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Alle Einträge der Kategorie: Berlin

Von Höhlen und Albinokrokos

Veröffentlich von elsejury am 14. Februar, 2011

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In der Chauvet-Höhle im südfranzösischen Ardeche-Tal befinden sich die ältesten derzeit bekannten Höhlenmalereien und Höhlenzeichnungen der Welt. 1994 wurden sie entdeckt und geben der Wissenschaft seither Rätsel auf. Einige der Malereien sind über 30.000 Jahre alt. Die Höhle war bis zu ihrer Entdeckung gänzlich vor äußeren Einflüssen geschützt, da sie durch einen Steinschlag vor tausenden Jahren verschlossen wurde.

Mit dem Eindringen der Außenwelt gerieten die Malereinen durch Schimmelsporen in Gefahr und musste hermetisch abgeschirmt werden. Nur zu wenigen Tagen im Jahr dürfen Wissenschaftler für einige Stunden in der Höhle forschen. Umso wertvoller ist das Unterfangen des Regisseurs Werner Herzog, diese Höhle filmisch zu erkunden.

Werner Herzog nutzt eine neue Technik für die Dreharbeiten in der Höhle, er filmt mit 3D-Kameras. Das Ergebnis ist tatsächlich spektakulär und dürfte THE CAVE OF FORGOTTEN DREAMS zum Vorbild vieler weiterer Dokumentationen machen. Das räumliche Erleben dieser Höhle ist grandios. Die faszinierenden Zeichnungen und die zutiefst schönen Formationen von Ablagerungen aller Art bannen den Blick durch die 3D-Brille auf die Leinwand, wie es narrative 3D-Filme kaum leisten können. Herzog gelingt durchaus auch der Beweis, dass sich der 3D-Technik mit dem dokumentarischen Film erstmals eine wirklich brauchbare Anwendungsmöglichkeit erschließt. Freilich gibt es schon seit langer Zeit IMAX-Kinos. Doch deren Fokus liegt weniger im dokumentarischen Erzählen, als im bloßen Ausstellen von Schauwerten, sprich es geht ums Entertainment.

CAVE OF FORGOTTEN DREAMS wäre ein idealer Film, könnte man ihn ohne Tonspur erleben. Werner Herzogs Englisch ist eine radikale Aufforderung zum Fremdschämen und seine ätherisch pseudo-philosophischen Betrachtungen sorgten während der Vorführung für Gelächter. Der Epilog dieser Dokumentation ist allerdings besonders deplatziert: Von der Höhle leitet Herzog auratisch murmelnd auf ein AKW, eine Biosphäre und auf die dort beheimatete Albinokrokodile über. Man verlasse den Film möglichst vor dieser absurden Herzogschen Höhlenpredigt. Dann bleibt wenigstens der hervorragende optische Eindruck unbeschädigt.

Andreas und Manuel

Aufruf zum Filmeschauen!

Veröffentlich von elsejury am 13. Februar, 2011

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Viele Denken, ach ich würde ja gerne mal ein paar Filme sehen, aber es gibt keine Tickets oder ich muss zu lange anstehen. Das sind Ausreden! Es lohnt sich, denn es werden tolle Filme gezeigt, die uns Welten eröffnen, die wir im üblichen TV-Brei selten zu sehen bekommen und die wenigsten Filme die hier gezeigt werden, schaffen es jemals in den Filmverleih. Die Berlinale macht Spaß, sie bildet und eröffnet Horizonte.

Hier ein paar Tipps um an Tickets zu kommen: im Kino International und Urania sind die Schlangen viel kleiner als in den Arcaden. Jeder Eventim Ticketschalter verkauft auch Berlinale Tickets, kostet 2,- extra, dafür spart man Zeit. Morgens um 10 Uhr gibt es an den Kinokassen Tickets für Filme, die an diesem Tag gezeigt werden z.B. aus der Presserückgaben.

Mein Zustand nach 4 Tagen und 10 Filmen ist sehr gut, mein Kreislauf und Immunsystem funktionieren noch. Freue mich auf jeden weiteren Film. Bis auf 2 Ausnahmen wirklich alles sehenswert gewesen.

