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Einträge mit dem Stichwort: sex

Die Sexkoryphäe

Veröffentlich von Serpil Pak am 14. November, 2008

2 Kommentare

Sehr geehrter Mr. X, danke für deinen Kommentar, gerne kläre ich Dich auf. Als Sexkoryphäe von Kreuzberg ist das meine Aufgabe. Wie ich allerdings zur Sexkoryphäe geworden bin entzieht sich auch meiner Kenntnis. Meine Vermutung: mein sexponierter Tanzstil verleitete zu dieser Wortneuschöpfung. Ich habe diesen Ruf von der Berliner Szene verliehen bekommen. In einer sexlosen Phase meines Lebens hat mir eine Lesbe diesen Satz entgegengerufen, als ich sie anflirten wollte: „Geh weg, ich habe Angst vor dir, du bist als die Sexkoryphäe aus Kreuzberg verschrien!“ ??? Zunächst war ich geschmeichelt, dann bald überfordert. Ich meine, was ist eine Sexkoryphäe, was muss sie alles wissen, was eventuell alles können?
Vor allem: warum hatte mir das bis jetzt niemand gesagt? Dann hätte ich wenigstens ein paar Rechte eingefordert. Wie kann einen der eigene Ruf so dermassen links überholen? Jedoch: Alles was ich mache, mache ich 175 %. Also habe ich versucht erstmal Begrifflichkeiten festzulegen. Ich meine, was gibt es überhaupt für Arten von Sex: horizontal, vertikal, subkutan, sm und latexsex, bio und floralsex, latex und verbalsex, Schwule kürzen gerne alles ab: mm, ns, av, ov, tt … Zuerst habe ich auch in deren Szene recherchiert, aber dann wollte ich nicht weiter im Kakasutra wühlen.
Aber Kreuzberg braucht dringend eine Sexkoryphäe, wer soll sich denn in diesem verbalen Sexchaos noch zurechtfinden. Neueste Entwicklungen sprachlicher Finessen: Ich habe ein befreundetes schwules Paar. Der Schwiegervater nennt den einen seine Schwiegerschwuchtel. Oder eine befreundete Transe, deren Nichte gibt mit ihm immer in der Schule an: du hast eine Tante, du hast einen Onkel, pah …, ich habe einen Tantonkel!!
Also Mr. X, bevor du dich zu einem meiner Seminare anmelden willst, sollte ich dir sagen, eine Sexkoryphäe hat keinen Sex, die beschäftigt sich auf rein theoretischer Ebene damit, heisst ja nicht Sexbombe. Nuttiges Schicksal sagen die Orientalen.

i’m a fucking cyborg

Veröffentlich von Céline Robinet am 11. November, 2008

1 Kommentar

cher pat,
um seinen mund ist bart. seine lippen schauen still zu. den worten will er sich nicht nähern. noch nicht. hat er gesagt. er ist stärker als ich. hält meinen arm an meinem rücken. den zweiten auch. ich kann mich nicht wehren. zwang. leder. er ist stärker. als. ich. ausgeliefert. war. konnte. ich. nicht. mehr. atmen. seinen bart reibt er an meiner wange. belebt mich wieder. jedes haar, ein wunder. sowie seine stimme. durch testo erzeugt. tu m’excites, bébé. das kleinste haar, die muskeln, die haut, rauh und leicht gehagelt durch hormone. die natur ist verwirrt. kennt den neuen erfinder: spritzen. www unter meinen fingerspitzen. er ist übersinnlich. ein WeltWunderWerk habe ich gesagt. unerforschlich. unmöglichkeit in der härte dieser knochen. wichtig: er ist da. jetzt und nun. hält mich in seinen unerklärten armen. drückt. fester. atmet ruhig damit mein atem seinem folgt. chut, die sonst nur nachts anvertrauten worte. ganz der sanftheit zugewandt. die letzte, klägliche sanftheit. angerührt beobachte ich die in zeitlupe landenden flugzeuge, während er mich mit details überhäuft und die platte sauber macht, wo die forelle darauf war, mit spülmittel aus zitrone, so als hommage. ach und bitte mich mit watte lasieren und erstarren lassen, watte als fühlstoff, mit watte vollgestopfte schläge, voll und brechend wie auf den boden fallende geräusche.

