum ganz persönlichen wahnsinn und halten sich durch einen schieren akt der verzweiflung noch 10 oder 15 jahre im sozialen netz, dann gleiten sie ohne klage und umstände in einen zustand jenseits der reparatur. 

dennoch: stay tuned! pray like aretha franklin! jetzt kaufen: “what´s going on” von marvin gaye!  als nächstes: alles zum valentinstag und zum filmfestival! dann ein selbstinterview zum thema geld, provokantes zur männlichen prostitution, gedanken zur obama-manie und zum rassismus (jetzt bitte keinen gospel-kurs belegen!)

wege zum erfolg

Veröffentlich von Egbert am 9. Januar, 2009

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dear possums, zunächst ein wort in eigener sache und zu eurem wohle.
schüchternheit ist eine tugend, die nie belohnt wird, und der weg zum gesellschaftlichen erfolg (ob im auswärtigen amt oder in der letzten blowjob-kaschemme) ist charmante unverschämtheit. mir ist das zwar nie so richtig gelungen… und nun gehe ich auf die 50 aus der falschen richtung zu… aber glaubt es mir trotzdem. deshalb jetzt etwas eigenwerbung:  im aktuellen l-mag meine gedanken zum verhältnis schwule und lesben nachlesen!

ansonsten zum thema erfolg: “wer grosses wagt, setzt unvermeidlich seinen ruf aufs spiel.” (vauvenargues)

oder auch: 

“ein junger mann, der heiraten wollte, fragte seinen onkel um rat, einen alten höfling aus dem gefolge des prince of wales. “niemand will dich heiraten, so wie du bist”, sagte sein onkel. “du brauchst schliff, ein persönliches aroma. besorge dir ein haus, lerne etwas über einrichtung und malerei, kauf die neuesten bücher, höre musik; du musst die richtigen gäste einladen und wissen, wie man einen trockenen martini mixt. dann hast du etwas zu bieten, und die richtigen mütter werden sich um dich reissen.” der junge mann tat, wie ihm geheissen, und etwa fünfzehn jahre später meldete er sich erneut bei dem greisen wochenendler in fort belvedere, dessen alte augen nun meist feucht von tränen oder vom alkohol waren.

“mein haus ist fertig”, krähte der junge mann aufgeregt. “die bilder sind die reine seligkeit, die einbände aus grünem maroquin fangen das licht der abendsonne ein; meine louis-seize-kommoden wölben sich in den nischen, malvern water und bisquits stehen neben jedem bett, und in jeder toilette wird das toilettenpapier, lose arrangiert aus parfümierten blättern, mit einem bunten stein beschwert. ladys weinen sich in mein leben hinein und husten sich wieder hinaus; niemand, der zum luncheon kommt, weiss hinterher noch, was er dort gesagt hat. endlich bin ich eine perfekte partie. was soll ich tun?”

der alte beau lachte und zündete sich seine dritte zigarre an. “nur weiter so”, sagte er schmunzelnd. “ich glaube, dich haben wir aus dem gröbsten raus.”
 

WAS, DU FROSCH, SCHON 2009!?

Veröffentlich von Egbert am 5. Januar, 2009

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no reason to get excited, the thief he kindly spoke/
there are many here among us, who feel that life is but a joke/
but you and i, we´ve been through that/
and this is not our fate/
so let us not talk falsely now,
the hour is getting late.
(dylan/hendrix “all along the watchtower”)

song of the day: “warwick avenue” (duffy) – es gibt nicht süsseres zum einstieg in den tag! teenage wasteland, die billigsten, die tiefsten gefühle … und die frau weiss, was sie will. zum knuddeln!

worte des trostes:
wenn man die gedanken der leute lesen könnte, die sich lieben, würde man erschrecken.

goethe: “jeder mensch, der beste wie der elendeste, trägt ein geheimnis mit sich herum, das ihn allen anderen verhasst machen würde, sollte es bekannt werden.”

da lacht das community-labor! wiener witz! egon friedell: “ich verstehe nicht, wie jemand homosexuell sein kann. das normale ist doch schon unangenehm genug.”