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Einträge mit dem Stichwort: Europride 09

das wunder von zürich

Veröffentlich von AHergeth am 7. Juni, 2009

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manchmal hat man glück und ist bei einem magischen moment dabei. als corine mauch, zürichs bürgermeisterin, das rote band durchschnitt, um den startschuss für den europride – also den zug durch die stadt – zu geben, war so einer. die allererste frau im amt und dann noch eine, die nie ein hehl daraus gemacht hat, dass sie lesbisch ist – ja, das kommt einem wunder gleich. cornine mauch führte den zug an, durch die ganze altstadt marschierte sie vorne weg, manchmal arm in arm mit ihrer frau, meist von europride-verantwortlichen umringt (und einer pressmeute, gab das doch tolle bilder ab).

wunder passt gleich mehrfach. denn der europride hätte ja schon ein jahr zuvor in zürich stattfinden sollen, wurde aber verschoben – wegen könig fussball. gut so, wie sich erst jetzt zeigen sollte, denn so konnte corine mauch das europride-zepter schwingen. und wie sie das tat, hatte charme: mit “sehr verehrte damen und damen, sehr verehrte herren und herren” begrüsste sie die zahlreichen zuhörer ihrer rede zur europide auf grosser bühne. typisch schweiz, sagte die bürgermeisterin ihrem publikum gleich in mehreren sprachen “hallo”. das kam sehr gut an, so wie die botschaft überhaupt: zürich setzt ein starkes zeichen für gleichberechtigung von schwulen, lesben und tansgender. “es gibt noch viel zu tun”, sagte corine mauch und meinte damit nicht nur ihr land, sondern ganz europa – und besonders den osten, wo homosexuelle noch immer drangsaliert werden und “nicht so selbstverständlich wie hier in zürich auf die strasse gehen können”. ihre rede brachte viel beifall, vor allem immer dann, wenn zur sprache kam, dass mit ihrer person eine lesbe das sagen in zürich hat. tolles gefühl, dabei zu sein. lauter magische momente.

wobei: so ganz selbstverständlich ging der europride keineswegs über die bühne. im vorfeld hatte die “familienlobby” stunk gemacht. der verein fundamentalistischer christen hatte dazu aufgerufen, für regen am tag des europride zu beten, damit die “teuflische sache” ins wasser fiele … nun, morgens regnete es wirklich in strömen, auch mittags noch, und kurz vor start des europride. doch dann geschah ein wunder: als corine mauch das band durchschnitt hörte es auf zu regnen und die sonne brach sich bahn. ehrlich. und unglaublich: gänsehaut, lachen, freudenschreie. “wir beten für sonnenschein” war auf einem der vielen transparente zu lesen. es hatte scheinbar genützt. das lag sicher auch an jerome, von beruf bänker, der als dragqueen lola glitter in zürich bekannt ist. lola glitter sah umwerfend aus und trat zum pride als”miss familienlobby” mit schicker schärpe auf. “die sollen nur kommen”, sagte jerome kurz vor start lachend, “da hinten stehen sie und warten schon.” doch als der zug begann, hatten sich die protestler schnell verzogen. war ja nicht mal der wettergott auf ihrer seite.

der sonnenschein hielt sage und schreibe zwei stunden, genau so lange brauchte der zug von seinem start bis zum ziel. dann gab es wieder viele kurze duschen. war aber auch nicht schlimm. man nahm es mit gelassenheit. schwule, lesben und transgender können auch gut im strömenden regen tanzen.

apropos tanzen: auf der hauptbühne legten viele djs aus halb europa auf, na ja: aus halb westeuropa auf, es gab keinen einzigen dj aus osteuropa. aber dafür sorgte dj jan fischer aus berlin für stimmung. der sass übrigens auch im flieger so wie ja auch nina queer. meine lieblings-dragqueen legte nachmittags auch auf – ups, dabei dachte ich doch, sie hätte zürich längst verlassen … hatte mich schon gewundert, dass nina so früh am morgen in der lage ist, zu fliegen. sie flog erst abends. ihre kneipe “zum schmutzigen hobby” feierte doch geburtstag. ich  bleib noch. und nehme langsam abschied von zürich. vielleicht geh ich noch züricher geschnetzeltes essen, wenn man schon mal da ist … grüezi aus dem gleich mehrfach wunderbaren zürich.

