Einträge mit dem Stichwort: lesbisch
Chère Antje,
wie schön, dass du dir mal vorgenommen hattest, einige Geschichten des amerikanischen Autors Pat Califia ins Deutsche zu übersetzen. Du und deine co-Übersetzerin Manuela Lachmann hattet bestimmt viel Spass dabei! Jetzt stehen den deutsch und kein englisch sprechenden oder lieber auf deusch lesenden LeserInnen fünf Erzählungen (gesammelt im Buch Frauen und andere Raubtiere) zur Verfügung.
Dildos als Gummi-Hot-Dogs, Finger, die schneller aus dem Blick verschwinden als die einer Vanilla-Lesbe aus der ängstlichen Rosette ihrer Freundin, in der sie gerade auf ein bisschen Scheisse gestossen ist, Möse, die sich gegen die Jeansnaht presst, so wie eine Katze sich ans Bein schmiegt, wenn sie einem klarmachen will, dass es Zeit furs Frühstück ist. Neben seiner Fähigkeit, Erotik literarisch zu verarbeiten, schätze ich an Pat Califia seine Metaphern. Nun weiss ich auch, warum Muschis Muschis heissen.
Nur eine Sache verstehe ich nicht: wieso wird der als transgender Mann lebende Patrick Califia immer wieder als “sie” dargestellt?
(Antje Wagner: Autorin und Übersetzerin)
Cher Gott,
wenn ich gross bin, möchte ich keine Barbie Puppe werden.
Neulich habe ich einen kleinen Artikel über die Dame geschrieben und da habe ich bei Mattel nachgefragt, ob es irgendwann mal auch eine lesbische Barbie geben könnte*. Die Pressesprecherin hat die Frage nicht verstanden. “Was soll das heissen?” “Wo kommt diese Frage her?” “Barbie ist und bleibt ein Spielzeug für Kinder, ihre Sexualität hat hier gar nichts zu suchen.” – Erstens: interessant, dass eine homosexuelle Puppe auf ihre Sexualität reduziert wird. Zweitens, ach so, ich dachte, dass Barbie und Ken mal zusammen waren. “Nein, Ken ist nur ein Freund! Ausserdem ist Barbie jetzt wieder single”. – Hm. “Und wie sollte überhaupt so eine Puppe aussehen? Z.B. Barbie hat eine behinderte Freundin im Rohlstuhl, ja, da ist dann klar, wie man sie darstellt, oder es gibt auch schwarze Barbies, aber wie soll man klar machen, dass eine Barbie lesbisch ist?” Na z.B., cher Dieu: 1961 wurden Fernsehspots ausgestrahlt, in denen berichtet wurde, wie Barbie und Ken sich kennenlernten. 2004 – nach 43 Jahren Beziehung – gab Mattel bekannt, dass die beiden Puppen sich offiziell getrennt hatten. Am Valentinstag. Also jetzt könnte die Firma bekannt geben, dass Barbie sich in eine ihrer zahlreichen Freundinnen verliebt hat?
Ah, ich glaube, ich habe’s! Vielleicht hätte Mattel Angst davor, dass alle Mädchen dann lesbisch werden? Erstens: wieso würden alle Mädchen lesbisch werden, nur indem sie mit einer lesbischen Puppe spielen? (Sind etwa alle Mädchen, die mit hetero Puppen gespielt haben, auch alle hetero geworden?) Und zweitens: selbst wenn sie es würden: was wäre schlimm daran? (Drittens: nicht nur Mädchen spielen mit Barbie Puppen.)
* oder eine schwule Barbie. Oder eine transgender Barbie. Oder so. Aber das habe ich nicht gefragt.
Sex im Alter: Im Osten was Neues
Veröffentlich von Céline Robinet am 19. Februar, 2009
Kommentare deaktiviert
Chère Virginie,
weisst Du noch, wie ich Dich einmal fragte, ob Du nicht Lust hättest, einen lesbischen Porno zu drehen, weil die Welt und nicht zuletzt Lesben mehr Bilder von lesbischer Erotik bräuchten?
Und was würdest Du von einem Senioren-Porno halten?

Als letztes Jahr der deutsche Filmregisseur Andreas Dresen mit « Wolke 9 » die Liebesgeschichte und bei der Gelegenheit eine sehr schöne Sex-Szene zwischen zwei Mitte 60-Jährigen auf die Leinwand brachte, war hierzulande die Rede vom Tabubruch. In Japan haben die Porno-Produzenten diese Marktlücke schon längst entdeckt. In den letzten zehn Jahren wurden Tausende von diesen Streifen gedreht. Kein Wunder, denn im Jahr 2025 wird im Land der aufgehenden Sonne 27 % der Bevölkerung älter als 60. Nun überlegen sich die Produktionsfirmen, ob sie ihre Filme nicht direkt in den Altersheimen verkaufen sollten.
Statt Karten zu spielen, spielen jetzt japanische Rentner in X-Filmen. Z.B. Shigeo Tokuda. Seit Shigeo in Rente ist, ist der 74-Jährige in mehr als 350 Pornos zu bewundern. z.B. in « Maniac Training of Lolitas » (2004) oder « Forbidden Elderly Care » (2006). Ja, klar, leider sind die weiblichen Darstellerinnen in diesen Produktionen oft keine älteren Damen. Shigeo erzählte der Zeitschrift Times, dass Männer seiner Generation sich nicht mit Schul-Dramen identifizieren können, viel lieber würden sie sich aber Geschichten wie « ein älterer Mann trifft auf seine Schwiegertochter » angucken.
