Siegessaeule BlogSchwul-lesbischer Blog für Berlin und Deutschland

Einträge mit dem Stichwort: Berlinale2010

Porno-Premiere im Berlinale Palast

Veröffentlich von berlinale2010 am 16. Februar, 2010

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In Berlin kommt es ja manchmal vor, dass man unvermittelt in einen Hundehaufen tritt. Mir ist heute etwas ganz ähnliches passiert. Nichts Böses ahnend gehe ich zur Premiere von Koji Wakamatsus CATERPILLAR und finde mich plötzlich inmitten der Ökumenischen Jury sitzend wieder.

Nicht so schlimm, denke ich, ICH bin ja tolerant. Bis zum Ende des Films war auch alles schick. Dann Abspann, das Publikum applaudiert. Und was macht die Jury-Dame neben mir? Steht auf und buht als einzige den Film aus. Mir war nicht klar warum, bis sie sich zusätzlich noch lautstark mit “Das ist ein Porno unter dem Deckmantel eines Anti-Kriegsfilms!” entrüstete.

Ja, in CATERPILLAR wird Sexualität gezeigt. Aber bestimmt nicht von der Sorte, die man sich Samstag Abend mit der Freundin in den DVD-Player einlegt. CATERPILLAR zeigt in eindringlichen und auch ziemlich verstörenden Bildern viele der grausamen Seiten des Krieges. Auch Sex. Die betreffenden Szenen waren sicher keine leichte Kost. Einige Zuschauer haben das Kino verlassen. Aber Pornografie? Ich möchte von mir behaupten eine gesunde Einstellung zu Sexualität zu haben (jaja, ich weiss, das würden die Kollegen aus der Ökumenischen Jury auch anders sehen…), daher empfand ich bis zu oben genannten Ausbruch der Dame neben mir die Sexszenen ganz pragmatisch als absolut notwendiges Mittel diese Geschichte zu erzählen. Keine Ahnung, wie man diesen Film mit Pornografie in Verbindung bringen kann.

Und falls doch, hat sich die hinter mir sitzende Mitjurorin hiermit geoutet, privat Pornos als Einschlafhilfe zu konsumieren. Sie verbrachte den Film nämlich laut schnarchend im Tiefschlaf.

(Silvi)

Demonstrationsrecht und Meinungsfreiheit

Veröffentlich von berlinale2010 am 13. Februar, 2010

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Entschuldigt bitte, dass ich doch nicht gestern nach Mitternacht noch berichtet habe. Ich habe gestern 4 Filme gesehen. Zwei der Filme waren aber wirklich beeindruckend.

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HOWL, was auf Deutsch „Das Geheule“ bedeutet, ist der Titel eines Gedichts von Allen Ginsberg, das 1957 für Furore sorgte. Der Verlag des Dichters Ferlinghetti wird verklagt, weil das Buch obszön sein soll. In einem lächerlichen Prozess wird Ginsbergs Buch vorgeführt. Zu den GutachterInnen des Staatsanwaltes gehört zum Beispiel eine Frau, deren größte Errungenschaft die Übersetzung des „Faust“ ist. Die Frage ist nicht, wie viel Freiheit ein Dichter besitzt, die Frage dabei ist, wie rechtsstaatlich Amerika ist. Die Entscheidung des konservativen Richters wird Euch überraschen. Aber beeindruckend ist James Franco in der Rolle des Ginsberg . Er ist so zart und so liebevoll, er lebt seine Freiheit des Wortes in den Gedichten richtig aus. Die Worte schocken das konservative amerikanische Volk und fordern die Verfassung heraus.

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Heute geht es für mich also um Freiheit.

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Natürlich sehe ich mir nicht nur queere Filme an. Ein anderer Film war unheimlich beeindruckend, da haben mich Matteo, Klaus und Moritz mitgeschleppt. Tausend mal Dank an Euch Drei! Leider wird der Film bei unserem Voting nicht im Betracht gezogen.