The Terrorists
Ich denke mal, 99% der Zuschauer im Saal haben bei der Premiere des thailändischen Films the Terrorists etwas anderes erwartet. Hintergrund sind die Demonstrationen in Bangkok im letzten Jahr gegen die Regierung. Der Film hatte keine Handlung, es gab keine Dialoge oder zwischenmenschliche Szenen, eine Dokumentation war es auch nicht. Es wurden sehr lange Sequenzen von Fischern, Fischen und anderen Arbeiten gezeigt. Dazwischen immer wieder nackte Jungs die schliefen oder onanierten. Die erotischen Bilder wurden mit regimekritischen Einblendungen unterlegt. Dem Zuschauer hat sich nicht erschlossen, was der Regisseur ausdrücken möchte. Auch die Frage-Antwort-Session nach dem Film hat keine wirkliche Klarheit gebracht. Erst zum Ende wurden ohne Kommentar Szenen gezeigt, wie das Militär auf die Demonstranten geschossen hat und die sichtlich aufgeregte Bevölkerung die Polizei und das Militär beschimpften. Diese Bilder wurden in unseren Nachrichten nicht gezeigt und der Mut des Regisseurs, diesen Film zu machen, verdient Respekt. Der Film wird wohl nicht so bald in Thailand zu sehen sein und die Kritik an der Regierung und dem Königshaus kann nur im Ausland gezeigt werden. Ich denke, dass es ihm einfach nicht gelungen ist, eine bewegende Geschichte innerhalb dieser Geschehnisse zu entwickeln, die das Schicksal der Menschen während der Unruhen gezeigt hätte. Es lag wohl einfach am mangelnden Können. Schade um das spannende Thema. Nicht sehenswert.

Fjellet
Ich kann mich meinen Kollegen nur anschließen. Ein hervorragendes Filmdebut mit einer guten Filmtechnik, guter Story und emotionaler Tiefe. Interessant war für mich, dass mir die Tränen erst am Ende kamen als der Abspann schon lief, wie auch bei den beiden Darstellerinnen im Film. Sehr sehenswert.

Es grüßt der Patrick

Scherenschnitt trifft 3D

Veröffentlich von elsejury am 13. Februar, 2011

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Ein alter Techniker, ein Junge und ein Mädchen. Diese drei Protagonisten treffen sich Nacht für Nacht in einem alten Kino und erschaffen sich ihre Traumwelten. “Les Contes de la nuit” (Tales of the Night) des französischen Regisseurs Michel Ocelot lief zunächst im Fernsehen. Die Einzelepisoden wurden nun zu einem 84 minütigen Film zusammengefügt. Gerade jenes Gefüge ist es denn auch, dass das Vergnügen an diesem ansonsten gelungenen Film trübt.

Die alte Technik des Scherenschnitts mit der Neuerung des 3D-Kinos zu kombinieren geht rein ästhetisch betrachtet auf. Mit einem an die Grenzen des psychedelisch reichenden Farbregister, bedient der Film eindeutig einen Schauwert. Auf der Erzählebene schafft es Ocelot zwar die klassischen Geschichten ironisch zu brechen, nach den insgesamt sechs Einzelepisoden ist jedoch auch, zumindest für Erwachsene, sättigende Ermüdung zu spüren. Drachen, goldenen Städte und Prinz und Prinzessin, das Mädchen in Gefahr und sein Retter – die Storys der Episoden sind altbekannt. Ein bildstarkes Werk.

Andreas und Manuel

Berlinale 2010

Veröffentlich von berlinale2010 am 25. Februar, 2010

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Mein - eventuell verrücktes – Berlinale Facit: queeres Leben als erfolgreiches Zukunfts- und Überlebensmodell. Warum? Nicht Machos oder Emanzen sondern Fummeltrinen, die es leid waren von der Polizei wegen ihrer Klamotten angemacht zu werden, schlugen damals zurück (Stonewall-Bar 1969 in New York: “N.Y. Memories”, “Making the Boys”, “Beautiful Darling”). Jetzt sind Lesben und Schwule auf dem Weg zur Vorzeigefamilie (“The Kids are allright”), aber auch die ersten Scheidungen drohen (“Nascidas para sufrir”). Neben dem lebensnotwendigen Herz und Schmerz (“I shot my love”) fehlen auch nicht die kleinen Leidenschaften (“The Feast of Stephen”, “Franswa Sharl”).

Das queere Menschen kreativ sind, ist nie bestritten worden: Sie sind Muster und Reservoir für alle Aspekte hedonistischen Lebens. In diesem Sinne wurde die ELSE-Jury vom Jackwerth-Verlag zum abschließenden  Berlinale-Abschiedsabendessen eingeladen. Das “Rosa Caleta” in den Räumen des früheren Geheimtips “Abendmahl” in der Muskauer Straße 9 pflegt die Tradition karibischer Gastlichkeit. Nach dem das “Caribe” in der Motzstraße einer reizlosen Bar gewichen ist, haben Freunde exotischen Essens wieder eine Adresse. Und damit wir, die Juroren, keine Entzugserscheinungen bekommen, stehen wir für 6 Monate auf der Gästeliste der Siegessäule bei MonGay. Danke für alles und bis die Tage.