Ach, Virginie, jetzt müssen wir Lesben nicht nur lesbische sondern auch Senioren-Pornos machen!
Na ja, was ich Dir sagen wollte: ich habe es gemacht. Ich meine, ich habe in einem lesbischen queeren Porno mitgespielt. Von Emily Jouvet dem neuen. Er heisst: « Underground Paris to Berlin ». Und das war verdammt nicht so leicht, wie ich dachte. Mais rien de rien, non je ne regrette rien. Hoffentlich gefällt er Dir!
(Virginie Despentes: Schriftstellerin und Filmemacherin)
Das war mein erster Film heute. Kurz nach neun Uhr morgens. Kurz nach neun erwischt einen ziemlich viel, aber ich glaube, der Film hätte ungefähr die gleiche Wirkung abends um acht. Sie stehen gesellschaftlich auf zwei völlig anderen Seiten: Lala, die Tochter gutsituierter Eltern in Argentinien und Guayi, das Hausmädchen aus Paraguay. Nichts desto trotz träumen sie von einem gemeinsamen Leben. Dort, wo Guayi aufgewachsen ist, wollen sie sich ein Haus am See bauen. Das nötige Geld besorgen sie sich durch kleine und größere Diebstähle vor Ort. Doch dann kommt ihnen die Realität dazwischen in Form von herrschenden Strukturen. Guayi weiß nur eine Reaktion: Den Begehrlichkeiten aller nachgeben, die höher gestellt sind als sie. Lala dagegen entschließt sich zu einem weitaus tragischeren Schritt und alles nimmt seinen Lauf. Eine Mischung aus Liebesgeschichte, Drama, unterschwelligen Krimianklängen und Roadmovie hat Lucía Puenzo in der Verfilmung ihres gleichnamigen Romanes geschaffen. Viel geschieht, viel ist bereits geschehen und beeinflusst den Weg der beiden jungen Frauen dramatisch. Und doch hat es etwas unbeschreiblich Romantisches, wenn Lala, trotz allem, die einzige ist, die bereit ist für Guyani Opfer zu bringen. Fast alle anderen haben immer nur genommen. „Ich werde dich verletzen“, warnt Guayi , „Das wird nicht gut gehen“, ein Freund der beiden Lala. Ihre einzige Antwort: „Das ist mir egal“. Denn sie kämpft für etwas, das größer ist, als das eigene Wohlbefinden: die Liebe.
Also: durchaus sehenswert!
Simone
Sa, 07.02. 13:00 CinemaxX 7, So, 08.02. 17:00 Cubix 9, Sa, 14.02. 22:30 Cubix 7 & 8
Mehr:
Chères Kerstin et Susanne,
darf ich Ihren großartigen Artikel zitieren?
Aber erstmal der Hintergrund: Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 2, 2009.
Titel: Wenn Frauen sich mehr trauen.
Schon im Vorspann, ein volles Programm:
“Die neuen Lesben sind völlig frei vom politischen Männerhass vergangener Tage, denn sie wissen: sich für immer auf eine sexuelle Richtung festzulegen ist so altbacken, wie sein Leben lang die gleiche Partei zu wählen.”
Weiter im Text:
“Dass sich zwei junge Frauen ineinander verlieben, ohne dass sie sich deswegen für lesbisch oder bisexuell hielten, gehört heute fast schon zum guten Ton.”
Recht haben Sie! Was für ein Fauxpas das wäre, sich für lesbisch oder bisexuell zu halten. Lesbischsein ist ja nur eine Phase. Das haben Sie so treffend formuliert: Es ist “eine Auszeit von den Männern”, “ein Kurzurlaub mit Wellnessprogramm”. “Wenn dieser Urlaub zu Ende ist, denken sie gern an ihn zurück, buchen ihn häufig aber kein zweites Mal.” Ach, Sie Dichterinnen.
Weiter! “Lesbischsein ist im gesellschaftlichen Mainstream angekommen”, denn “so viele haben sich öffentlich zu lesbischer Liebe bekannt.” Ach so, Anne Will wird genannt. Die selbe, die bei ihrem Coming-Out nicht von L-Mag interviewt werden wollte – wäre es ihr doch zu lesbisch gewesen, im bundesweiten Magazin für Lesben zu stehen?
Weiter, weiter!
“Richtig lesbisch sind in den Augen der Männer nur die hässlichen Frauen, die schönen sind allenfalls bi.” “Was vielen Männern zudem Angst macht– und manchen Frauen auch: Lesbische Frauen sind nicht mehr als solche zu erkennen.”
“Heute gilt als selbstverständlich, was lang verpönt war: schön sein, unpolitisch sein, switchen oder lesbisch sein und trotzdem Kinder haben.”
Prächtig, chères Kerstin et Susanne.
Fazit:
1. Lesbischsein ist eine Phase
2. Politisch sein als Lesbe ist out
3. Hässliche Lesben gehören sich nicht
4. Schöne Lesben machen Angst
5. Lesbischsein ist im Mainstream angekommen – aber nur, wenn man Madonna oder Britney Spears heisst. Erst dann kann man vor der Kamera knutschen. Und auch nur, weil das eine Phase ist.
Cooler Artikel.
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/27715
(Kerstin Greiner und Susanne Schneider: Journalistinnen)