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Der Film heißt DUE VITE PER CASO – ONE LIFE MAYBE TWO: Die Idee zu diesem Film kam durch die Ereignisse vor einigen Jahren beim G8 Gipfel in Genua. Der G8-Gipfel in Genua hatte etwas von den heutigen Demos im Iran: Überfälle Mitten in der Nacht, Erschießung eines Demonstranten etc. etc. Die Taten der Carabinieres damals sind ungesühnt geblieben. In dem Film ging es um ein Ereignis mit zwei Verlaufsmöglichkeiten und zwei Plots. Der Film endete damit, dass man dann doch eines Tages seinem Spiegelbild gegenüber steht. Eigentlich sehr moralisch „Tue keinem an, was Du Dir nicht angetan haben möchtest.“ Wie im realen Leben also bleibt hier die Demonstrationsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit auf der Strecke.

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Ach ja, das reale Leben: Der Bundesrat lässt Elena passieren. Elena ist das Instrument, um uns Alle überall und jederzeit zu kontrollieren. Großen Dank an die neue Regierung für das Big-Brother-Feeling. Der Bruder des früheren iranischen Präsidenten Chatami wurde gestern festgenommen. Und Demonstrations- und Meinungsfreiheit hier in Deutschland: Was ist damit? Heute ist in Dresden eine Anti-Nazi Demo. Es gab Plakate mit einem Aufruf zur Teilnahme, die schon vor Wochen beschlagnahmt wurden, also Repressalien und Festnahmen gegen Anti-Nazis und nicht gegen Nazis. Trotzdem haben Viele, darunter auch ich, weiter zu den Antifaschisten gehalten.

Kati

Endlich hat die Berlinale 2010 begonnen…

Veröffentlich von berlinale2010 am 12. Februar, 2010

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… ich weiss gar nicht, wie ich meiner Freude, Audruck verleihen soll. Dass ich es gerade bin, die gemeinsam mit anderen 6, schon heute als Freunde zu betrachtenden JurorInnen entscheiden darf, wer unter 27 Filmen,  mit der ELSE beglückt wird. Etwas fällt mir gerade auf, wie oft ich in den letzten zwei Sätzen das Wort Glück und Freude benutzt habe.

Bei den 3 Flimen heute, die ich gesehen habe, ging es nur oberflächlich um Glück und Freude, ich schätze bei den nächsten 24 wird es nicht anders sein. Außerhalb der Berlinale ist es auch nicht besser. Ahmadinedschad erklärt bei einem Feier,  Iran zum Atommacht, während er auf  friedliche DemonstrantInnen schießen läßt. Politiker in Deutschland freuen sich darüber, dass die vorgesehene Kopfpauschale weniger als 10 Milliarden kosten wird, was die Frage aufwirft, ob dies nicht doch auf Kosten derjenigen statt findet, die nichts haben, z. B. HIV-Kranke, die mit ihrer geringen Rente, irgend wie überleben müssen.

Ich bewege mich zwischen zwei Welten, innerhalb und außerhalb der Berlinale. Doch ist Alles miteinander verknüpft.

Der Film ROCK HUDSON- DARK AND HANDSOME STRANGER – SCHÖNER FREMDER MANN  hat mich gerührt. Rock Hudsons  Aids-Krankeit und der Umgang seiner Fans damit, die ihn ewig abgöttisch liebten, machten  mir deutlich, dass wir Menschen den Sinn der Aufklärung doch nicht wirklich verstanden haben. Beispielsweise hat Rock Hudson im Krankenhaus einen Freund zu Besuch gehabt, den er bat ihm den Rücken zu kraulen, da ihn Niemand, auch nicht die Ärzte oder die Krankenschwestern berühren wollten. Das war 1983! Schande, wirklich! Aber was ist heute? Bekannte und Freunde sterben und wir lesen das irgend wann mal irgend wo, anstatt bei ihnen zu sein und ihnen den Rücken zu kraulen.

Nach dem Film dachte ich das war der Höhepunkt der Rührung für heute. Da täuschte ich mich leider gewaltig. POSTCARD TO DADDY war Rührung pur! Was sexueller Mißbrauch verursachen kann, wird in diesem Film deutlich. Die Mutter des Opfers sagt zum Sohn: “Du bist nicht schuld. Es ist immer so. Der Täter macht den Opfer zum Täter.”

