Eigentlich sollte ich ja vollkommen durch sein, aber langsam reißt auch mich der Hype so mit, dass ich jetzt, um 2:54 Uhr nachts, trotzdem glockenwach bin.
Nr. 1 der heutigen Filme, “Look at me again” aus Brasilien, hatte von mir Vorschusslorbeeren, weil es dort um einen Transmann ging — ein Thema, das durch “Romeos” und “Boys don’t cry” filmisch bereits kongenial angegangen wurde.
Die Lorbeeren waren aber schnell welkes Grünzeug, da der Film aus meiner Sicht eine Riesenenttäuschung und einfach nur peinlich war. Der Protagonist ging mir von Anfang an mit seinem unverhohlenem Machogehabe und nur schlecht verhohlener Homophobie gelinde gesagt auf den Sack. So sei er Trans*, weil es für ihn undenkbar wäre, Sex mit einem Mann zu haben und er sich unmännlich fühlen würde, wenn jemand denken würde, dass er mit Männern schläft. WT****?! Ich bin auch Trans*, mag u.a. Sex mit Männern, aber wollte dafür im Gegensatz zum Protagonisten z.B. niemals schwanger werden, weil das wohl die brachialste Konfrontation mit physischer Weiblichkeit überhaupt ist. Besonders aber regt mich auf, dass hier wieder sexuelle Orientierung und sexuelle Identität in einen Topf geworfen werden. Liebe Kinder: Nicht jeder Trans*mensch ist hetero, und das ist auch gut so. Punkt.
Leider schlug der Film durch das aufgegriffene Thema “Mutterschaft” dann auch noch ganz eigenartige Brücken zu Genetik und Erbkrankheiten, was ich in Kombination mit dem Trans*thema für grob fahrlässig halte, weil es kruden Theorien Tür und Tor öffnet. Aufklärung geht anders, und die Hauptfigur hat für mich als Transmann ungefähr soviel Identifikationspotential wie der Papst. Fazit: Thema verfehlt, setzen, sechs!
Folgefilm “Bugis Street Redux” war die erste halbe Stunde ganz nett, aber dann anstrengend, weil zu laut und zu schrill. Und die Story strotze nicht wirklich vor Originalität: “Naives Landei gerät in ein billiges Hotel in Singapur mit lauter bunt angemalten Shemales und lernt nach dem ersten Schock hilfreiches über das Leben und die Liebe — bunt anmalen inklusive — sowie die Tatsache, dass auch Frauen mit Penis echte Frauen und tolle Menschen sein können. Sag bloß.
Es folgte “Women de Gushi” (“Unsere Geschichte”) aus der VR China über die Versuche, ein queeres Filmfestival in Beijing zu etablieren. Trauriger Fakt ist natürlich, dass dies auch heute noch torpediert wird. Zwar ist Homosexualität in China nicht (mehr) offiziell verboten; dies aber nur, weil es sie offiziell nicht gibt. Genausowenig wie HIV und Drogenprobleme. Insofern wird die öffentliche Demonstration der Tatsache, dass es eben doch queeres Leben im Reich der Mitte gibt, von der KPCh nicht gerade goutiert. Daher auch hier mein aufrichtiger Respekt gegenüber den Aktivisten für ihren Mut und ihre Beharrlichkeit sowie Dank an das Filmteam für die kurze, aber aussagekräftige Doku.
Morgen geht es schon um 10:30 weiter, was für mich Aufstehen in 5 Stunden bedeutet. Körperlich wird’s langsam anstrengend … der Teint ist auf jeden Fall jetzt schon ruiniert. Aber wann kann man schon so viel in so kurzer Zeit erleben?
Mayk Dorian