hast du gemerkt, cher pat? schwule spielen bei SM nicht mit dem gender. das weibliche meine ich. top, sub, dom oder bottom ist jeder am männlichsten. normative power. dürfen die doch. bei heteros hingegen ist die frau hyperweiblich. als dies oder das gleicht sie sich dem ach jenem idealbild von weiblichkeit an. keine hinterfragung. die umkehrung ist hier undenkbar. der heterosexuelle bottom, ja, der wird manchmal zum weib. dienerin. hure. putzfrau. alles in allem: unterwürfig. im sinne vom patriarchat natürlich. aber lesben! lesben-frauen-trans, die da, die spielen alles. als sub oder top, anbei butch girl daddy boy stone fem und nicht. nichts festes im gender. und umgekehrt. die position im machtverhältnis hängt nicht von der performten rolle ab. sm-lesbians are fucking cyborgs.
(Pat Califia: Autor)

Hat sie oder hat sie nicht?

Veröffentlich von Céline Robinet am 31. Oktober, 2008

1 Kommentar

Cher Jürgen,

erstens möchte ich Dir sagen, dass mir Euer Pornfilmfestival sehr gefallen hat. Sogar einige schöne Lesben-Pornos gab es da! Sonst werden lesbische Szenen oft nur von Männern für Männer gedreht, man braucht sich nur die riesigen langen roten scharfen Fingernägel der Schauspielerinnen ansehen. Glauben die Regisseure wirklich, dass Frauen sich gern die Klitoris mit scharfen Klingen betatschen lassen?
Und zweitens wollte ich dir auch sagen, dass Du, Jürgen, super süß bist.
Als Du bei der Fragerunde nach dem lesbischen Kurzfilm „Uniform“ mit wohlwollendem Blick und deiner unbefleckten Mütze auf dem Kopf die Regisseurin gefragt hast, ob sie der Meinung sei, dass die Sex-Szene authentisch wirke, weil Du als Schwuler keine Ahnung vom weiblichen Orgasmus hast, warst Du echt sexy.
Denn zu Deiner Überraschung endete der wilde Geschlechtsverkehr zwischen einer weisen Schwarzfahrerin und der schwarzen Kontrolleurin damit, dass die Durchgefickte in Tränen ausbrach.
Du hast recht, Jürgen, Frauen spritzen meistens nicht ab – ihr Ejakulat bleibt ein Sonderfall. Klar macht es das schwieriger, festzustellen, wann und ob sie kommt. C’est la vie. Also hier einige Tipps, falls Du künftig einen weiblichen Höhepunkt auf „Echtheit“ prüfen willst:
Für jeden echten weiblichen Orgasmus gibt es bestimmte Signale. Vor dem Höhepunkt beginnt ihre Nase zu laufen. Leicht. Ganz leicht. Die Haut zwischen den Brüsten wird zart Rot. Allmählich verhärten sich ihre Brustwarzen. Ihre Pupillen weiten sich. Ihr Atem wird schneller. Der Hals wird trocken. Sie schluckt. Und zuckt. Der große Zeh richtet sich auf! Erlöst bricht der Körper manchmal vor Freude in Tränen aus. Oui. Das kann kein Mensch vortäuschen. Bei mir fühlt sich das so stark an, dass ich glaube, ich könnte alles machen. Als wäre ich sogar im Stande Wasser zuzunähen. Natürlich kann ich das – ich brauche einfach nur die richtige Nadel.
Du siehst, cher Jürgen, das ist sehr einfach.

(Jürgen Brüning: Erfinder des Berliner Pornfilmfestivals)