Chères Kerstin et Susanne,
darf ich Ihren großartigen Artikel zitieren?
Aber erstmal der Hintergrund: Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 2, 2009.
Titel: Wenn Frauen sich mehr trauen.
Schon im Vorspann, ein volles Programm:
“Die neuen Lesben sind völlig frei vom politischen Männerhass vergangener Tage, denn sie wissen: sich für immer auf eine sexuelle Richtung festzulegen ist so altbacken, wie sein Leben lang die gleiche Partei zu wählen.”
Weiter im Text:
“Dass sich zwei junge Frauen ineinander verlieben, ohne dass sie sich deswegen für lesbisch oder bisexuell hielten, gehört heute fast schon zum guten Ton.”
Recht haben Sie! Was für ein Fauxpas das wäre, sich für lesbisch oder bisexuell zu halten. Lesbischsein ist ja nur eine Phase. Das haben Sie so treffend formuliert: Es ist “eine Auszeit von den Männern”, “ein Kurzurlaub mit Wellnessprogramm”. “Wenn dieser Urlaub zu Ende ist, denken sie gern an ihn zurück, buchen ihn häufig aber kein zweites Mal.” Ach, Sie Dichterinnen.
Weiter! “Lesbischsein ist im gesellschaftlichen Mainstream angekommen”, denn “so viele haben sich öffentlich zu lesbischer Liebe bekannt.” Ach so, Anne Will wird genannt. Die selbe, die bei ihrem Coming-Out nicht von L-Mag interviewt werden wollte – wäre es ihr doch zu lesbisch gewesen, im bundesweiten Magazin für Lesben zu stehen?
Weiter, weiter!
“Richtig lesbisch sind in den Augen der Männer nur die hässlichen Frauen, die schönen sind allenfalls bi.” “Was vielen Männern zudem Angst macht– und manchen Frauen auch: Lesbische Frauen sind nicht mehr als solche zu erkennen.”
“Heute gilt als selbstverständlich, was lang verpönt war: schön sein, unpolitisch sein, switchen oder lesbisch sein und trotzdem Kinder haben.”
Prächtig, chères Kerstin et Susanne.
Fazit:
1. Lesbischsein ist eine Phase
2. Politisch sein als Lesbe ist out
3. Hässliche Lesben gehören sich nicht
4. Schöne Lesben machen Angst
5. Lesbischsein ist im Mainstream angekommen – aber nur, wenn man Madonna oder Britney Spears heisst. Erst dann kann man vor der Kamera knutschen. Und auch nur, weil das eine Phase ist.
Cooler Artikel.
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/27715
(Kerstin Greiner und Susanne Schneider: Journalistinnen)