Bitte schaut Euch die zwei Filme an und urteilt selbst!

Ich habe noch 24 Filme zu sehen und bin sicher, dass es extrem schwierig wird, zu entscheiden, wer die ELSE bekommt.

Gute Nacht und möge der Tag Euch Glück und Freude bringen!

Kati Pirdawari / ELSE-Jury

Die absolute Stille im Aufführungsraum…

Veröffentlich von berlinale2010 am 12. Februar, 2010

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Nachdem die Credits von „Postcard to Daddy“ verloschen sind, die absolute Stille im Aufführungsraum. Die Else-Jury ist offensichtlich tief beeindruckt. Alle sieben einschließlich der freundlichen Präsentatorin hat es spürbar die Sprache verschlagen. Das ging unter die Haut und wirkt noch eine ganze Weile nach.

 

Dabei haben wir den Film nur in einem der winzigen Aufführungsräume zur Filmsichtung in einem der Bürotürme am Potsdamer Platz auf einem zugegeben großen Plasmabildschirm, aber eben nicht auf einer Kinoleinwand mit richtigem Publikum gesehen.

 

Die Offenheit und die sensiblen Versatzstücke, mit denen Michael Stock die Geschichte seines eigenen sexuellen Missbrauches durch den Vater aufarbeitet, ist außergewöhnlich. Ein Film der nachhaltig beeindruckt und ein wichtiges queeres Statement zu einer schwierigen Thematik. Ein kurzer Blick in den Juryplan zeigt, wir haben keine Gelegenheit diesen Film noch mal auf großer Leinwand im Festival zu sehen. Bleib nur noch Freunden und Bekannten weiter zu erzählen: Diesen Film sollte man gesehen haben….

 

Klaus / ELSE-Jury

 

Die Else-Jury wird von Betreuerin Beatrice in den Untergrund des Potsdamer Platzes eingeführt

Tag 1: Chaos, Freude, nackte Hintern

Veröffentlich von berlinale2010 am 11. Februar, 2010

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Stunden Schlaf: 6,0h
Kaffeedosis: 0,75 Liter

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Der erste Tag auf der Berlinale ist immer hochgradig chaotisch. Aus aller Welt reisen Menschen an, die völlig verzweifelt am Potsdamer Platz umherirren und Ticketcounter, Kinos und Essbares suchen. Mitten drin ich und die Siegessäule Jury. Ihre erste Amtshandlung: Akkreditierungen kriegen, Berlinale Tasche ergattern und gleich mal zwei Filme nacheinander angucken, haben sie mit Bravour bestanden. Wie jedes Jahr stehen überall am Potsdamer Platz große Plakatausteller, die die Filme aus allen Sektionen bewerben. So richtig darauf achten tut eigentlich keiner. Bei all dem Stress bleibt keine Zeit. Doch es gibt ein Poster, vor dem Leute immer wieder wie angewurzelt stehen bleiben, sei es aus Überraschung oder Verzückung. Dieses Jahr läuft im Panorama “Amphetamine” aus Hong Kong, ein Film der sich nicht nur durch seine überbordene Bildsprache auszeichnet, sondern auch weil es ein schwuler Film ist, bei dem für Asien sonst unüblich “full frontal nudity” zu sehen ist. Sprich es gibt Penisse. Natürlich war die Filmfirma nicht dumm und hat diese schlagkräftigen Argumente auch aufs Plakat gebannt – oder sagen wir fast. Das Poster ist eher “full backwards nudity” aber immerhin -und das passiert doch recht selten bei der Berlinale- mitten auf der Straße gibt es jetzt Plakate mit zwei hübschen asiatischen Männern (und einem hübschen asiatischen Hintern), die sich nackt umarmen. Damit auch alle nicht anwesenden Siegessäule Leser davon was haben, war unsere Jury so nett vor einem dieser Poster zu posieren, damit wir den Anschein von Professionalität wahren konnten.

Beatrice