Der Film „My suicide“ – mit dem schönen Untertitel „a self-inflicted comedy“ – läuft in der Generation-Sektion der Berlinale. Und ist bis jetzt einer der besten Filme die ich gesehen habe. Ungewöhnlich, treffend, herzzerreißend, temporeich, mit tollen Schauspielern und voller Anspielungen, Zitate aber auch stimmigem, realen Gefühl. Ein echtes Kleinod.

Das My Suicide Team
Doch eines gleich vorweg: Eine Komödie bleibt er nicht. Als Archie eher aus Resignation und Teenagerfrust, als aus wirklicher Verzweiflung in seinem Medienkurs sein Abschlussprojekt erklärt, tritt er eine ungeahnte Welle an seiner Schule los. „Ich werde mich vor laufender Kamera umbringen“, erklärt er dem geschockten Lehrer und seinen faszinierten Mitschülern. Plötzlich ist er berühmt. Plötzlich nehmen ihn alle wahr. Vor allem Sierra, sein bis dato unerreichbarer Schwarm. Doch dass er mit seiner Idee nicht nur bei ihr, die so perfekt scheint, offene Türen einrennt, damit hätte er nicht gerechnet. Sein düsterer Flirt mit dem Selbstmord wird plötzlich zu einer todernsten Sache.
Die Arbeitsweise (Video) des Teams ist dabei ebenso ungewöhnlich wie der Film, der dabei rausgekommen ist. Regisseur, Produzent und Autor David Lee Miller hat viel aus der Hand gegeben – Sein Hauptdarsteller Gabriel Sunday (nicht nur Schauspieler sondern auch Filmemacher) und Millers Sohn Jordan schnitten den Film zusammen und entschlossen unter anderem aus den Versatzstücken, die sie bearbeiteten, was zusätzlich noch geschrieben und gedreht werden musste. Rat geholt haben sie sich dabei bei allen möglichen Arten von psychologischem Fachpersonal. Aber keine Angst, hier wird nicht mit dem Holzhammer in die richtige Richtung geschlagen, hier passiert etwas schlicht Magisches: Man sitzt im Kino und hat irgendwann tatsächlich das Bedürfnis, nach der Hand seines Nachbars oder seiner Nachbarin zu greifen. Also: Gebt gut Acht, wohin ihr euch setzt.
Siehe auch: Sammelsurium #03.
Simone