freudentaumel

Veröffentlich von AHergeth am 6. Juni, 2009

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zürich nervt. nirgends klappt es mit dem kabellosen netzzugang, auch nicht im hotel, das damit aber wirbt. das ist generell ein schwieriges ding in der stadt, erklärt lächelnd die dame an der reception. damit rechnet man nicht. na ja, das internet haben ja auch nicht die schweizer erfunden – jetzt ist der kalauer vom tisch.

so ein trip zum europride ist nicht frei von klischees. es geht schon beim abflug los. man kennt ja immer jemanden … nina queer sitzt im flieger. “hallo cheffe” raunt sie mir zu, schliesslich schreibt sie in DU&ICH regelmässig eine kolumne. sie hat gestern abend aufgelegt. ich war da, gerade als karel gott “in einem unbekannten land” sang, betrat ich eine art aufblasbaren wattebausch, eine temporäre halle, wo es tags über drinks und infos gibt, abends eben party. es war rappelvoll. nina queer hatte ihren spass, gab mir jägermeister aus, die jungs wurden immer hübscher, aber das gehört hier nicht her.

zürich fasziniert. die stadt ist so anders als berlin. kleiner natürlich. so pittoresk und aufgeräumt, sauber und adrett. aber das hat charme, weil trotzdem so etwas wie weltläufigkeit zu fühlen, zu atmen ist. überall menschen aus aller welt. und jetzt eben viele viele lesben und schwule und transgender. und die fallen auf, ganz anders als in einer megastadt wie berlin oder köln. in der altstadt – liebevoll “dörfli” genannt – ist eine riesiges stadtfescht aufgebaut, überall bühnen, buden, stände, also viel zu hören, sehen, futtern und trinken. die stadt trägt farbe, was an den regenbogenfahnen liegt. die schweizer haben strenge regeln zur beflaggung. es grenzt an ein wunder, dass die regenbogenfahnen überall flattern - neben der schweizer nationenflagge und der blau-weissen fahne zürichs. in den strassen, auf brücken, sogar an jeder tram, ein zeichen, dass die stadtverwaltung da setzt. ein kleines wunder in einer stadt, wo – toleranz hin oder her – immer noch viele konservative kräfte gegen den europride arbeiteten. hat ja eber nichts genutzt. und die homo-hasser haben jetzt eh die schlechteren karten. mit corine mauch wurde vor ein paar wochen die erste frau in das amt der stadtpräsidentin gewählt, alos der oberbürgermeisterin. sie ist offen lesbisch. klaus wowereit hat sie schon nach berlin eingeladen, wie sie mir bei einem glas weisswein (aus der stadt zürich) erzählte. kluge frau, sehr sympathisch, gut aussehend. was für ein glücksfall: als die europride nach zürich geholt wurde, war ja nicht klar, dass dann, wenn die eurorpide stattfindet, eine lesbische bürgermeisterin das spektakel eröffnet. ein signal soll vom euroride ausgehen, hat corine mauch gesagt. das haut hin: die stadt swingt. es ist ein verdammt gutes gefühl, hier zu sein, dabei zu sein. gelebte toleranz sozusagen.

nina queer übrigens hat die nacht durchgemacht und sass schon morgens um acht im flieger zurück nach berlin. ich bleibe noch. nachher geht es zur pride, abends stehen viele partys auf dem programm. eine stadt im queeren freudentaumel …

ach, fast vergessen: es freitag schien die sonne. seit samstag früh regnet es leider. aber zürich lässt sich die laune nicht vermissen. ich auch nicht. grüezi aus zürich

Party im Dörfli

Veröffentlich von AHergeth am 4. Juni, 2009

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… so nennen die Züricher ihr Altstadtviertel …

Ab Freitag Abend bin ich vor Ort als einer von 100.000 erwarteten Schwulen und Lesben:

Andreas Hergeth, Chefredakteur des schwulen Magazins DU&ICH.

Bis dann!