Geschenke, Geschenke, Geschenke
Veröffentlich von Katharina Runge am 4. Januar, 2012
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Unser erstes Weihnachten liegt hinter uns. Noch ist Jordan zu klein für glänzende Augen und große Erwartungen. Ich habe festgestellt, dass mich diese Vorstellung auch eher beunruhigt. Dieses bange Warten, ob die Wünsche erfüllt werden, ist mir suspekt. Das Prinzip, bei Kindern Hoffnungen zu wecken, um sie dann großzügig zu erfüllen, finde ich fragwürdig. Vielleicht sehe ich das zu kritisch, aber diese Geschenke-Arien habe ich noch nie gemocht.
Zum Glück ist es Jordan noch herzlich egal, woher die Gegenstände kommen, mit denen er sich befasst. Doch eines Tages wird sich das ändern und ich hoffe ich werde gelassen damit umgehen können. Ich hoffe, dass er sich einfach über seine Geschenke freuen wird und was da alles dranhängt, Dankbarkeit, Liebe und so weiter, das wird er dann auch lernen, so ist nun mal das Leben.
„Für Weihnachten und Geburtstag zusammen“
Bei uns kommt hinzu, dass Jordans Geburtstag und Weihnachten sehr dicht beieinander liegen. Schon während der gesamten Schwangerschaft sagten alle: „Oh, hoffentlich kommt er nicht an Weihnachten.“ Das nervte mich nach einer Weile so sehr, dass ich es selber gar nicht mehr so schlimm gefunden hätte, wenn es passiert wäre. Nun hat Jordan einige Tage nach Weihnachten Geburtstag. Wir hatten uns fest vorgenommen, die beiden Feste streng voneinander zu trennen. Aber schon beim ersten Mal ist es uns nicht so richtig gelungen. An den Weihnachtsfeiertagen besuchten wir die 500 Kilometer entfernt wohnende Familie meiner Frau. Dort bekam unser Kind Geschenke, die „für Weihnachten und Geburtstag zusammen“ gedacht waren. Oder es gab ein extra Geschenk, das aber unbedingt schon ausgepackt werden sollte, weil wir ja an seinem Geburtstag nicht mehr da wären.
Jetzt finde ich das nicht so schlimm, er kann das ja noch nicht so gut auseinander halten. Aber ich möchte nicht, dass an Weihnachten das Schenken schon abgehakt ist und für den Geburtstag nichts mehr oder nur wenig übrig bleibt. Ich fürchte allerdings, es wird sich nicht vermeiden lassen.
Spannend ist das Verbotene
Jordan hat Unmengen an Spielzeug bekommen, wir wissen jetzt schon nicht mehr wohin damit. Wir haben einiges zur Seite gelegt, um es später wieder hervorzuholen, aber auch dadurch ist es nicht merklich weniger geworden. Doch am interessantesten für ihn sind Alltagsgegenstände und Dinge, die er eigentlich nicht in die Finger bekommen soll: Handys, Messer, Gabeln, Schlüssel, kleine verschluckbare Gegenstände und so weiter. Jordan ist jetzt ein Jahr alt und ich habe den Eindruck, dass er alles, was man ihm zum Spielen hinhält, schon genau deswegen langweilig findet. Er scheint für sich herausgefunden zu haben, dass die wirklich interessanten Dinge die sind, die man ihm nicht freiwillig gibt.
Was mein Mutterherz allerdings sehr freut, ist die Tatsache, dass Jordan Bilderbücher mag. Er krabbelt zu seinem Regal, zieht ein Buch nach dem anderen heraus. Wenn er sich für eines entschieden hat, klappt er es umständlich auf, zeigt auf etwas und brabbelt vor sich hin. Ich finde das wunderbar anzusehen. Wann immer mich jemand fragte, was man ihm zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken könne, sagte ich: Bilderbücher sind immer gut, davon kann man nie genug haben. Doch: weder zum Geburtstag, noch zu Weihnachten gab es auch nur ein einziges Bilderbuch! Dieses Phänomen beobachte ich schon seit Jordans Geburt: Die konkrete Äußerung von Wünschen scheint die Phantasie derartig anzuregen, dass am Ende etwas ganz anderes herauskommt.