Michael ELSE-Jury

G-Punkt und weibliche Ejakulation

Veröffentlich von Céline Robinet am 17. November, 2009

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Letzten Donnerstag präsentierte der Erotische Salon in Kooperation mit dem Frauen-Erotikshop La Luna  einen Vortrag von Deborah Sundahl zum Thema Weibliche Ejakulation und G-Punkt. Der Berliner Pinellodrom war voll, ca. 150 Gäste hatten Platz genommen, die Erwartung war groß, um die Autorin, Sexberaterin und erste lesbische Pornoverlegerin von On Our Backs Magazine zu hören.

 

 

Gute Nachricht. Männer urinieren und ejakulieren aus der selben Harnröhre, erzählte Deborah Sundahl, und doch ist Urin nicht gleich Sperma. Bei Frauen ist das genauso. Die weibliche Prostata sei voller weiblichen Ejakulat, das der Urin nicht gleiche. Frauen sollen also keine Angst haben, sich gehen zu lassen, wenn sie beim Geschlechtsverkehr das Gefühl haben, eine Flüssigkeit möchte raus - beim Sex könne man sowieso nicht urinieren.

Zum einen.

Den G-Punkt, erklärte die Referentin weiter, können wir mit bloßem Auge sehen. Stellt einfach einen Spiegel vor den ausgespreitzen Beinen, klappt die Schamlippen auseinander und drückt mit den Muskeln vor. Das Photo von Elena aus Nevada, die laut Deborah sich freute, ihren G-Punkt in Berlin zeigen zu dürfen und von der die Referentin uns ganz lieb grüßen sollte, war beeindruckend.   

Und das Publikum war entzückt.

Zum dritten: Diese G-Fläche solle zart wie ein Rosenblatt angefaßt werden – sonst könnte sie zwischen den Fingern zerfallen. 

Ein Mann, der seine Freundin an der Hand hielt, stellte die Frage: „ Frauen kann man ja mit Liebe, Zärtlichkeit, Zuneigung, Vertrauen und eine gewisse Erotik zum Orgasmus bringen. Brauchen sie auch etwas anderes?“ Deborah Sundahl erwiderte, der Mann solle Tango lernen. Kryptisch. Und fast enttäuschend. Wieso sie dann nicht die Gelegenheit nutzte, um ein paar Leute aufzuklären, bleibt unklar.

 

 

Eine Freundin von mir hat ein “Problem”: sie ejakuliert zu viel. Also wollte sie wissen, ob man das kontrollieren kann, sprich, das Spritzen stoppen, wenn sie sich in einem ungünstigen Ort befindet, oder es für den letzten, ganz großen Orgasmus behalten, wenn sie mehrmals hintereinander kommt. Und wenn ja, wie. Deborah antwortete “ja”. “Wie?”, durfte man aber nicht mehr erfahren. 

Eine der (anscheinend wenigen) queeren Personen im Raum wies letztendlich darauf hin, dass weibliche Sexualität sich nicht nur durch Zärtlichkeit, Liebe und Zuneigung kennzeichnet, manche Frauen würden es nämlich auch hart mögen. Applaus im Publikum.

 

Überraschenderweise gab es einen zweiten Star an dem Abend: Katharina Nitsch, die Englisch-Dolmetscherin. Sie übersetzte mit so viel Enthusiasmus und Spontaneität – und schien dabei ein paar Sachen über weibliche Anatomie und Sexualität zu entdecken, und sie freute sich so offensichtlich darüber, dass sie ein Spektakel an sich wurde. 

Katharina Nitsch (links) und Deborah Sundahl (rechts) 

Alle Fotos: Enno E. Peter

 

Umfrage: Wie sicher ist Schöneberg?

Veröffentlich von sis am 28. Oktober, 2009

5 Kommentare

Hier die Video-Umfrage zur aktuellen Siegessäule Titelgeschichte im November. Wir fragten Passanten , ob ihrer Meinung nach die Gewalt gegen Schwule, Lesben und Trans* im Kiez zugenommen hat.



Was sind deine Erfahrungen? Entsteht in Schöneberg ein Angstraum? Oder sollten alle mal wieder runterkommen und keine Hysterie schüren?